Minuskalorien
Märchen oder Wirklichkeit?
20.12.2011
Von Anja Lang
Immer wieder werden Diäten propagiert mit Lebensmitteln, die angeblich mehr Energie verbrauchen, als sie selbst enthalten: Sogenannten Minus-Kalorien. Wir wollten wissen, was an diesen Diäten tatsächlich dran ist und haben eine Ernährungswissenschaftlerin dazu befragt.
„Richtig reinhauen“ und dabei immer schlanker werden. Das soll funktionieren, wenn man auf Lebensmittel setzt, die sogenannte Negativkalorien enthalten. Der Begriff ist dabei allerdings etwas missverständlich, wenn nicht gar falsch, denn negative- oder Minuskalorien gibt es streng genommen gar nicht. Treffender ist wohl eher von einer negativen Energiebilanz zu sprechen, die entstehen soll, wenn der Körper bei der Verwertung bestimmter Nahrungsmittel angeblich mehr Energie verbraucht, als er durch das Produkt selbst bekommt.
Diese Gabe wird vor allem bestimmten Obst- und Gemüsesorten zugeschrieben. So zählen zum Beispiel Artischocken, Spargel, Sellerie und sämtliche Kohlsorten dazu, aber auch Erdbeeren, Ananas, Grapefruit und Papaya sowie diverse Kräuter. Sie enthalten selbst nur sehr wenige Kalorien, sollen aber so aufwändig zu verdauen sein, dass dem Körper nach dem Genuss weniger bleibt, als durch den Verzehr bekommt. Und mit diesem Trick sollen die Pfunde nur so purzeln.
Klingt fast zu schön, um wahr zu sein
Doch bislang gibt es für diese Theorie noch keinerlei wissenschaftlichen Beweis. „Mir ist keine einzige Studie bekannt, in der belegt wird, wie viel Energie der Körper zur Verdauung einzelner Nahrungsmittel tatsächlich benötigt“, erklärt Diplomökotrophologin Isabelle C. Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Was wir dagegen wissen ist, dass Menschen sehr, sehr unterschiedlich verbrennen.“ Damit lässt sich auch erklären warum manche Menschen bei gleicher Temperatur frieren, während andere sich pudelwohl fühlen oder gar schwitzen. „Natürlich benötigt der Körper für Transport und Speicherung der Nahrung Energie. Bei normaler Mischkost geht man grob von etwa 8-10 Prozent der eingebrachten Energie für die sogenannte Thermogenese aus“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. „Dass für einzelne Lebensmittel 100 Prozent und mehr verbrannt werden, ist mir nicht bekannt und auch wissenschaftlich nicht belegt.“
Die Energiebilanz muss stimmen
Bleibt die Argumentation mit Nahrungsmitteln, die gar keine Kalorien enthalten, wie etwa kaltes Wasser oder Eiswürfel. Auch sie gelten als Erzeuger von Minuskalorien, weil der Körper zur Erwärmung angeblich zusätzliche Energie aufwenden muss. Dem erteilt die Fachfrau allerdings eine Absage. „Falls tatsächlich zusätzliche Energie eingesetzt wird, dürfte die so gering sein, dass sie kaum ins Gewicht fällt“, urteilt Keller. „Abnehmen kann man nur, wenn die Energiebilanz stimmt.“ Wenn also wirklich weniger Kalorien über das Essen zugeführt werden, als der Körper für Atmung, Herzschlag, usw. plus sämtliche körperlichen Aktivitäten benötigt. „Beim Abnehmen nur auf die mögliche Verdauungsleistung zu gucken, halte ich für wenig zielgerichtet“, erklärt Keller.
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