Annette Jäger
Ein Beitrag von Annette Jäger, 11.06.2012

Patientenrechte Unnötige OP nehmen zu

In Deutschland wird mehr operiert als medizinisch notwendig ist. Finanzielle Anreize scheinen der Grund daf√ľr zu sein, warum eine wachsende Zahl von Patienten unters Messer kommt. Das ist das Fazit eines aktuellen Gutachtens, das der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen in Auftrag gegeben hat. Vor √ľberfl√ľssigen Operationen kann sich der Patient vor allem selbst sch√ľtzen – doch dazu muss er seine Rechte erst mal kennen.
Patientenrechte:Unnötige OP nehemen zu

Bei planbaren Eingriffen kann eine Zweitmeinung nie schaden

Von einem starken „Fallwachstum im Krankenhausbereich“ ist in dem Gutachten die Rede: Zwischen 2006 und 2012 ist die Anzahl der medizinischen Behandlungen in Klinken um 13 Prozent gestiegen. „Vieles deutet darauf hin, dass in den Kliniken aufgrund √∂konomischer Anreize medizinisch nicht notwendige Leistungen erbracht werden“, hei√üt es in einer Pressemitteilung des Spitzenverbands.

Vor allem bei R√ľckenbeschwerden sind Operationen oft nicht das richtige Mittel der Wahl. Erst Ende M√§rz hat die Techniker Krankenkasse (TK) nach Auswertung ihrer Daten festgestellt, dass bei R√ľckenbeschwerden zunehmend das Skalpell als Therapiema√ünahme eingesetzt wird. Im Jahr 2006 wurden bei den TK-Versicherten √ľber 10.600 Wirbels√§ulenoperationen durchgef√ľhrt, im Jahr 2011 waren es rund 19.000 Eingriffe. Dabei seien 85 Prozent der Eingriffe unn√∂tig, hei√üt es bei der TK.

√Ąrzte sind sich in der Beurteilung eines Krankheitsbildes keineswegs immer einig. „Wir ermutigen jeden dazu, bei gr√∂√üeren, planbaren Eingriffen, eine zweite √§rztliche Meinung einzuholen“, r√§t Heidrun Holstein von der Unabh√§ngigen Patientenberatung in Karlsruhe. Viele Patienten trauen sich aber nicht, dieses Recht wahrzunehmen und genauer nachzufragen, Behandlungsempfehlungen des Arztes zu hinterfragen oder gar anzuzweifeln.

Zweitmeinung einholen

Man kann den behandelnden Arzt darauf hinweisen, dass man eine zweite Meinung einholen m√∂chte. Man ist aber nicht verpflichtet dazu. Patienten k√∂nnen sich an ihren Hausarzt wenden und dort um eine weitere √úberweisung zu einem zweiten Facharzt bitten. Oder man macht sich auf eigene Faust einen Termin bei einem weiteren Experten aus – dann muss man allerdings die Praxisgeb√ľhr ein weiteres Mal entrichten. „Weitere Kosten fallen aber nicht an. Zweitmeinungen, auch eine dritte oder vierte Meinung sind kostenlos“, sagt Holstein.

Grunds√§tzlich kann man so viele √Ąrzte pro Quartal aufsuchen, wie man m√∂chte. Der Arzt ist auch verpflichtet, die Untersuchungsunterlagen – z.B. EKG, Blutbildanalyse - auszuh√§ndigen, damit man das Untersuchungsprozedere nicht erneut √ľber sich ergehen lassen muss. Allerdings muss man f√ľr Kopien bezahlen. R√∂ntgenbilder muss der Arzt leihweise zur Verf√ľgung stellen. Der Patient muss diese der Praxis nach Gebrauch zur√ľckgeben. R√∂ntgenbilder muss der Arzt 30 Jahre lang aufheben.

Zweitmeinung aus dem Internet

Wer genug hat von vollen Wartezimmern hat, kann sich seine Zweitmeinung auch aus dem Internet holen. Auf dem Portal www.vorsicht-operation.de haben sich √Ąrzte zusammengetan, um Patienten zu beraten, ob eine OP wirklich n√∂tig ist. Patienten f√ľllen einen Fragebogen aus, schicken ihre medizinischen Unterlagen ein und erhalten ein medizinisches Gutachten. Daf√ľr fallen 200 Euro an, bei komplexeren F√§llen kann es auch mehr werden. „Allerdings wird der Gesundheitszustand hier rein nach Aktenlage beurteilt. Vorher sollte man unbedingt eine Kosten√ľbernahme mit der Krankenkasse absprechen“, r√§t Holstein. Auch manche Krankenkassen bieten ihren Patienten Hilfe an: Die Techniker-Krankenkasse erm√∂glicht es R√ľckenpatienten, sich im Rahmen eines Projektes von einem Expertenteam untersuchen zu lassen, um so eine zweite Meinung zu erhalten.

Bisher gibt es in Deutschland kein Patientengesetz, in dem man nachlesen kann, wie sich das Verh√§ltnis zwischen Kranken und Medizinern gestaltet. Viele Regelungen sind √ľber diverse Gesetze verstreut, anderes erst √ľber Gerichtsurteile klar gestellt worden. Diesen Zustand soll nun ein neues Patientenrechtegesetz beenden. Ein Gesetzentwurf dazu wurde Ende Mai vom Bundeskabinett beschlossen.
 
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