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Krebs

Hoffnung durch Hightech

19.10.2011
Von Anja Lang
Mit einem europaweit einzigartigen Hightech-Gerät machen Heidelberger Krebsärzte Jagd auf seltene Tumore. Die 119 Millionen Euro teure Ionenstrahl-Beschleunigeranlage beschießt Karzinome punktgenau mit schnellen Teilchen. Diese Therapie ist äußerst präzise und effektiv.
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Patienten mit bislang unheilbaren Tumoren in Kopf, Auge, Hirnstamm, Speicheldrüse oder Darm, die mit herkömmlicher Röntgenbestrahlung nicht erfolgreich behandelt werden konnten, dürfen jetzt wieder neue Hoffnung schöpfen. Sie können ab sofort im Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) mit Ionenstrahlen therapiert werden. In klinischen Studien wurde der Erfolg der Therapie mit Heilungsraten von bis zu 90 Prozent belegt.
Krebszellen zerstören und umliegendes, gesundes Gewebe schonen

Im HIT werden Krebspatienten über einen Teilchenbeschleuniger mit elektrisch geladenen Atomen bestrahlt. Anders als die gewöhnlich zur Tumor-Bestrahlung verwendete Röntgenstrahlung lassen sich diese sogenannten Ionen mit Magnetfeldern zielgenau steuern. Speziell entwickelte Software setzt Informationen aus Computer-Tomographen so um, dass an jedem Punkt millimetergenau die erforderliche Strahlendosis abgegeben wird. Lage und Intensität des Therapiestrahls im Körper wird dabei 10.000 Mal pro Sekunde am Computer überprüft. Bei geringsten Abweichungen schaltet das Gerät innerhalb von einer halben Millisekunde ab.

Damit reagiert es 1.000 Mal schneller als ein menschlicher Reflex. Das soll die beste mögliche Behandlungssicherheit garantieren. „Ziel jeder Strahlentherapie ist es, Tumorzellen zu zerstören und gleichzeitig umliegende gesunde Zellen zu verschonen. Beschleunigte Ionen eignen sich dafür besser als die herkömmlich genutzte Röntgenstrahlung“, erklärt der Anlagenentwickler und Physikprofessor Thomas Haberer.

Hightech der Superlative

Die neue Hightech- Anlage in Heidelberg ist, außer an Sonn- und Feiertagen 24 Stunden am Tag in Betrieb. Sie ist als einzige weltweit in eine Klinik eingebunden, was die Behandlung erleichtert. Mit drei Megawatt hat sie denselben Strombedarf wie eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern. Sie ist 20 Meter hoch und mit rund 5000 Quadratmetern so groß wie ein halbes Fußballfeld. Das Gerät wird rund um die Uhr bewacht. Denn zu viel Staub könnte die europaweit einmalige Anlage zum Stillstand bringen. In ihrer technischen Komplexität ist sie mit einem Airbus A380 vergleichbar. 119 Millionen Euro hat der Bau dieser Anlage verschlungen. Bis zu 1.300 Patienten pro Jahr sollen künftig behandelt werden. Derzeit gibt es nur noch in Japan die Möglichkeit, eine Krebstherapie mit Ionenstrahlen durchzuführen, allerdings mit einer weniger wirkungsvollen Bestrahlungstechnik. Weitere Ionenstrahl-Anlagen werden zurzeit in Marburg-Gießen und Kiel sowie bei Mailand gebaut.

Die meisten Kassen übernehmen die Kosten

Pro Patient kostet die neue Therapieform etwa 20.000 Euro. Damit ist diese Bestrahlung zwei- bis dreimal teurer als eine herkömmliche Therapie. Extreme Nebenwirkungen sollen minimiert werden, wovon die ohnehin physisch und psychisch belasteten Krebspatienten profitieren. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen das Projekt und übernehmen bei entsprechender Indikation die Kosten in vollem Umfang. Wer sich über eine mögliche Therapie informieren möchte, kann dies per E-Mail: strahlentherapie@med.uni-heidelberg.de tun oder sich auch telefonisch unter: 06221 / 56 54 45 von Montag bis Freitag von acht bis 16 Uhr direkt an das HIT wenden.
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