Von Michael Schreiber, 03.01.2014

Handel im Internet Muss ich meinen Online-Verkauf versteuern?

Finanzbeamte schauen nicht nur professionellen H√§ndlern auf die Finger. Auch private Online-Verk√§ufer werden √ľberpr√ľft. Aber wo ist die Grenze zwischen privat und gewerblich?
Handel im Internet Muss ich meinen Online-Verkauf versteuern?

Online kaufen und verkaufen - immer bliebter

Jede Minute wechselt online eine Digitalkamera ihren Besitzer, alle zehn Sekunden eine CD. Das Internet ist ein Milliardenmarkt: Allein das Portal Ebay wird von 17 Millionen Bundesb√ľrgern jeden Monat genutzt. Die Suche nach einem Schn√§ppchen im Netz ist f√ľr viele ein reines Hobby. F√ľr so manche Familie auch eine gute M√∂glichkeit, Gebrauchtes zu Geld zu machen. Allerdings sind Gewinne aus Online-verk√§ufen nicht immer reine Privatsache. Aber wann muss ich mit dem Finanzamt teilen?

Keine Probleme mit dem Finanzamt bekommen Sie zum Beispiel, wenn
  • Sie Briefmarken und M√ľnzen sammeln und Einzelst√ľcke im Internet verkaufen oder die Sammlung umschichten,
  • Sie Ihren Dachboden oder Keller entr√ľmpeln, selbst dann, wenn Sie viele Teile zu Geld machen oder kurzfristig h√∂here Ums√§tze erzielen.
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Wann sind auch Privatanbieter steuerpflichtig?

Ausnahmen gelten f√ľr private Anbieter bei besonders wertvollen Gegenst√§nden. Das k√∂nnen zum Beispiel Goldbarren, Schmuck, M√ľnzen oder Antiquit√§ten sein. Solch teure Wertgegenst√§nde m√ľssen Sie in Ihrer Einkommenssteuererkl√§rung angeben, wenn zwischen dem Kauf und dem Verkauf weniger als ein Jahr liegt und der Gewinn √ľber das Jahr mehr als 599,99 Euro betragen hat.

Der Finanzbeamte schaut aber nicht nur auf die Höhe der Umsätze und die Anzahl der Auktionen, sondern auch darauf, wie beim Handeln im Netz vorgegangen wird. Bauen Sie zum Beispiel einen eigenen Online-Shop auf und verteilen Kataloge dann kann es passieren, dass Sie das Finanzamt als steuerpflichtigen Händler einstuft.

Fazit: Arbeitnehmer, die sich am Abend etwas dazuverdienen, d√ľrfen Gewinne bis zu 410 Euro pro Jahr legal steuerfrei hinzuverdienen. Alles dar√ľber hinaus m√ľssen auch sie versteuern. Als steuerpflichtiger H√§ndler gilt man aber erst dann, wenn ertragreiche Gesch√§fte dauerhaft gemacht werden oder etwa Ware zugekauft wird, um sie mit Gewinn wieder zu verkaufen.
Beispiele aus den Gerichten

Spielzeug kostet Mehrwertsteuer: Ein Ehepaar ist von den Bundesrichtern als mehrwertsteuerpflichtige H√§ndler eingestuft worden. Das Paar hatte Spielzeug und andere Haushaltgegenst√§nden verkauft und damit innerhalb von dreieinhalb Jahren mit 1.200 Verlaufen einen Umsatz von knapp 84.000 Euro erzielt. F√ľr den Bundesfinanzhof (26.4.2012, AZ. V R 2/11) agierte das Paar wie ein H√§ndler und musste Umsatzsteuer nachzahlen.

H√§ndler, ohne es zu wissen: Wer ist nun H√§ndler? Das ist auch f√ľr Zivilgerichte nicht eindeutig. Ein Ebay-Verk√§ufer wurde beispielsweise zu einem H√§ndler eingestuft, weil er mit „tonnenweise Hardware“ warb und innerhalb von zwei Jahren mehr als 240 Bewertungen erhalten hatte. Das Oberlandesgericht Hamburg nahm Gewerblichkeit an (Az. 5 W 7/07). Das LG Hannover (Az. 18 O 115/05) unterstellte dies auch einem Verk√§ufer, der Bekleidung verschiedener Gr√∂√üen anbot. Das Landgericht Berlin stufte eine Frau auch als gewerbliche H√§ndlerin ein, weil sie 2006 innerhalb von zwei Monaten √ľber 90 Kleidungsst√ľcke ihrer vier Kinder online angeboten hatte (Az. 103 O 75/06).

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