Im Christentum kennt man sie ebenso wie im Islam oder im Hinduismus: Fastenzeiten sind seit Jahrtausenden ein Ritual in vielen Religionen und Kulturen. Wer die Sache richtig angeht, der wird auch von Hungergefühlen verschont.
Unter Fasten versteht man den vollständigen oder teilweisen Verzicht auf Nahrung für eine bestimmte Zeit. Wer sich heutzutage darauf einlässt, tut das seltener aus religiösen Gründen, sondern eher um sich und seinem Körper etwas Gutes zu tun. Heilfasten soll nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch „entschlacken“, also schädliche Stoffwechselprodukte aus dem Körper schwemmen.
Chance zum Neustart
Dass Fasten zum Gewichtsverlust führt, ist unumstritten. Am Anfang verliert man vor allem Flüssigkeit, das kann bis zu ein Kilo am Tag ausmachen. Danach geht es an die Fettreserven. Etwa 200 bis 700 Gramm schmelzen jeden Tag dahin, abhängig vom Ausgangsgewicht und vom Bewegungspensum. Nach fünf Tagen Fasten, Vor- und Nachbereitungstagen ist man dann etwa zwei bis vier Kilo los. Schlanke Menschen verlieren in der Regel nicht so viel wie jene mit vielen Fettreserven.
Von Dauer ist der Abnehm-Erfolg aber nur, wenn der Übergang zum Essen gelingt. Wer nach dem Fasten gleich wieder in die Vollen geht, wird schnell mehr wiegen als zuvor. Doch der Jojo-Effekt ist keinesfalls vorprogrammiert: Viele nutzen die Fastenzeit dazu, sich intensiver mit dem eigenen Essverhalten auseinanderzusetzen. Wer sich vorgenommen hat, sich gesünder zu ernähren, findet durchs Fasten einen guten Einstieg und kann nach der Fastenzeit quasi bei Null beginnen. Dabei hilft es, dass die Geschmacksnerven durchs Fasten sensibler werden und der Appetit auf Süßes oder sehr Salziges meist automatisch abnimmt.
Umstrittenes Entgiften
Doch Fasten soll den Körper nicht nur von Fettpölsterchen befreien, sondern auch von Giftstoffen. Während der Abstinenzphase würden eingelagerte Mineralien aus dem Bindegewebe abtransportiert und abgelagerte Stoffwechselprodukte aus den Zellen freigesetzt, davon sind viele Fastende überzeugt. Doch während die Befürworter des Fastens auf den regenerierenden Entgiftungseffekt schwören, bezweifeln manche Ärzte und Ernährungswissenschaftler, dass es ihn überhaupt gibt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung vermisst wissenschaftliche Belege für die reinigenden Wirkungen des Heilfastens. In einem gesunden menschlichen Körper gäbe es keine Ansammlung von Schlacken: „Nicht verwertbare Stoffe werden bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über den Darm und die Nieren ausgeschieden.“ Doch auch wenn die Entgiftung wissenschaftlich nicht anerkannt ist - für eine positive Wirkung des Fastens auf die Lebensqualität gibt es durchaus Anhaltspunkte: In einer Studie der Klinik Essen-Mitte berichteten 80 Prozent der Fastenpatienten, dass sie sich auch noch Monate nach der Kur gesünder fühlten.
Fasten gegen Krankheiten
Dass Fasten auch bei Krankheiten helfen kann, wussten schon die alten Griechen: „Heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei“, soll Hippokrates, der Ur-Vater der wissenschaftlichen Medizin, empfohlen haben. Der zeitweise Nahrungsverzicht ist zwar kein Allheilmittel, kann sich bei bestimmten Krankheitsbildern aber als vorteilhaft erweisen. Man kennt das von ganz alltäglichen Leiden: Liegt man mit Fieber oder Erkältung im Bett, hat man kaum Hunger. Weil der Körper seine Energie nicht auf die Verdauungsarbeit richten muss, wird auch das Immunsystem entlastet, das zum großen Teil im Verdauungstrakt liegt. Gerade bei Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes Typ II, überhöhten Cholesterinwerten und Verdauungsbeschwerden kann Fasten förderlich oder zumindest vorbeugend sein. Auch bei Rheuma, Arthritis und Hautkrankheiten wie Schuppenflechte sind positive Wirkungen zu beobachten. Wer ernsthaft krank ist, sollte seine Fastenabsichten allerdings mit einem Arzt absprechen.
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