US-Finanzkrise
Welche Auswirkungen es für deutsche Versicherte gibt
22.09.2008
Von Ulrich Schindler und Marcus Preu
Nicht nur Anleger bangen angesichts der US-Finanzkrise um ihr Geld. Auch Versicherte sorgen sich derzeit um ihre Altersvorsorge. In Deutschland gibt es knapp 94 Millionen Lebensversicherungsverträge. Eine berechtigte Sorge?

Ist es möglich, dass eine deutsche Versicherung wegen der US-Krise Pleite geht?
Möglich ja, aber unwahrscheinlich. Denn schlecht wirtschaftende Versicherer, werden eher von Wettbewerbern übernommen – alleine wegen des wertvollen Kundenstamms. Beispiele gibt es genug, so zuletzt die Familienfürsorge, die jetzt zur HUK-Coburg gehört. Klappt das nicht, springt der Rettungsfonds der Versicherer ein – wie bei der Mannheimer Lebensversicherungs-AG. Die Verträge gingen auf den Rettungsfonds Protektor über. Für deren Kunden gab es vorübergehend nur den Garantiezins, aber keine Überschusszahlungen.
Haben deutsche Versicherer sich verzockt?
Darüber kann man spekulieren. Haben sie sich an die Vorschriften der staatlichen Finanzaufsicht gehalten, ist so gut wie ausgeschlossen, dass Geld in riskante Finanzprodukte transferiert wurde.
Sind Fehlspekulationen an der Börse durch Versicherungen wahrscheinlich?
Deutsche Versicherer legen das Geld zumeist in festverzinsliche Wertpapiere an – das Risiko ist hier gering. Nur etwa zehn Prozent fließen in Aktien, bei manchen Gesellschaften wie der Debeka ist der Anteil deutlich niedriger. Die Allianz Leben hat den Aktienanteil am Kapitalvermögen binnen eines Jahres um rund fünf Prozent auf auf unter 15 Prozent gesenkt.
Was bedeutet die Krise für die Erträge der Versicherer?
Zuletzt ist die Verzinsung laut map-Report von 4,26 auf 4,39 Prozent gestiegen. Versicherungsexperten halten einen weiteren Anstieg 2009 aber für unwahrscheinlich. Denn die Zentralbanken haben viel Geld in die Finanzmärkte geleitet, was an den Anleihemärkten sinkende Renditen bedeutet – wovon auch Versicherungen betroffen sein werden.
Sind Versicherte, die fondsgebundene Policen abgeschlossen haben, stärker betroffen?
Laut Versicherungsverband GDV gibt es rund 11,7 Millionen fondsgebundene Lebensversicherungen. Ein trotz des höheren Risikos recht hoher Anteil, der darin begründet ist, dass die Versicherungsgesellschaften von den höheren Kosten dieser Produkte profitieren. Hierfür gibt es zumeist so genannte Kickbacks – also Bestandsprovisionen. Riskanter sind solche Policen, da bei schlechten Fonds den Versicherer die Kursverluste deutlicher treffen als eine geringere Verzinsung bei Kapitallebensversicherungen.