Wundermittel
Pillen, die keiner braucht
12.01.2010
Von Isabell Noé
Das natürliche Heilmittel gegen Krebs oder die Pille, mit der man zehn Pfund pro Woche verliert – eigentlich dürfte jedem klar sein, dass solche Produkte Humbug sind. Dennoch boomt der Markt mit Diätpillen und Nahrungsergänzungsmitteln. Dabei verraten sich die angeblichen „Wundermittel“ schon anhand der Werbeaussagen selbst.

Es klingt wirklich verlockend: In zwölf Tagen acht Kilo abnehmen, ohne auf irgendetwas verzichten zu müssen - die sensationelle Zitronensaft-Kur macht's möglich. Drei Kapseln am Tag reichen, um die Pfunde nur so dahinschmelzen zu lassen. Der wundersamen Fett-weg-Pille haben auch internationale Topmodels ihre schlanke Linie zu verdanken. Und sie ist so gesund, dass sie auch von Ärzten empfohlen wird – Rezepte stellen sie aber leider nicht aus. So muss man die knapp 90 Euro für die Superkapseln aus eigener Tasche zahlen.
Die Zitronensaft-Kapseln gibt es wirklich und wer auf der Suche nach raschen Diäterfolgen ist, wird noch unzählige weitere Wunderkuren finden. Nicht nur Abnehmen scheint mit den richtigen Pillen ein Kinderspiel: Nahrungsergänzungsmittel versprechen uns glatte Haut, geistige Fitness, ein gesundes Herz, jugendliche Gelenke oder ganz einfach mehr Lebensenergie. Pillen verheißen die schnelle Heilung von mehr oder minder schweren Leiden. Wir begegnen solchen Werbeaussagen in Zeitschriften, im Internet, als Postwurfsendung im Briefkasten und manchmal auch privat im Bekanntenkreis.
Eigentlich sollten bei „Zu schön um wahr zu sein“-Angeboten die Alarmglocken schrillen. Geblendet von der Aussicht auf schnelle Erfolge mit minimalem Aufwand, vergessen viele aber ihren Verstand und bestellen. Dabei lassen sich angebliche Wundermittel ziemlich einfach anhand der Werbung entlarven, die häufig auch mit illegalen Mitteln operiert.
Zu schön um wahr zu sein
Skepsis ist grundsätzlich immer dann angebracht, wenn viel auf einmal versprochen wird. Etwa dann, wenn ein Mittel Krankheiten wie Diabetes, Rheuma oder Neurodermitis oder gar Krebs heilen soll. Wäre die durchschlagende Wirkung tatsächlich erwiesen und das Medikament unbedenklich, warum ist das Präparat dann nicht als Arzneimittel zugelassen?
Besonders groß ist die Neigung zur Übertreibung bei Mitteln zur Gewichtsreduktion: Selbst bei einer Nulldiät nimmt man nicht mehr als drei bis vier Kilo pro Woche ab. Wenn eine Pille zweistelligen Gewichtsverlust innerhalb weniger Wochen verheißt, müsste sie schon einen Bandwurm enthalten. Oft appelliert die Werbung an unsere Bequemlichkeit: „Sie können weiter essen wie zuvor und müssen sich nicht einschränken“, heißt es da zum Beispiel. Klar, dass das nicht funktionieren kann: Fett verbrennt der Körper nur, wenn er mehr Energie verbrennt als er aufnimmt. Wer an seinem Verhalten nichts ändert, wird auch mit Pillen nicht abnehmen.
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