Vorsorgeuntersuchungen
Wahlleistungen sind oft unnötig
13.08.2010
Von Annette Jäger
Bestimmte Krebs-Früherkennungsuntersuchung bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Viele Zusatzangebote erhält der Patient dann in der Arztpraxis, die er aber aus eigener Tasche bezahlen soll. Wie nötig sind diese Extraangebote?

Kompetente Beratung in der Arztpraxis ist oft Mangelware. Zunehmend erhalten Patienten beim Praxisbesuch kommentarlos ein Merkblatt, auf dem der Arzt Wahlleistungen anbietet, die die üblichen Vorsorgeuntersuchungen für gesetzlich Versicherte ergänzen sollen. Sie „optimieren Ihre Vorsorge und somit Ihre Sicherheit“, heißt es auf dem Infoblatt einer Praxis. Kostenpunkt: zwischen 15 und 30 Euro pro Untersuchung, die der Patient aus eigener Tasche bezahlen muss. Umfangreiche Untersuchungen, sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen, kurz Igel genannt, kann sich der Patient auf diese Weise zur Basisversorgung hinzukaufen.
Nicht wenige Patienten werden mit den Wahlleistungen förmlich überrumpelt. Gerade beim Frauenarzt sind die Igel-Angebote besonders populär, ebenso wie beim Augenarzt und Urologen. Frauen, die bereits auf dem Untersuchungsstuhl sitzen, wird noch ein Ultraschall auf eigene Kosten empfohlen. Ob der wirklich nötig ist, wird häufig nicht erläutert. Stattdessen sollte der Patient die Chance erhalten, sich über den Nutzen einer Untersuchung beraten zu lassen und dann selbst zu entscheiden.
Zusatzuntersuchungen nicht immer sinnvoll
Das umfangreiche Igel-Angebot verunsichert viele Patienten. „Es wird suggeriert, dass alles sinnvoll sei“, klagt eine Patientin. Doch so ist es keineswegs. Vieles von den angebotenen Zusatzuntersuchungen kann sinnvoll sein – ist es aber meistens nicht. Früherkennungsuntersuchungen, die einen nachgewiesenen Nutzen haben, sind im gesetzlichen Leistungskatalog enthalten. Ob tatsächlich eine Zusatzuntersuchung sinnvoll ist, hängt stark vom individuellen Fall ab. Es bleibt dem Patienten nichts anderes übrig, als seinem Arzt zu vertrauen.
Kassen zahlen immer mehr Vorsorgeuntersuchungen
Auch wenn viele Patienten den Eindruck haben, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung in punkto Vorsorge im Laufe der Jahre immer mehr abgespeckt wurden - es stimmt nicht. Seit Einführung des Früherkennungsprogramms 1971 sind viele neue Untersuchungen hinzugekommen wie die Darmspiegelung, das Mammographie-Screening und die Schutzimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Allerdings haben sich die Abrechnungsmodalitäten für Ärzte massiv zu deren Nachteil entwickelt: Früher konnten zusätzliche Blut- und Urintests oder Ultraschalluntersuchungen, die über die Standard-Vorsorge hinausgingen, leichter abgerechnet werden.
Wer als Patient Igel-Angebote unterbreitet bekommt, sollte sie kritisch hinterfragen und auf eine detaillierte Beratung pochen. Eine korrekte Abrechnung sollte man obendrein einfordern. Denn oft wird bei Igel nicht die erforderliche schriftliche Vereinbarung zwischen Arzt und Patient getroffen . Ein Fünftel der erbrachten Leistungen erfolgte sogar ohne Rechnung.