Baufinanzierung
Mietest Du noch oder kaufst Du schon?
16.03.2012
Von Florian Junker
Vermögen aufbauen - und das ganz wörtlich. Wann es sich lohnt in Hausbau und Co. zu investieren und wann nicht. Geldsparen zeigt, wer das Zinstief nutzen sollte.
Baugeld ist billig und viele lockt die Investition in das Betongold. Ein Blick in den Geldsparen-Baugeldvergleich zeigt, dass 100.000 Euro (mit zehn Jahren Zinsbindung und einem Prozent Tilgung) derzeit deutlich unter drei Prozent zu haben sind. Die monatliche Rate liegt bei den günstigsten Anbietern nur knapp über 300 Euro.
Aber soll man deswegen jetzt sofort seine Mietwohnung kündigen? Für wen sich der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses wirklich rechnet und wann man es besser doch bleiben lässt:
Auch Mieten geht ins Geld
Die relativ niedrigen monatlichen Kosten sind auf den ersten Blick der größte Vorteil des Mietens. Und hier trennt sich auch die Spreu vom Weizen in Sachen Immobilienkauf. Können Sie monatlich einfach nicht mehr aufbringen und haben kein Eigenkapital auf der hohen Kante, werden Sie aller Wahrscheinlichkeit sich auch nichts in ähnlicher Lage kaufen können. Sie sollten nicht vergessen, dass auch Mieten mit der Zeit ganz ordentlich steigen. 1,7 Prozent gelten als langfristiger Erfahrungsdurchschnittswert.
Konkret bedeutet das: Wenn Familie Maier heute eine Kaltmiete von 1.000 Euro bezahlt, muss sie in 20 Jahren rund 1.400 Euro für ihre Wohnung hinlegen. Insgesamt werden so über 283.000 Euro an den Vermieter überwiesen – für den Kauf einer entsprechenden Immobilie wäre das unter Umständen schon der Löwenanteil. Und manchmal lohnt sich doch der Gedanke, ein Objekt im kostengünstigen Umland zu kaufen.
Kalkulieren gibt Sicherheit
Leider sollte Familie Maier jetzt aber trotzdem nicht einfach für 283.000 Euro irgendwo zuschlagen. Denn tatsächlich liegt die Kaufsumme um einiges unter der "gesparten" Miete, denn auch geliehenes Geld von der Bank ist nicht umsonst. Außerdem kommen dazu noch Nebenkosten beim Erwerb, zum Beispiel für Makler oder Steuern. Also allein die gesparte Miete reicht in aller Regel noch nicht für ein Traumhaus. Sonst gibt es oft ein böses Erwachen in den eigenen vier Wänden, wenn neben der Bedienung des Eigenheimkredits kaum Geld zum guten Leben oder für Krisenzeiten bleibt.
Als Faustregel gelten bei einer soliden Baufinanzierung 30 bis maximal 40 Prozent des Nettoeinkommens als Maximum für eine monatliche Gesamtbelastung. Je näher man dabei dem Rentenalter ist, desto höher sollte darin auch die Tilgungsrate sein. Denn der Kredit sollte spätestens dann abbezahlt sein. Auch bei jüngeren Menschen gilt, je schneller zurückgezahlt wird, desto weniger Zinsen fallen auch unter dem Strich an. Deswegen hat Kaufen auch einen entscheidenden Nachteil zu Mieten: Es ist zumindest Anfangs mit höheren monatlichen Kosten verbunden.
Kaufen lohnt sich - oft
Laut Umfragen ist für 95 Prozent der Deutschen mietfreies Wohnen der entscheidende Punkt beim Immobilienkauf. Aber auch als Vermögensanlage schneidet eine Immobilie oft bestens ab, gerade in Zeiten niedriger Zinsen. Allerdings ist dafür die monatliche Belastung beim Kaufen in der Regel höher als beim Mieten, denn hier trägt der Besitzer auch zum Beispiel die Reparaturkostenvorsorge selbst. Im Fall von Familie Maier kann das beim Kauf oder Bau eines Eigenheims für 300.000 Euro ohne Eigenkapital und 1,5 Prozent Tilgung erstmal zu monatlichen Kosten von rund 1.476 Euro führen, statt den 1.000 Euro Kaltmiete. Damit schafft sie es allerdings auch nach 35 Jahren, eine Haus mit einem wahrscheinlichen Wert von bis dahin rund 424.000 Euro zu besitzen.
Noch günstiger sieht die Sache aus, wenn Familie Maier Eigenkapital mitbringt. Ist zum Beispiel durch eine Erbschaft ein Vermögen von 50.000 Euro vorhanden, ist zur Miete wohnen im Vergleich sogar eine vergleichsweise teure Sache. Denn dann beträgt die monatliche Mehrbelastung am Anfang beim Kauf zwar immer noch ca. 270 Euro. Aber Eigenkapital und Mietersparnis müssten mit derzeit fantastisch klingenden 6 Prozent angelegt werden, um nach rund 35 Jahren mehr Vermögen aufzubauen. Ist die Geldanlage weniger erfolgreich und bewegt sich eher im Bereich von 3 Prozent Verzinsung, wird jeden Monat im Vergleich zum Immobilienbesitz fast 700 Euro weniger Kapital aufgebaut. Dazu kommt die Möglichkeit, weiter mietfrei im Alter zu wohnen.
Mieten kann also auch ein wirklich schlechtes Geschäft sein. Damit Sie am Ende besser abschneiden, nutzen Sie unseren Rechner: