Von Matthias Kutzscher, 18.08.2017

Wärmeerzeugung Was Stromheizungen bringen

Immer mehr Hersteller von Heizungsanlagen werben für Wärme aus Elektrizität. Günstig und sauber soll die Nutzung der Technologie sein. Lesen Sie, ob Heizen mit Strom derzeit sinnvoll ist.
Wärmeerzeugung Was Stromheizungen bringen

Elektroheizungen gelten allgemein als ineffizient.

Die Aussage ist eindeutig: "Vorsicht", sagt Hans Weinreuter, "Heizen mit Strom kann sehr teuer werden." Der Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz gehört zu den Kritikern eines Trends, der Deutschland in den vergangenen Jahren erfasst hat: Auf Elektrizität als Wärmequelle bei der Sanierung oder dem Neubau von Häusern zu setzen.

Zwar haben Stromheizungen bei uns mit rund sechs Prozent einen vergleichsweise geringen Marktanteil; und im Neubau entscheiden sich schätzungsweise nur ein bis zwei Prozent der Bauherren für elektrisch betriebene Heizsysteme. Doch immer mehr Immobilienbesitzer wollen offenbar unabhängig von unsicheren, fossilen Energielieferungen werden und auf selbst produzierten, regenerativen Strom umsteigen.
Stromvergleich

Im Winter muss Strom zugekauft werden

"Wir beraten zunehmend Leute, die eine Photovoltaik-Anlage auf ihrem Haus installieren und dann per Stromheizung die eigene Energie auch verbrauchen wollen", bestätigt Jochen Schneider, Architekt und Energieberater bei der Verbraucherzentrale Baden-Würtemberg. Aber die Rechnung gehe nicht auf, warnt der Experte. Denn Solarzellen erwirtschaften genau in der kühlen Jahreszeit, wenn es im Kinderzimmer oder Bad warm sein soll, in unseren Breiten nur rund ein Drittel ihres Ertrags.

Bei einer normal dimensionierten Photovoltaik-Anlage ohne Stromspeicher reicht das selbst für Passivhäuser, die exzellent gedämmt sind und nur einen jährlichen Heizenergiebedarf von maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter haben dürfen, nicht aus. Die Folge: Während im Sommer zu viel Energie für den Eigenverbrauch produziert wird, muss im Herbst, Winter und Frühjahr zugekauft werden.

Heizen mit Strom eher teuer

Strom kostet jedoch mit etwa 30 Cent je Kilowattstunde (kWh) derzeit erheblich mehr als Erdgas, Öl, Holz-Pellets oder Fernwärme. Weil wir aus der Kernkraft aussteigen und alternative, ökologisch sinnvoll Energien fördern, wird sich an dieser Tatsache auch wenig ändern. So geht das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit im vierten Energiereport davon aus, dass sich der reale Strompreis bis 2030 allenfalls marginal nach unten bewegt.

Werden selbst die vergleichsweise günstigen Anschaffungs-, Wartungs- und Servicekosten einer Elektroheizung einkalkuliert, bleibt unter dem Strich die Erkenntnis: "Soll eine Elektroheizung zum dauerhaften Betrieb eingesetzt werden, ist sie gegenüber einer konventionellen Heizungsanlage oft nicht wirtschaftlich", schreibt Alexander Rosenkranz in einem Beitrag des Fachportals heizung.de. Das bestätigt Jochen Schneider: "Als Permanent-Heizung sind Systeme auf Strombasis denkbar ungeeignet", sagt der Energieberater.

Verbraucherschützer bezweifeln ökologische Vorteile

Kritisch sehen Verbraucherschützer auch das Argument, dass Stromheizungen umweltfreundlich seien. Aufgerüstet mit moderner Regeltechnik könnten private Nachtspeicherheizungen, heißt es bei Energieversorgern und Heizungsherstellern, künftig sogenannten Überschussstrom etwa aus Windanlagen im Winter zwischenlagern und tagsüber dann als Wärme abgeben.

Zwar laufen hierzulande rund eine Million dieser Nachtspeicherheizungen, doch laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz gibt es bisher kein einziges konkretes Angebote eines Energieversorgers dazu. Zudem werden im Jahresdurchschnitt erst gut 30 Prozent unseres Stroms aus Wind, Biomasse, Sonne und Wasser gewonnen.

Ziel der Bundesregierung ist es, dass erneuerbare Energien 40 bis 45 Prozent der Stromerzeugung im Jahr 2025 übernehmen, und 55 bis 60 Prozent 2035. Ob das realistisch ist, bleibt abzuwarten. Daher sagt Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher: "Von Stromheizungen sollte man bislang aus ökonomischen und ökologischen Gründen die Finger lassen."
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Matthias Kutzscher mein Name ist Matthias Kutzscher. Mit Beiträgen über Strom, Gas, Öl und Erneuerbare Energien, über Preise und Verträge, Geräte und Produkte, über Marktdaten sowie staatliche Förderkonditionen liefere ich Ihnen Tipps, die Sparen helfen. Nach dem Wirtschaftsstudium in Großbritannien und Volontariat bei der Deutschen Presse-Agentur arbeite ich seitdem als Journalist.

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