Billigflieger
Das Geschäft mit dem Gepäck
13.07.2011
Von Sandra Petrowitz
Billigflieger heißen so, weil man mit ihnen billig fliegen kann? Das war einmal, ist man beim Blick auf die Gebührentabellen von Ryanair, Germanwings & Co. versucht zu sagen. Vor allem bei der Gepäckbeförderung lassen sich die Billigheimer immer wieder etwas Neues einfallen, um trotz gestiegener Kerosinpreise mit Billig-Tickets um Aufmerksamkeit buhlen zu können. Wer genau hinschaut, wird erkennen: Was man am Flugpreis spart, zahlt man beim Gepäck häufig wieder drauf. Doch es gibt Rezepte gegen das Geschäft mit den Koffern.

Grundsätzlich gilt bei den großen Liniengesellschaften: Jeder Flugpassagier hat ein bestimmtes Freigepäck-Kontingent. Dessen Höhe (Anzahl der Gepäckstücke und Gewicht) hängt unter anderem von der Airline, von der Flugroute und von der Buchungsklasse ab. So haben Business- und First-Class-Passagiere in aller Regel ein höheres Freigepäck-Kontingent als Economy-Class-Passagiere. Geben Fluggäste Gepäck innerhalb dieser Grenzen auf, fliegt es kostenlos mit – Ausnahmen bestätigen hier lediglich die Regel.
Extrakosten ab dem ersten Koffer
Bei Billigfliegern ist das anders. Hier sind alle Passagiere gleich, was das Gepäck angeht, und kostenfrei fliegt häufig nur noch Handgepäck mit – wer Gepäck aufgibt, muss dafür etwas bezahlen. Löbliche Ausnahmen sind in diesem Zusammenhang nur Condor und Air Berlin sowie TUIfly: Sie verzichten auf Gepäckgebühren. Je nach Airline, Buchungsweg und Zahl der Gepäckstücke reicht die entsprechende Gebühr ansonsten von 8 bis 85 Euro. Das kann die Flugkosten erheblich in die Höhe treiben: Wer bei Ryanair mit zwei Koffern ankommt und dieses aufzugebende Gepäck nicht vorher angemeldet hat, löhnt dafür am Flughafen bis zu 140 Euro – diese Summe dürfte den reinen Flugpreis des irischen Billigheimers häufig weit hinter sich lassen.
Viele Billigflieger schreiben vor, dass ein Gepäckstück maximal 20 Kilogramm Gewicht haben darf. Wer diese Grenze mit seinem Koffer oder seiner Tasche überschreitet, zahlt zusätzlich zu den Gepäckgebühren noch Gebühren für Übergepäck. Beim Gebühren-Pionier Ryanair etwa sind derzeit 20 Euro je Kilogramm Übergepäck fällig. Rechenbeispiel: Als Ryanair-Fluggast zahlt man mit einem 25 Kilo schweren Koffer also die obligatorische Gepäckgebühr von – je nach Saison und Buchungsweg – 25 bis 55 Euro zuzüglich 100 Euro für fünf Kilogramm Übergepäck. Anderswo sind die Übergepäck-Raten etwas niedriger: Bei Germanwings beispielsweise fallen 20 Euro je angefangene 5 Kilogramm Übergepäck an.
Übersicht: Gepäckgebühren bei Billig- und Linienfliegern
| Airline |
Gebühren für Hauptgepäck pro Gepäckstück bei Anmeldung online/per Hotline |
Gebühren für Hauptgepäck pro Gepäckstück bei Anmeldung am Flughafen |
Easyjet
|
11-17 Euro |
30 Euro (Check-in), 50 Euro (Gate) |
Germanwings
|
8 Euro / 9,52 Euro (innerdeutsch) |
20 Euro / 23,80 Euro (innerdeutsch) |
Ryanair
|
Erstes Gepäckstück: 15-55 Euro (je nach Gewicht, Saison und Buchungsweg);
Zweites Gepäckstück: 35-85 Euro (je nach Gewicht, Saison und Buchungsweg) |
Erstes Gepäckstück: 35-55 Euro; Zweites Gepäckstück: 70-85 Euro |
TUIfly
|
Erstes Gepäckstück frei, zweites Gepäckstück 10 Euro (Hotline: 15 Euro) |
Erstes Gepäckstück frei, zweites Gepäckstück 20 Euro |
Air Berlin
|
gebührenfrei, wenn unter Freigepäckgrenze |
gebührenfrei, wenn unter Freigepäckgrenze |
Condor
|
gebührenfrei, wenn unter Freigepäckgrenze |
gebührenfrei, wenn unter Freigepäckgrenze |
Lufthansa
|
gebührenfrei, wenn unter Freigepäckgrenze |
gebührenfrei, wenn unter Freigepäckgrenze |
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