Versicherungen
Viel Geld für unsinnige Policen
17.09.2008
Von Annette Jäger
Das Leben steckt voller Risiken: Nicht nur Tod, Unfälle und Krankheiten können Verbraucher in finanzielle Krisen stürzen. Auch ein Fahrraddiebstahl, Hochzeitskosten, Benzinpreise, zerbrochene Glasscheiben und die Operation der Katze können den Geldbeutel belasten. Ein guter Grund für Versicherungsunternehmen, für alle erdenklichen Risiken spezielle Policen anzubieten.

Damit macht die Branche jährlich Milliardenumsätze. Doch genau genommen benötigt man nur einen Bruchteil der Versicherungen. „Es gibt mehr unsinnige als wichtige Policen“, sagt Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater in Köln. Deshalb: ausmisten und kündigen. So entlastet man den Geldbeutel am wirksamsten.
Insassenunfallversicherung am unsinnigsten
Die Rangliste der überflüssigen Policen führt nach Meinung von Experten die Insassenunfallversicherung an. Für sie geben Versicherungsnehmer jährlich 146 Millionen Euro aus. „Wenn ich als Autofahrer einen Unfall verschulde, zahlt meine Kfz-Haftpflicht auch für meine Insassen. Ist der Andere Schuld, zahlt dessen Kfz-Haftpflicht“, sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
Auch von Policen wie einer Tierkrankenversicherung, die für Tierarztkosten aufkommt, oder einer Elektrogeräte-Reparaturversicherung sei abzuraten. „Da werden abenteuerlichste Bedingungen festgelegt.“ Am Ende habe man mehr Beiträge für die Reparaturpolice gezahlt, als das Gerät noch wert sei. Und bei dem kranken Haustier sei alles ausgeschlossen, was genetisch bedingt ist. Ebenso viele Ausschlüsse enthalte die Rechtsschutzversicherung. „Über deren Leistung gibt es die meisten Beschwerden von Versicherungsnehmern“, sagt Wortberg.
In die gleiche Kategorie gehört für Versicherungsberater Albers die Sterbegeldversicherung. Die Kombination aus Spar- und Versicherungsvertrag sei immer unrentabel. Das gelte auch für andere Policen, wie die Ausbildungs- oder die Aussteuerversicherung – eine kleine Kapitallebensversicherung, die für die Kosten einer Hochzeit aufkommen soll. „Der Grundgedanke solcher Policen ist nicht schlecht, aber die Lösung taugt nichts“, so Versicherungsberater Albers. Wer Geld für ein bestimmtes Ereignis ansparen möchte, solle sich an eine Bank wenden, nicht an ein Versicherungsunternehmen.
Dread-Disease-Police - Wetten mit der Versicherung
Seit einiger Zeit werden in Deutschland sogenannte Dread-Disease-Policen angeboten, die das Risiko, eine bestimmte schwere Krankheit zu erleiden, finanziell absichern sollen. „Hier geht man eine Wette mit dem Versicherer ein“, sagt Albers. Man muss eine von 30 bis 42 Krankheiten in einem bestimmten Stadium nachweisen, um eine größere Summe ausgezahlt zu bekommen. Meist zahlten solche Policen erst, „wenn man ohnehin nicht mehr lange lebt“. Viele Krebsarten seien hier beispielsweise ausgeschlossen.
Existenzbedrohende Risiken absichern
Grundsätzlich sollte man existenzbedrohende Risiken absichern, sagt Wortberg. Besonders wichtig: Neben der Krankenversicherung sind dies die private Haftpflicht und die Berufsunfähigkeitspolice, für Familien zusätzlich eine Risikolebensversicherung. „Lieber weniger Risiken, diese dafür aber mit ausreichend hohen Versicherungssummen absichern“, sagt Albers. Um die Beiträge bezahlbar zu machen, sollte man Selbstbeteiligungen vereinbaren. Albers warnt davor, alles bei einem Versicherer abzuschließen, denn „es gibt keinen, der in allem gut ist“. Die Beratung sollte von einem unabhängigen Experten erfolgen. Ein Versicherungsberater etwa arbeitet gegen Honorar des Mandanten und ist neutral in seinen Empfehlungen. Ein Versicherungsvertreter oder -vermittler arbeitet dagegen für Versicherungsunternehmen und ist letztlich ein Verkäufer von Policen.