Schlecht angepasste und falsch gepflegte Kontaktlinsen können der Hornhaut schwere Schäden zufügen. Auch Patienten, die ihre Kontaktlinsen im Internet erwerben, haben - laut einer aktuellen Studie - ein höheres Infektionsrisiko. Worauf man achten sollte.
Kontaktlinsen werden immer beliebter. Mehr als drei Millionen Deutsche tragen sie regelmäßig. Denn anders als Brillen verändern Kontaktlinsen nicht das natürliche Aussehen, vertropfen nicht bei Regen und laufen bei Temperaturunterschieden nicht an. Außerdem können sie viele Sehprobleme, wie zum Beispiel eine Hornhautverkrümmung besser ausgleichen, als das herkömmliche Augenglas. Denn Kontaktlinsen liegen direkt auf der Hornhaut und können sich dort besonders gut anpassen. Die Lage direkt auf dem Auge ist aber nicht nur eine Chance, sondern auch eine Gefahr. Wer nicht die richtigen Linsen hat, sie falsch pflegt oder zu lange trägt, der kann seinen Augen schwere Schäden zufügen.
Das Auge braucht Sauerstoff
Die Hornhaut des Auges ist ein klares Gewebe ohne Gefäße. Über den Tränenfilm wird sie mit Sauerstoff versorgt. Kontaktlinsen können dies behindern, vor allem, wenn sie zu lange getragen werden. "Der Körper hilft sich dann selbst: Kleine Äderchen sprießen in die Hornhaut ein und führen mit dem Blut Sauerstoff heran", erklärt Professor Dr. med. Berthold Seitz, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar. Das Heimtückische daran: Betroffene spüren davon zunächst nichts. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten Seheinschränkungen auf, gegen die aber dann faktisch nichts mehr unternommen werden kann. Denn die entstandenen Äderchen bilden sich nicht wieder zurück.
Hornhaut-Infektionen können zur Erblindung führen
Über die Kontaktlinsen können auch Bakterien, Pilze und Amöben ins Auge gelangen und sich dort vermehren. Die Folge kann eine Hornhaut-Infektion sein, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann. "Bei formstabilen Linsen ist das Risiko einer Infektion am geringsten: Pro Jahr erkrankt etwa ein Kontaktlinsen-Träger von 10.000. Bei weichen Kontaktlinsen sind es dagegen zwei bis fünf", erklärt Seitz. In den relativ großen Poren der weichen Linsen können sich Krankheitserreger leichter festsetzen. Das gilt besonders, wenn diese auch nachts getragen werden. Dies steigert das Infektionsrisiko nochmals um das Fünffache. Mangelnde Hygiene ist ein weiterer Risikofaktor. "Wer die Reinigungsflüssigkeit nicht täglich wechselt, sie mit Wasser verdünnt oder gar nur Leitungswasser verwendet, macht es den Krankheitserregern leicht”, warnt der Experte.
Höheres Infektionsrisiko bei Linsen aus dem Internet
Nach einer aktuellen Studie sind auch Kontaktlinsen aus dem Internet mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden. "Das ist weniger auf Qualitätsmängel zurückzuführen. Es liegt sehr wahrscheinlich eher daran, dass beim Onlinekauf nur unzureichend über eine sachgerechte Pflege der Linsen informiert wird”, sagt Seitz. Denn in der Regel fehlt hier ein konkreter Ansprechpartner.