Flug verpasst, Ticket verfallen – Billig-Airlines erstatten in solchen Fällen häufig keinen Cent des Flugpreises. Was die wenigsten Reisenden wissen: Sie haben Anspruch auf Erstattung von Steuern und Gebühren, wenn sie ihren Flug nicht antreten. Doch das Geld gibt's nur auf Antrag.
Grundsätzlich gilt: Für nicht erbrachte Leistungen kann man das Geld zurückfordern. Hintergrund: Gerade bei den Billig-Fluggesellschaften machen Gebühren und Steuern oft einen großen Teil der Gesamtkosten aus. Die Airlines erheben sie zu Gunsten Dritter – zum Beispiel für die Flughäfen. Oft verstecken die Fluggesellschaften auch eigene Kosten unter diesem Oberbegriff, zum Beispiel Kerosinzuschläge.
Welchen Teil der Gesamtkosten der Kunde zurückbekommt, der seinen Flugschein nicht genutzt hat, ist je nach Gesellschaft verschieden (siehe Übersicht auf Seite 3). Steuern und Gebühren sind es in fast jedem Fall. Nicht alle Linien erstatten jedoch auch den Treibstoff-Zuschlag. Besondere Bedingungen gelten etwa bei Condors Sonderangeboten mit besonders niedrigen Preisen: Dort gibt es keine Rückerstattung. Begründung von Condor: Die Airline bezahlt bei diesen Flügen Steuern und Gebühren aus der eigenen Tasche und stellt sie nicht dem Kunden in Rechnung – folglich hat dieser auch keinen Anspruch auf Erstattung.
Sonderregelungen gibt es auch bei der
Lufthansa, wenn man Hin- und Rückflug gebucht hat, aber einen der beiden Flüge nicht nutzen will und dafür Steuern und Gebühren zurückfordert. Dann kann das Verlangen nach Gebühren-Rückerstattung zu einer Neuberechnung des Ticketpreises führen und für den Kunden unter Umständen sogar teurer werden. Außerdem hat die Kranich-Linie Mitte März 2010 eine neue Tarifstruktur eingeführt: Lassen Kunden ein besonders günstiges (= nicht erstattbares) Economy-Class-Ticket verfallen, behält die Lufthansa neuerdings neben dem Flugpreis auch die Kerosin- und Sicherheitszuschläge ein. Das kann sich erheblich auf die zurückerstattete Summe auswirken: Allein die Treibstoff-Zuschläge liegen nach der jüngsten Erhöhung im Dezember 2011 bei 28 bis 122 Euro. Flughafengebühren und Steuern gibt's weiterhin zurück.
Wer nichts tut, bekommt auch nichts
Wer nicht geflogen ist und sein Geld zurück haben will, muss selbst aktiv werden. Von sich aus geht keine Gesellschaft auf die Käufer nicht genutzter Flugscheine zu. Meist genügt es inzwischen allerdings, den Antrag relativ unkompliziert per E-Mail oder Post zu stellen. Das dürfte auch das Ergebnis eines Rechtsstreits sein, den der Billigheimer Germanwings im Mai 2010 spektakulär verlor: Er hatte mit einem auf sieben Seiten aufgeblähten Antragsformular, horrender Umständlichkeit (farbiges Formular aus dem Internet herunterladen, ausdrucken, von Hand ausfüllen und "ungeknickt" mit sämtlichen Original-Reiseunterlagen per Post an die Airline schicken) und Gebühren seine Kunden davon abhalten wollen, ihr Recht auf Erstattung von Steuern und Flughafengebühren einzufordern. Dagegen war der Verbraucherzentrale Bundesverband vor Gericht gezogen. Das Landgericht Köln entschied (AZ: 31 O 76/10): Die Gestaltung des Formulars stelle einen "erheblichen Lästigkeitsfaktor" dar, die Vielzahl der Erfordernisse sei ein belastendes, unverhältnismäßiges Hindernis für den Verbraucher, der seine Rechte gelten machen möchte. Das Verhalten von Germanwings stuften die Richter als wettbewerbswidrig ein – und der Billigflieger sah sich gezwungen, das Prozedere erheblich zu vereinfachen. Inzwischen reicht eine E-Mail aus, und die Rückerstattung kostet auch keine Gebühren mehr.
Dennoch sollten verhinderte Fluggäste nach wie vor einige Dinge beachten: Wichtig ist beim Antrag auf Rückerstattung generell die Angabe der Buchungsnummer, und manchmal müssen auch die Tickets oder die Buchungsbestätigung eingereicht werden. Ebenfalls wichtig zu wissen: Die Rückerstattung ist grundsätzlich auch nachträglich möglich – die Ansprüche verfallen erst nach drei Jahren. Ryanair schreibt allerdings vor, dass Anträge auf Rückerstattung der staatlichen Steuern innerhalb eines Monats nach dem gebuchten Reisedatum gestellt werden müssen – beim irischen Billigheimer ist deshalb Eile geboten.