Wer einen Laborbefund, das Ergebnis einer Röntgenuntersuchung oder einen Arztbrief nicht versteht, weil es von Fachbegriffen nur so strotzt, kann sich seit kurzem von Medizinstudenten helfen lassen. Auf einem Internetportal übersetzen höhere Semester und Ärzte medizinisches Fachchinesisch in allgemeinverständliche Sprache. Und das völlig kostenlos.
Wenn der Arzt von Onychodystrophie oder Rhinitis spricht, verstehen die meisten Patienten nur „Bahnhof“. „Störung des Nagelwachstums“ bzw. „Kopfschmerzen“ hätte dagegen wohl fast jeder verstanden. Medizinische Fachbegriffe in Befunden und Arztbriefen sind für viele Laien schleierhaft und verwirrend.
Das war pfiffigen Studenten ein „Dorn im Auge“ und sie haben deshalb kurzerhand die Internetseite
"Was hab ich?" gegründet. „Wir möchten Medizin für Patienten transparenter gestalten“, erklärt die Initiatorin des Projekts Anja Kersten, die an der TU Dresden im 12. Semester Humanmedizin studiert. „In unserem Portal können sich Patienten ihre medizinischen Befunde kostenlos in eine leicht verständliche Sprache „übersetzen“ lassen – frei vom typischen Mediziner-Latein.“
So funktioniert es
Der medizinische Befund wird auf der Seite als Text eingegeben oder eingescannt und anschließend anonymisiert und verschlüsselt hochgeladen. Wer möchte, kann den Befund auch faxen. Anschließend müssen nur noch Geburtsdatum, Geschlecht und eine gültige E-Mail-Adresse genannt werden und schon kann es losgehen. Ein Beraterteam aus inzwischen rund 380 Medizinstudenten und Ärzten, die mindestens im 8. Fachsemester studieren, sichten die eingegangenen Befunde und übersetzen binnen kurzer Zeit. Das Ergebnis kann der Patient anschließend online über ein Passwort abrufen.
Garantiert kostenlos
Das Portal finanziert sich über Werbung und Spenden. Sämtliche Ärzte und Medizinstudenten im Beraterteam arbeiten ehrenamtlich – das heißt ohne Bezahlung. Sie tun das sicherlich aus Überzeugung, aber auch, weil die Übersetzung der medizinischen Befunde für sie ein hilfreiches Training ist, sich auf den späteren Berufsalltag vorzubereiten. Außerdem ermöglicht die Übersetzungsarbeit, sich neues medizinisches Fachwissen anzueignen, was einer kleinen Fortbildung gleichkommt, wie die Initiatorin betont.
Durchschlagender Erfolg
Die Nachfrage bei den Patienten ist enorm und auch bei den Medizinstudenten kommt das Konzept gut an: So wuchs das Beraterteam schon nach drei Monaten auf über hundert Medizinstudenten und Ärzte aus der ganzen Republik an. Inzwischen sind es 379, die ehrenamtlich für das Portal tätig sind und pro Woche etwa 150 Arztbriefe und Entlassungsberichte übersetzen. Aber auch diese vielen Helfer schaffen es momentan nicht, die Flut an Anfragen zu bewältigen. So wurde zwischenzeitlich eine Warteliste eingerichtet. Aktuell können gar keine neuen Befundübersetzungen mehr angenommen werden, bis die bestehenden Anfragen bearbeitet sind.