Private Krankenversicherung
Vorsicht bei Lockangeboten
24.02.2010
Von Annette Jäger und Marcus Preu
Eine private Krankenversicherung für 59 Euro im Monat – das klingt verlockend. Derzeit ist Werbung für solche Schnäppchenangebote auf vielen Internetseiten geschaltet. Zudem soll der Verbraucher durch Nennung diverser Testsiege zum Ausfüllen eines Antrags gebracht werden. Hier ist Vorsicht geboten.

Eine private Krankenversicherung ab 59 Euro für einen 20 Jahre alten Mann ist unrealistisch. „Das kann keine private Krankenvollversicherung sein, die in Deutschland zugelassen ist“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Hamburg. Denn laut Gesetz muss eine Krankenversicherung einen bestimmten Umfang haben. „Für 59 Euro ist das hierzulande nicht zu haben.“
In Deutschland gilt die Krankenversicherungspflicht und damit auch die Vorgabe, dass eine private Versicherung mindestens das leisten muss, was auch in der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird. Eine Police muss ambulante und stationäre Behandlungen abdecken. Bei einer derartigen Billigpolice seien vermutlich wichtige Bausteine herausgenommen.
Zweifelhaftes Impressum
Wie sich die angebotene Police zusammensetzt, lässt sich nicht überprüfen. Auf der Internetseite kann man lediglich ein Angebot anfordern. Dazu muss man aber erst mal detaillierte Angaben zu Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Familienstatus machen. Es ist nicht ersichtlich, was „Famiplus“ eigentlich ist – ein deutsches Versicherungsunternehmen jedenfalls nicht, möglicherweise aber ein Versicherungsvermittler. Im Impressum wird lediglich eine Postadresse in den Niederlanden genannt, keine Telefonnummer, keine E-Mail-Adresse. „Hier ist auf jeden Fall Klärungsbedarf“, sagt Rudnik. Beim Bund der Versicherten hat man von dem Anbieter noch nie gehört.
Zudem sind die vermeintlichen Auszeichnungen, überschrieben mit: „Hier bekommen Sie den Testsieger-Vergleich“ schlicht unwahr. Schaut man sich die dargestellten Logos näher an, hat keines mit einer privaten Krankenversicherung zu tun. Die nur schwer lesbaren Bilder stehen für alles – nur nicht für private Krankenversicherungen. So bezieht sich das "Siegel" der Stiftung Warentest auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung und das von Ökotest auf eine Risiko-Lebensversicherung. Auch die anderen vier „Auszeichnungen“ weisen keinen PKV-Testsieger aus.
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