Anderen helfen, Gutes tun - dieses Motto steht bei vielen hoch im Kurs. Welche Regeln sollte man kennen, damit der Geldsegen auch wirklich jenen zugute kommt, die ihn benötigen?
„Informiert spenden“, ist laut Carmen Grahmig, Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz die wichtigste Regel. „Was wird genau mit dem Geld gemacht?“, sei die wichtigste Frage, die man stellen sollte. Ein Blick in den Jahresbericht der Organisationen lohnt sich. Wer keine Auskunft geben möchte, sollte auch kein Geld erhalten.
Als Orientierungshilfe, ob man es mit einer seriösen Organisation zu tun hat, kann das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) oder die sogenannte Selbstverpflichtungserklärung des Deutschen Spendenrates dienen. Wer das jeweilige Qualitätsmerkmal trägt, wird von beiden Einrichtungen überprüft, was den Umgang und die Verwendung der Gelder angeht. Auch andere Organisationen vergeben Bewertungen. Auch wer keinen „Spenden-Tüv“ durchlaufen hat, kann seriöse Arbeit leisten. Denn sämtliche Gütesiegel können die Hilfsorganisationen freiwillig erwerben.
Grundregeln
Keine Spende kommt in voller Höhe bei den Opfern an. Alle Hilfsorganisationen benötigen Mitarbeiter, einen Verwaltungsapparat und gezielte Werbung, um ihre Zwecke zu realisieren. Allerdings sollte im Jahresbericht nachvollziehbar sein, wie viel vom gespendeten Geld in den Bürokratieapparat fließt. Zwischen null und zehn Prozent der Spendengelder hält das DZI für niedrig, zehn bis zwanzig Prozent für angemessen und 20 bis 35 Prozent für vertretbar.
Manchmal fällt die Entscheidung schwer, wen man unterstützen soll: Kinder, Behinderte, Alte, Erdbebenopfer – die Liste der Bedürftigen ist lang. Doch besser als seine Spende auf viele kleine Gaben aufzuteilen, sollte man lieber eine Großspende tätigen, rät Grahmig. Denn jede Buchung ist Verwaltungsaufwand, am Ende bleibt bei vielen kleinen Spenden weniger Geld übrig, als bei einer größeren Überweisung. Generell sind Geldspenden vorzuziehen. Sachspenden sind nur dann sinnvoll, wenn konkret danach gefragt wird. Sonst verursachen sie unnötige Transportkosten.
Keine bestimmten Projekte einer großen Organisation
Von Spenden, mit denen man ein ganz bestimmtes Projekt innerhalb einer großen Organisation fördern möchte, ist abzuraten. Solche Gelder müssen nicht nur extra verbucht werden, was einen erhöhten Verwaltungsaufwand bedeutet, sie engen auch den Entscheidungsspielraum der Hilfsorganisation ein. Wer trotzdem lieber ein konkretes Projekt fördern möchte, sollte eine Organisation wählen, die sich auf eine Art der Hilfestellung konzentriert: Schulbau auf Haiti oder Kinderpatenschaften in Afrika. „Man kann auch in seinem engsten Umfeld schauen, ob jemand Hilfe benötigt“, so Grahmig. Warum nicht im örtlichen Tierheim oder bei einer lokalen Behindertenorganisation anfragen, wie man sie unterstützen kann?
Spenden spontan an der Haustür oder auf der Straße zu verteilen, sollte man unterlassen. Lieber sollte man sich eine Infobroschüre mit nach Hause nehmen, und in Ruhe überlegen, ob und wie viel man spenden möchte. Druck und mitleiderregende Fotos sind schlechte Ratgeber. Vorsicht daher vor Trittbrettfahrern, die die Weihnachtszeit oder Katastrophen - wie das Erdbeben auf Haiti - ausnutzen, um für eigene Zwecke Geld einzusammeln und per E-Mail zu Spenden aufrufen – die dann nie bei den Opfern ankommen. Unter
www.spendenrat.de,
www.dzi.de oder
www.spenden.de kann man sich über Hilfsorganisationen informieren.