Finanzkrise
Sechs Tipps zur Sicherung des Geldvermögens
10.05.2011
Von Max Geißler
Euro-Krise, Staatsschuldenkrise, Inflationsängste – die Liste der schlechten Nachrichten hält an. Wie man sein Erspartes angesichts der Vielzahl von Gefahren nachhaltig sicher anlegt.

1. Ausgewogen und sicher Investieren
Auch in der Krise gilt: Das Vermögen sollte nicht einseitig angelegt sein. Gerade in Zeiten, in der Gefahren an verschiedenen Ecken lauern, ist es wichtig, Sparkapital auf mehrere Anlageklassen zu verteilen, etwa auf Aktien, Fonds, verzinste Geldanlagen, Immobilien und alternative Investments. „Ein optimales Portfolio ist eine ausbalancierte Einheit, die gleichermaßen Chancen und Absicherung bietet“, schrieb Nobelpreisträger Harry Markowitz 1952. Seine berühmte Portfoliotheorie, nach der die Streuung auf verschiedene Anlageklassen Stabilitäts- und Renditevorteile bringt, ist bis heute gültig.
Auf die optimale Mischung kommt es an, und die richtet sich u.a. nach der individuellen Risikoneigung, dem Alter, dem Anlagehorizont, dem Anlageziel und dem Umfang des Anlagekapitals. Als Handlungsfaden in der Krise empfiehlt sich ein pyramidenartiger Vermögensaufbau: Der größte Teil des Kapitals sollte sicher angelegt sein, also das Fundament bilden. Steht die Basis, kann man renditeoptimierte Anlageformen als Tragsäulen beimischen. Die kleine Spitze der Anlagepyramide bilden dann chancenreiche Investments.
2. Variable Zinsen bevorzugen
Mit verzinsten Sparprodukten von Banken und Sparkassen sind Anleger auf der sicheren Seite, denn es geht kein Geld verloren. Wachsende Inflationserwartungen haben die Zinsspirale in Gang gebracht. Die Sparzinsen haben sich bereits ein gutes Stück von ihren Tiefständen erholt. Da weitere ZInserhöhungen zu erwarten sind, sollte man auf Produkte mit variablen Zinsen setzen, etwa Tagesgelder oder Sparpläne mit flexiblem Zins.
Die Biallo-Indizes für Festgeld oder Sparbriefe zeigen mittlerweile eine deutliche Aufwärtstendenz bei Sparzinsen. Feste Zinsen wie bei Sparbriefen oder Termingeldern sollte man daher nur für kurze Laufzeiten bevorzugen, damit man bei Zinsverbesserungen schnell reagieren kann. Tipp: Die bei Sparern wegen ihrer hohen Sicherheit beliebten Bundesschatzbriefe bieten die Flexibilität, dass sie nach Ablauf eines Jahres jeden Monat bis zur Höhe von 5.000 Euro pro Sparer kündbar sind. Auf diese Weise kann man sukzessive schlechter verzinste Papiere in besser verzinste gebührenfrei umtauschen.
3. Einlagensicherung beachten
Wichtig ist, nur so viel Geld bei einem Bankhaus anzulegen, wie durch staatliche oder bankinterne Absicherungsmechanismen garantiert ist. Innerhalb der EU sind Bankeinlagen bis zur Höhe von 100.000 Euro zu 100 Prozent gesetzlich garantiert. Neben der staatlichen Einlagensicherung greifen erweiterte Sicherheitssysteme von Banken und Sparkassen. Das umfangreichste ist der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Er sichert Spareinlagen in mehrstelliger Millionenhöhe pro Sparer ab. Das Gleiche gilt für die Einlagensicherung von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Wer Geld bei ausländischen Banken anlegt, die nicht zur EU gehören, sollte sich genau informieren, bis zu welcher Höhe Kundengelder abgesichert sind.
4. Die Börse ist kein Tabu
Börseninvestments sind keineswegs zu verteufeln, denn sie gelten als besonders chancenreich. Sowohl Einzelaktien als auch Aktien- bzw. Indexfonds sind langfristig erfolgversprechende Anlagevehikel. Hier ist Ausdauer und eine klare Strategie gefragt. Allerdings sollte man riskante Börseninvestments derzeit mit Bedacht tätigen und vorhandene Gewinne mit Stopps sichern. Wertpapiere im Bestand bedürfen einer optimalen Absicherung, so dass einschneidende Verluste unmöglich sind. Dies geht zum Beispiel mit Stopp-Loss-Aufträgen oder flexiblen Verkaufslimits. Dabei wird die Aktie automatisch verkauft, wenn ihr Kurs eine zuvor festgesetzte Marke erreicht oder unterschreitet. Clevere Investoren ziehen die Stopp-Loss-Marke bei ansteigenden Kursen stetig nach oben. So bleibt im Falle eines Börsencrashs ein stetig wachsender Gewinn für den Investor übrig. Vorsichtige Neueinsteiger können auf Produkte mit Wertsicherung setzen, etwa Garantiefonds, Total-Return-Fonds oder Fonds mit Höchststandssicherung.
5. Beton ist stabil
Immobilienbesitz ist ein zentraler Baustein der Vermögensbildung und -sicherung. Eigenheime und vermietete Immobilien sind wertstabil, denn sie unterliegen nicht den Einflüssen launischer Kapitalmärkte. Außerdem bietet das sogenannte Betongold angemessenen Inflationsschutz. Grund: Die Wertentwicklung von Immobilien orientiert sich an der allgemeinen Preisentwicklung. Schnellen die Preise für Waren und Dienstleistungen nach oben, verteuern sich auch Immobilien. Eine ähnliche Korrelation gilt auch für Mieteinkünfte. Die Wertsteigerung von Grund und Boden sowie des Objekts sorgt im Lauf der Zeit für kontinuierlichen Vermögenszuwachs. Die in Schuss gehaltene, eigengenutzte Immobilie bildet die Grundlage für hohe Wohnsicherheit und finanzielle Stabilität im Alter.
6. Altersvorsorge nicht stoppen
Auf keinen Fall sollte man angesichts der Krisengefahren die private Altersvorsorge vernachlässigen. Die Renditen von Lebens- und Rentenversicherungen sind derzeit überdurchschnittlich, Fondssparpläne bieten langfristig höchste Renditechancen. Die stetig sinkenden Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung können nur durch private Vorsorge ausgeglichen werden. Hierzu bietet der Gesetzgeber finanzielle Anreize in Form von Zulagen und Steuervergünstigungen, etwa bei der Riester- und der Rürup-Rente sowie der betrieblichen Altersvorsorge. Wer diese nutzt, kann den finanziellen Aufwand begrenzen. Wichtig ist Durchhaltevermögen und Spardisziplin. Fondssparpläne und fondsbasierte Renten-Sparverträge sollte man nicht stoppen, nur weil die Kapitalmärkte unberechenbar sind. Langfristig summieren sich monatlicher Anteilskauf und Zinseszinseffekt zu einem beachtlichen Kapitalstock. Das gilt auch für verzinste Sparverträge. Steigt das Zinsniveau, verbessern sichern die Renditen von klassischen Rentenversicherungen und variablen Banksparplänen.