Die Haare sollen wieder sprießen, Pfunde purzeln, Muskeln wachsen oder die Potenz für den Weltmeistertitel qualifizieren: Die Rede ist von Wunderpillen, die uns tagtäglich, meist in Form von Spam-E-Mails, über das Internet angepriesen werden. Die Angebote sind verlockend, wird doch mit niedrigen Preisen und sensationellen Erfolgen geworben.
Doch Vorsicht: Viele dieser Produkte sind billige Fälschungen. Sie enthalten zu wenige, die falschen oder gar keine Wirkstoffe. Schlimmstenfalls enthalten sie sogar Gift. In der Regel stammen die meisten dieser Mittel aus Ländern der Dritten Welt und werden dort unter oft zweifelhaften hygienischen Verhältnissen hergestellt.
Nach Schätzungen der Weltgesundheits-Organisation sind 10 bis 30 Prozent der verkauften Arzneimittel in Asien, Afrika und Lateinamerika gefälscht. Gefälscht wird alles, was sich mit Gewinn verkaufen lässt. Besonders gefährlich: Die Medikamentenfälschungen betreffen nicht nur die beliebten Lifestyle-Produkte, sondern immer mehr auch ganz gewöhnliche Wirkstoffgruppen, wie Antibiotika, Schmerz- oder Verhütungsmittel.
Antibiotika-Augentropfen stammen dann direkt aus der Wasserleitung, Paracetamol-Sirup gegen Fieber und Schmerzen bei Kindern besteht nur aus zähflüssigen Lösungsmitteln, und Verhütungspillen enthalten statt Hormonen Weizenmehl. Viele der Medikamente sind optisch dem Original täuschend ähnlich und selbst für Experten nur nach chemischer Analyse vom Original zu unterscheiden.
Das sollten Sie beachten:
Seriöse Versandapotheken haben auf ihrer Website klare Angaben. Dazu gehören Name des Apothekers und die vollständige Anschrift der Apotheke, Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde und eine transparente Darstellung der Geschäftsbedingungen.
Verschreibungspflichtige Medikamente (z.B. Viagra oder Hormone) werden nicht aktiv beworben, und sie werden bei seriösen Anbietern nur gegen Einsendung eines Rezeptes verschickt. Besonders bei den hochpreisigen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist die Fälschungsgefahr hoch.
Da Fälschungen ohne Laboruntersuchungen schwer zu erkennen sind, empfiehlt Dr. Norbert Clemens, Bundesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pharmazeutische Medizin: Bestellen Sie nur bei Versendern mit Sitz in Deutschland, der Schweiz oder einem Mitgliedsstaat der Europäischen Gemeinschaft, denn die scharfen rechtlichen Vorschriften für die Arzneimittelqualität sind hier standardisiert. Das erhöht den Schutz vor Medikamentenfälschungen und garantiert die notwendige Qualität der Medikamente.
Wer als Reisender in Asien, Afrika oder Lateinamerika unterwegs ist, sollte wichtige Medikamente von zu Hause mitnehmen. Denn in diesen Ländern liegt die Quote der Fälschungen besonders hoch. Wer länger unterwegs ist, sollte sich unbedingt im Hotel oder bei einem Arzt nach seriösen Apotheken erkundigen.
Wer ein ihm bekanntes Medikament aus dem Internet oder dem Ausland erworben hat und sich nicht sicher ist, ob es sich wirklich um ein Original handelt, z.B. weil die Farbe der Tabletten oder die Verpackung ungewöhnlich sind, kann in Deutschland zur nächstgelegenen Apotheke gehen und dort um Rat fragen. Apotheker kennen die Medikamente genau und können sich über Änderungen rasch beim Hersteller informieren.
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