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Herzchirurgie

Kassen zahlen neue OP-Technik

25.11.2010
Von Anja Lang
Ein neuartiges Verfahren bei der Aufdehnung von verengten Herzkranzgefäßen ist in Europa zugelassen worden. Ab sofort steht diese Methode auch gesetzlich krankenversicherten Patienten zur Verfügung.
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Die Koronare Herzerkrankung (KHK) ist die häufigste Todesursache in den westlichen Industrienationen. Alleine in Deutschland starben laut statistischem Bundesamt im Jahr 2007 mehr als 140.000 Menschen daran. Die KHK ist eine chronische Krankheit, bei der sich durch Arteriosklerose, im Volksmund auch Arterienverkalkung genannt, allmählich die Herzkranzgefäße verengen. Unbehandelt führt das letztendlich zum Gefäßverschluss. Teile des Herzens werden dann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und sterben ab. Man spricht dann vom Herzinfarkt, der in 30 bis 50 Prozent der Fälle tödlich endet.
Freie Bahn für den Blutfluss zum Herz

Um die verengten Gefäße wieder zu weiten, werden seit Ende der 70er Jahre sogenannte Ballonkatheter eingesetzt. Über eine Sonde wird der Ballonkatheter minimalinvasiv an die Engstelle gebracht, dort unter hohem Druck aufgeweitet und anschließend wieder entfernt. Die Methode ist relativ einfach und kostengünstig.

Leider wächst in 30 bis 50 Prozent der Fälle das behandelte Gefäß schon bald wieder zu. Deshalb ist man seit 1986 dazu übergegangen bei längeren Engstellen kleine Drahtgeflechte, sogenannte Stents, mit dem Ballonkatheter einzusetzen. Sie verbleiben in der Gefäßwand und stützen diese. Stents vermindern zwar die erneute Bildung von Ablagerungen, trotzdem kommt es noch immer relativ häufig zum Wiederzuwachsen des Gefäßes.

Seit 2001 werden deshalb auch mit Medikamenten beschichtete Stents implantiert, die das Zellwachstum direkt vor Ort hemmen sollen. Allerdings kommen sie nur mit etwa 15 Prozent der Gefäßwände in Kontakt. Die Wirkstoffabgabe erfolgt über lange Zeit. Sie vermindern zwar das unerwünschte Wachstum der Gefäßwandzellen, gleichzeitig aber auch das eigentlich erwünschte Wachstum der schützenden Gefäßwandinnenschicht. Damit steigt das Risiko einer Blutgerinselbildung und damit auch eines Herzinfarkts. Patienten mit medikamentenbeschichteten Stents müssen deshalb bis zu einem Jahr lang, oder noch länger, Medikamente gegen das steigende Thromboserisiko schlucken.


Der neue Medikament-freisetzende Ballonkatheter

In einer engen Forschungskooperation von Prof. Dr. Ulrich Speck (Experimentelle Radiologie, Charité, Berlin Mitte) und Prof. Dr. Bruno Scheller (Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar) wurde nun ein mit einem Medikament beschichteter Ballonkatheter (Drug Eluting Balloon - DEB) entwickelt. Der Idee zugrunde liegt die überraschende Entdeckung, dass bereits 30 Sekunden Kontakt mit dem Arzneimittel ausreichen, um die Wiederverengung eines Gefäßes langfristig zu verhindern. Die schützende Gefäßwandinnenschicht kann sich trotzdem weiter aufbauen. Zusätzliche Medikamente müssen nur noch für wenige Wochen eingenommen werden.

Somit hat der Medikament-freisetzende Ballonkatheter, laut seinen Entwicklern, das Potential, die Therapie der Koronaren Herzkrankheit zu revolutionieren: In einer Studie wuchsen bei nur 3,4 Prozent der so behandelten Patienten die Gefäße wieder zu. Im Vergleich dazu waren es bei der Patientengruppe mit Medikament-freisetzenden Stents noch immerhin 20,4 Prozent. Die Wiederverengungsrate beim Standardballonkatheter lag bei 43 Prozent.

Unterschiedliche Möglichkeiten bei der Aufdehnung von verengten Herzkranzgefäßen
 Verfahren  Vorteile  Nachteile  Wiederverengungsrate
Ballonkatheter Einfach, kostengünstig Hohe Komplikations- und Wiederverengungsraten 30 bis 50 Prozent
Unbeschichtete Gefäßstütze (Stent) Bessere Langzeitergebnisse als Ballonkatheter Wiederverengungsrate immer noch relativ hoch 15 bis 30 Prozent
Medikament-beschichtete Gefäßstütze (Stent) Bessere Langzeitergebnisse als Ballonkatheter und unbeschichtete Gefäßstütze Lange zusätzliche Einnahme von Medikamenten, erhöhtes Thromboserisiko 10 bis 15 Prozent
Medikament-beschichteter Ballonkatheter(DEB) Sehr gute Langzeitergebnisse, nur kurze Einnahme von Medikamenten, kein erhöhtes Thromboserisiko, kein Dauerimplantat Bisher keine bekannt etwa 5 Prozent
 
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