Fahrrad-Versicherung
Risiken oft unterschätzt
06.06.2010
Von Horst Peter Wickel
Jährlich ereignen sich in Deutschland rund 80.000 Fahrradunfälle, mehr als 450 enden sogar tödlich. Wie man die Gefahren richtig einschätzt – und welche Versicherungen Experten empfehlen.

Nach einem kalten, nassen Mai kann der Sommer jetzt kommen – und viele starten zu den ersten Touren und Ausflügen per Rad. Eigentlich sollten Radfahrer die spezifischen Gefahren des Straßenverkehrs genau kennen, aber, so warnt Jens Christian Berggreen, Sicherheitsexperte beim Deutschen Ring: „Zweiradfahrern, die selten in die Pedale treten, fehlt dafür jedoch häufig die Routine.“ Sie können Risiken im Straßenverkehr teilweise nicht richtig einschätzen. Deshalb sind sie oftmals unsicher und reagieren in gefährlichen Situationen falsch.
Kreuzungen als besonderer Gefahrenpunkt
Viele Deutsche schätzen schon die Gefahren falsch ein. So passieren die meisten Unfälle an Straßenkreuzungen, weil Autofahrer die Radfahrer beim Abbiegen zu spät sehen. Dieses Unfallrisiko wird jedoch von der großen Mehrheit der Verkehrsteilnehmer verkannt. Nur sechs Prozent der Deutschen beurteilen Kreuzungen als besonders gefährlich. Als wesentlich riskanter erachten sie beispielsweise, wenn Autofahrer mit geringem Abstand überholen. Zumindest statistisch gesehen eine Fehleinschätzung, denn dabei kommt es nur selten zum Zusammenstoß. Das sind die Ergebnisse der Fahrradstudie 2010“ des Deutschen Ring.
Als wichtigste Versicherung für Radfahrer sehen Experten die Private Haftpflichtversicherung an. Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) erklärt: „Hier sollte auf ein gutes Bedingungswerk und nicht so sehr auf die Beitragshöhe geachtet werden. Die Deckungssumme sollte mindestens 3 Mio. Euro betragen.“ Der Vorteil der Haftpflichtversicherung ist nach Rudniks Einschätzung, dass bei einem Schaden der Versicherer die Prüfung der Haftung übernimmt und unberechtigte oder überhöhte Ansprüche abwehrt – notfalls auch vor Gericht. Rudnik sagt: „Die Haftpflicht zahlt berechtigte Forderungen auch dann, wenn ein Schaden „grob fahrlässig“ herbeigeführt wurde. Hier gibt es keine Quotelung.“
Wichtig: Berufsunfähigkeitsversicherung
Weitaus problematischer ist die ausreichende Absicherung des eigenen Lebens und der eigenen Arbeitskraft. So empfiehlt der BdV für alle Berufstätigen dringend den Abschluss einer „Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit guten Bedingungen und ausreichender Monatsrente“. Für Personen, die eine solche Police nicht abschließen können, ist nach Meinung des BdV zumindest eine Private Unfallversicherung anzuraten. Rudnik erläutert: „Hier wäre es aus unserer Sicht wichtig, auf eine möglichst hohe Invaliditätssumme (mit Progression) zu achten und weniger auf Zusatzbausteine, wie ein Unfall-Krankenhaustagegeld oder Unfall-Genesungsgeld.“
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