Den Vater in Köln besuchen, die Oma in Wien oder die Tante in Kanada: Immer häufiger sind Kinder allein mit dem Flugzeug unterwegs. Dank spezieller Service-Angebote für die sogenannten UMs ("unaccompanied minor", unbegleitetes Kind) lassen immer mehr Eltern ihren Nachwuchs weite Strecken überbrücken. Allein mit der Lufthansa fliegen jedes Jahr 65.000 alleinreisende Kinder.
Aber nicht nur Linienflug-Gesellschaften wie die Lufthansa haben die Kinderbetreuung im Angebot, sondern zum Beispiel auch Germanwings. Gegen eine Gebühr von 30 Euro je Strecke kümmert sich Airline-Personal um das Kind. Wie andere Gesellschaften auch nimmt Germanwings allein reisende Kinder zwischen fünf und elf Jahren nur dann mit, wenn dieser Service gebucht wird. Generell gilt beim betreuten Fliegen ein Mindestalter von fünf Jahren; das Höchstalter liegt bei elf Jahren, mitunter auch darüber. Es gibt aber auch Anbieter wie Ryanair, bei denen keine Möglichkeit besteht, Kinder unter 16 Jahren ohne eine Begleitperson auf die Reise zu schicken.
Zugegeben: Trotz der Betreuung ist der Flug so ganz allein nicht immer unproblematisch. Fremde Umgebung, fremde Geräusche, fremde Menschen. Eltern sollten sicherstellen, dass das Kind auch wirklich allein fliegen will (siehe "Tipps für Eltern"). Sonst kann es passieren, dass schon am Check-in die Tränen kullern. Die Trennung von den Eltern ist für Kinder problematisch, deshalb müssen die Eltern dem Kind unbedingt vorher erklären, was passiert.
Kindermädchen an Bord
Im Prinzip passiert bei allen Linien das Gleiche: Beim Check-In nimmt ein Mitarbeiter das Kind in Empfang und geleitet es durch die Kontrollen bis zum Gate. Meist dürfen die Eltern mitkommen, damit den Kleinen der Abschied nicht so schwer fällt. An Bord kümmert sich das Kabinenpersonal um die Kinder. Eine "Sky Nanny", die ausschließlich für den Nachwuchs da ist, bieten aber die wenigsten Linien. Dafür stellen sie häufig Spiel- und Malsachen zur Verfügung. Am Ziel nimmt ein Mitarbeiter das Kind in Empfang, begleitet es durch die Kontrollen, hilft beim Gepäck und übergibt seinen Schützling schließlich einem zuvor festgelegten Abholer.
So viel Service hat seinen Preis
Für ihre Dienste kassieren alle in der Tabelle genannten Gesellschaften eine Gebühr zwischen 30 und 100 Euro je Strecke. Dazu kommen die Kosten für das Ticket. Während Condor den allein reisenden Kindern keine Ermäßigung gewährt, gibt es bei anderen Gesellschaften Preisnachlässe; üblich sind 20 bis 33 Prozent auf den reinen Flugpreis (ohne Steuern und Gebühren). Die Lufthansa offeriert darüber hinaus spezielle Kindermenüs ohne Aufpreis, die allerdings spätestens 24 Stunden vor Abflug bestellt werden müssen.
Apropos Bestellung: Bei allen Fluggesellschaften müssen allein reisende Kinder angemeldet werden – entweder bei der Buchung oder nachträglich im Call-Center oder via Internet. Meist muss dann auch schon ein Ansprechpartner genannt werden, der das Kind am Zielort in Empfang nimmt. Spätestens beim Check-in werden diese Informationen abgefragt, damit der fliegende Nachwuchs nicht in die falschen Hände gerät. Aus diesem Grund müssen sich Abholer auch durchweg ausweisen.
Tipps für Eltern
- Eltern sollten ihr Kind unbedingt auf die Reise vorbereiten und erklären, warum es allein unterwegs ist und was auf dem Flug passiert – und dass jemand da ist, wenn Probleme auftauchen.
- Vor längeren Flugreisen sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt gehen und klären, ob das Kind fit für den Flug ist – Schwierigkeiten mit Druck auf den Ohren beispielsweise können zu Komplikationen beim Starten und Landen führen.
- Für den Check-in lieber einen Zeitpuffer einplanen: Der Abschied von den Eltern fällt Kindern leichter, wenn dafür genügend Zeit ist. Manche Linien fordern auch, dass allein reisende Kinder früher als andere Passagiere beim Check-in erscheinen.
- Wichtige Dokumente gehören in einen Brustbeutel oder eine Umhängetasche. Dazu zählen Ausweis, Flugticket, wichtige Telefonnummern und Adressen, je nach Zielland auch Visa und die Einverständniserklärung der Eltern, dass das Kind allein reisen darf.
- Während das Flugzeug noch am Boden ist, sollten die Eltern am Flughafen bleiben, damit sie bei Problemen rasch reagieren können – oder das Kind wieder in Empfang nehmen, falls die Maschine nicht abheben kann.
- Für Rückfragen etwa im Zusammenhang mit dem Abholer ist es hilfreich, wenn das Kind die Handynummer der Eltern bei sich hat. Generell gilt: Der Abholer muss vorher festgelegt werden und sich am Flughafen ausweisen.