Woran erkennt man „gute“ Projekte?
Es gibt mehrere Standards für die Qualität von CO2-Kompensationsprojekten. Einer der bekanntesten ist der „Gold Standard“, an dessen Entwicklung Umweltschutzorganisationen wie der WWF mitgewirkt haben. „Ziel ist es in erster Linie, sicherzustellen, dass Kompensationsprojekte tatsächlich zu einer Reduktion von Treibhausgasen führen. Darüber hinaus sollen diese Projekte dazu beitragen, Treibhausgase zu reduzieren und eine nachhaltige Entwicklung der jeweiligen Länder zu fördern“, heißt es beim WWF. Ein unabhängiges Prüfunternehmen untersucht die Einhaltung dieser Kriterien. Der „Gold Standard“ bewertet nur Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Wiederaufforstungsprojekte, wie sie beispielsweise Co2ol betreibt, dürfen sich nicht mit dem „Gold Standard“ schmücken.
Wo können Fluggäste einen Klimabeitrag leisten?
Entweder bei den Anbietern selbst oder bei ihren Kooperationspartnern wie Reiseunternehmen oder Fluglinien. Die Lufthansa etwa arbeitet seit 2007 mit Myclimate zusammen. Allerdings nutzt nur ein kleiner Teil der Passagiere das Angebot. Der Ferienflieger TUIfly kooperiert seit Ende 2007 ebenfalls mit Myclimate; rund acht Prozent der Kunden, die ihren Flug im Jahr darauf via Internet direkt bei der Airline buchten, haben einen freiwilligen Klimabeitrag geleistet. Auch der Branchenriese TUI bietet seinen Kunden inzwischen die Möglichkeit einer Klimaspende.
Hilft das Ganze wirklich dem Klima oder beruhigt es nur das Gewissen?
Umweltschutzorganisationen vertreten den Standpunkt, dass die Kompensation immer erst der dritte Schritt sein sollte: Zuerst sollte man CO2 vermeiden oder es wenigstens verringern, ehe man an eine Kompensation denkt. Sie argumentieren, die Europäer müssten ihr Verhalten ändern – man könne an anderer Stelle gar nicht so viele Kompensationsprojekte aufbauen, wie man bräuchte, um das in Europa ausgestoßene CO2 auszugleichen. Auch andere Experten warnen vor einem modernen Ablasshandel und raten dazu, genau abzuwägen, welche Flüge verzichtbar oder beispielsweise durch Bahnfahrten ersetzbar sind.
Davon, Urlaubsreisen aus Umweltgründen zu verdammen, ist bei den Kompensations-Organisationen allerdings aus gutem Grund nicht die Rede – Atmosfair zum Beispiel kooperiert lieber mit den unterschiedlichsten Reiseveranstaltern und Reisevermittlern. Motto: „Zwar lässt sich der Schaden, der für die Umwelt durch einen Flug entsteht, nicht ungeschehen machen – genauso wenig wie eine Plombe einen kranken Zahn heilen kann. Doch in beiden Fällen ist ein Reparaturversuch ohne Zweifel besser als die Hoffnung, durch Aussitzen werde sich das Problem schon irgendwie von selbst lösen.“