Diabetes
Risiko Auge
28.05.2011
Von Anja Lang
Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes. Häufige und gefürchtete Spätfolge dieser Stoffwechselerkrankung ist eine Schädigung der Netzhaut, die bis hin zur völligen Erblindung führen kann. Erfahren Sie hier, welche Menschen besonders gefährdet sind, wie man effektiv vorbeugen kann und welche Therapien tatsächlich helfen.
Die diabetische Retinopathie ist eine ernsthafte Erkrankung der Netzhaut, die durch Diabetes verursacht wird. Jährlich erblinden deutschlandweit etwa 1.700 Menschen daran. Das sind mehr als ein Viertel aller Erblindungen in Deutschland überhaupt. Innerhalb von Europa und Nordamerika gilt die diabetische Retinopathie als häufigste Ursache für Erblindungen im Erwachsenenalter.
Warum schädigt Diabetes das Auge?
Dauerhaft hohe Blutzuckerwerte, meist auch in Kombination mit zu hohem Blutdruck und/oder zu hohen Cholesterinwerten, führen zu krankhaften Veränderungen an den Gefäßen. Davon betroffen sind auch die winzigen Blutgefäße der Netzhaut. Die Netzhaut liegt in der innersten Schicht der Augapfelschale hinter dem Glaskörper. Sie hat eine für das Sehen besonders wichtige Aufgabe, denn sie vermittelt die in das Auge eintretenden Lichtreize über Nervenbahnen ans Gehirn. Verglichen mit einer Kamera entspricht die Netzhaut dem Film. Tückischerweise ist die Netzhaut völlig schmerzfrei. Treten krankhafte Veränderungen auf, so spürt dies der Patient in der Regel erst dann, wenn er schlechter zu sehen beginnt.
Zu diesem Zeitpunkt sind aber oft bereits massive Schädigungen eingetreten, die nicht wieder rückgängig gemacht werden können. Prof. Gabriele Lang, Leiterin der Sektion konservative Retinologie und Laserchirurgie an der Universitätsaugenklinik Ulm, rät allen Diabetikern deshalb dringend, regelmäßig ihre Augen untersuchen zu lassen. „Wenn der Patient Sehveränderungen wahrnimmt, ist die Erkrankung oft schon weit fortgeschritten. Dadurch verlieren wir unnötig viel Zeit. Am besten behandeln lässt sich eine diabetische Retinopathie, wenn sie frühzeitig erkannt wird.“
Wer ist von einer diabetischen Netzhauterkrankung besonders betroffen?
Betroffen sind ausschließlich Diabetes-Patienten. Nach etwa 20 Jahren entwickeln über 95 Prozent der Typ-1-Diabetiker eine Schädigung der Netzhaut. Bei den Typ-2-Diabetikern sind es noch etwa 60 Prozent. Dafür wird bei jedem dritten Typ-2-Diabetiker bereits bei der Diagnose des Zuckers auch eine Netzhautveränderung festgestellt. Das liegt daran, dass die Stoffwechselerkrankung oft schon über Jahre besteht und die zu hohen Blutzuckerwerte bereits Schäden angerichtet haben. Besonders ungünstig wirken sich auch alle Faktoren aus, die zusätzlich die Gefäße schädigen. Dazu gehören ein zu hoher Blutdruck, zu hohe Cholesterinwerte, eine diabetische Nierenerkrankung, Rauchen und Alkohol. Auch hormonelle Umstellungen, wie sie bei Jugendlichen in der Pubertät und bei Schwangeren vorkommen, wirken sich auf die Entwicklung und das Fortschreiten der Erkrankung ungünstig aus.