Geldanlage
Miese Mittelstandsanleihen
18.07.2011
Von Florian Junker
Eine Rendite von sieben Prozent und mehr gibt es derzeit für Anleihen von deutschen Mittelständlern mit bekannten Markennamen wie „Valensina“, „Underberg“ oder „Katjes“. Geldsparen erklärt, warum Anleger auch bei appetitlich scheinenden Angeboten lieber ganz genau hinschauen sollte und eventuell sicherheitshalber lieber auf ein paar Prozent verzichten.
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Noch immer sind die Zinsen für Tages- und Festgeld auf eher niedrigem Niveau und Anleger suchen verständlicher Weise nach besser verzinsten Alternativen. Finanzdienstleister und findige Unternehmen erfinden für dieses Bedürfnis immer neue, interessant klingende Produkte.
Gerade „in“ sind sogenannte „Mittelstandsanleihen“, die jedes Jahr Erträge von sieben, acht oder sogar neun Prozent bringen sollen. Bei einer solchen Schuldverschreibung leihen Anleger ihr Geld für einen vorher festgelegten Zeitraum von in der Regel drei bis sieben Jahren einem Unternehmen wie etwa „Air Berlin“ oder „Schneekoppe“. Dafür gibt es meist einmal im Jahr den sogenannten „Kupon“, also eine Zinszahlung, und am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital zurück. Zumindest dann, wenn alles glatt geht.
Die Qual der Qualität
Anleihen, selbst die des leistungsstarken deutschen Mittelstandes, sind immer nur so gut wie derjenige, der sie ausgibt. Geht das Unternehmen in den nächsten Jahren pleite, kann das eingesetzte Kapital komplett weg sein. Und selbst seit Jahrzehnten vertraute Markenprodukte sind keine Garantie für geschäftlichen Erfolg und die Rückzahlung der Schuldverschreibung. Im Vergleich zu einer Anlage in Tages- oder Festgeld sind Mittelstandsanleihen in aller Regel also deutlich riskanter, aber dafür natürlich auch höher verzinst.
Ob allerdings die zu erwartende Rendite und das Risiko in einem vernünftigen Verhältnis stehen, können Privatanleger nur schwer abschätzen. Denn gerade bei eher kleineren Unternehmen ist es relativ schwer, an unabhängige Informationen zu kommen, wie gesund der Betrieb wirklich ist. Selbst die Bewertungsnoten für Mittelstandsanleihen sind mit Vorsicht zu genießen.
Das sogenannte „Rating“ mit der Bestnote „AAA“, wie es etwa deutsche Bundesanleihen vorweisen können, sucht man hier sowieso vergebens. Meist liegt die Einschätzung im Bereich „BB“ oder schlechter. In Worten heißt das, die Experten rechnen mit möglichen Ausfällen, falls sich die Geschäftslage eintrübt. In der Regel wird zudem bei Mittelständlern oft nur die Bonität des Unternehmens allgemein beurteilt und nicht das Risiko der einzelnen Anleihe, wie es bei größeren Werten üblich ist. Das kann aber einen deutlichen Unterschied machen, denn gerade bei langlaufenden Papieren ist nicht die momentan allgemein eher gute Lage entscheidend, sondern die Situation in einigen Jahren.
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