Billigflieger
Wo teure Fallen lauern
18.07.2011
Von Sandra Petrowitz
Für Flugbuchungen im Internet gilt schon seit 2008: Der Endpreis muss alle zwingenden Kosten enthalten. Zusatzkosten müssen zu Beginn des Buchungsvorgangs deutlich dargestellt werden. Und Voreinstellungen, zum Beispiel für eine Reiseversicherung, sind unzulässig. Noch aber haben längst nicht alle Billigflieger die Vorschriften umgesetzt – und parallel dazu neue Wege gesucht und gefunden, um die Kunden zu schröpfen.

Steuern und Gebühren – und Rechenspielchen
Lange Zeit war es ein beliebter Trick der Billigflieger, mit Netto-Flugpreisen zu werben, auf die jedoch noch Steuern und Gebühren anfielen, so dass der Endpreis wesentlich höher lag, als in der Werbung suggeriert wurde. Das ist nun nicht mehr erlaubt, und die Airlines halten sich oft auch daran – etwa Germanwings, das seine Website überarbeitet hat und seither auch bei der Flugauswahl mit Bruttopreisen arbeitet.
Allerdings führt der Mausklick auf die günstigsten Preise zu einer Übersichtsseite, auf der dann plötzlich nicht mehr die niedrigsten Preise ausgewählt sind, sondern das sogenannte "Best"-Angebot, das neben dem Flugpreis und den Gebühren auch noch die Gebühren für ein Gepäckstück, die Sitzplatzreservierung und einen Snack samt Getränk enthält – ganz gleich, ob man das alles braucht oder nicht. Wer nicht aufpasst, zahlt drauf: Statt 29,99 Euro wie bei den vorigen Auswahl-Schritten kostet der Flug dann plötzlich 46,99 Euro – plus 57 Prozent! Der Gesamtpreis für Hin- und Rückflug steigert sich auf diese Weise von 59,98 Euro auf satte 93,98 Euro – und ist damit schlagartig um mehr als 30 Euro teurer geworden.
Automatisch teures Paket ausgewählt
Die Airline argumentiert, ihr "Best"-Angebot spare 35 Prozent im Vergleich zur Einzelbuchung aller Leistungen, aber wenn man nachrechnet, sind es maximal 33 Prozent, und das auch nur, wenn man in den Vergleich die teuerste mögliche Sitzplatzreservierung für Plätze mit extra Beinfreiheit einbezieht. Wie auch immer Germanwings den Taschenrechner bemüht hat: Fair wäre das "Best"-Angebot allenfalls dann, wenn es nicht automatisch ausgewählt würde – so ist es nur ein gewaltiges Ärgernis, denn die Fluggesellschaft glaubt offenbar, ihre Kunden zum Vorteil der Airline bevormunden zu dürfen.
Und auch sonst bleibt bei Germanwings einiges offen: So fasst die Airline die Nebenkosten neuerdings großzügig unter den Punkten "Flughafengebühren", "Mehrwertsteuer" und "Staatliche Luftverkehrssteuer" zusammen (früher gab es dort unter anderem den ominösen Begriff "Sonstige Gebühren/Entgelte"). Woraus genau sich die "Flughafengebühren" zusammensetzen, erfährt man indes auch heute nicht – das ist bei anderen Airlines allerdings auch nicht unbedingt transparenter gelöst.
Brutto- und Nettopreise
Erfreulich: TUIfly und Air Berlin haben ebenfalls inzwischen auf Bruttopreise umgestellt. Unerfreulich: Ryanair, Pionier der Netto-Flugpreise und Vorreiter im Erfinden immer neuer Gebühren, ist immer noch nicht so ganz im Brutto-Zeitalter angekommen. So steht bei einem Flug von Bremen nach Riga für den Hin- als auch für den Rückflug nach wie vor der werbewirksame Netto-Flugpreis von 39,99 Euro in der Preisübersicht. Das wären in der Summe 79,98 Euro. Erst wenn man die Flüge wirklich auswählt, wird deutlich, dass der tatsächliche Endpreis für beide Strecken inklusive Steuern und Gebühren 152,98 Euro beträgt – und damit fast doppelt so hoch liegt wie der reine Flugpreis. Die beinahe obligatorische "Verwaltungsgebühr" für "Kosten, die mit dem Buchungssystem von Ryanair verbunden sind" von 6 Euro je Flug ist da noch nicht enthalten. Und weitere zusätzliche Aufschläge können die Kosten noch deutlich weiter in die Höhe treiben (Stichwort Gepäckgebühren).
Billigflieger
Seite 1: Wo teure Fallen lauern