Ökostrom hat sich etabliert. 2010 deckten erneuerbare Energien 17 Prozent des deutschen Strombedarfs. Nun setzt Ökogas zum Durchbruch an. Worauf Verbraucher bei der Wahl von grünen Gastarifen achten müssen.
Bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern entsteht das Klimagas Kohlendioxid. Wer es zuhause behaglich warm haben möchte und dafür Erdgas nutzt, muss das akzeptieren. Allerdings können umweltbewusste Verbraucher heute nicht nur Strom aus regenerativen Quellen bestellen, sondern auch Gas.
Hatten hiesige Energieunternehmen noch vor einem Jahr nur wenige Gastarife mit dem Prädikat „wertvoll für die Umwelt“ im Programm, liefern heute etliche regionale Stadtwerke sowie bundesweit aktive Versorger „grünes“ Erdgas.
Klimaprojekte als Ausgleich
Dabei müssen Privatkunden zwei Varianten unterscheiden: Sogenannte Klimatarife und die Beimischung von Biogas. Bei Klimatarifen wie „Sauber Gas Flex“ des Unternehmens Sauber Energie, einer Vertriebsgesellschaft von Regionalversorgern aus NRW und Hessen, oder „Lichtblick Gas“ der gleichnamigen Firma aus Hamburg wird im übertragenen Sinn der Kohlendioxidausstoß neutralisiert.
Das heißt: Die Lieferanten stellen sicher, dass die gleiche Menge CO2, die hier in die Luft entweicht, anderswo der Atmosphäre wieder entzogen wird – etwa durch die Finanzierung von Aufforstungsprojekten in Brasilien oder den Kauf von Emissionszertifikaten, die pro Stück der Reduktion um eine Tonne CO2 entsprechen. Immerhin liegen die jährlichen Kohlendioxid-Emissionen eines Vier-Personen-Haushalts mit einem Energieverbrauch von 20.000 Kilowattstunden pro Jahr bei rund vier Tonnen CO2.
Ökogas wird immer populärer
Das wird offenbar immer mehr Verbrauchern bewusst: Bei einem Blick auf die Öko-und Klimatarife in den größten deutschen Städten zeigt sich, dass das Angebot in den letzten Monaten deutlich zugenommen hat und sich die beiden Verbrauchsvarianten ungefähr die Waage halten. Kunden können heute also wählen, ob sie eine „CO2-Neutralisierung“ oder einen Biogas-Anteil wünschen. Wichtig zu wissen: Bei Gas ist ein Ökoanteil von 100 Prozent aufgrund der hohen Kosten noch selten. Lediglich 16 Prozent der für eine Studie des Marktforschungsinstituts Trend Research 2010 befragten Versorger boten dies an. Das ins Leistungsnetz eingespeiste Biogas entsteht durch Vergärung vor allem von Energiepflanzen sowie landwirtschaftlichen Abfallprodukten wie Tierjauche.
Doch genau das wird auch von Umweltschützern kritisiert. So bemängelt der Naturschutzbund Deutschland (NABU), dass der industrielle Anbau von Mais oder Raps die Strukturen des ländlichen Raumes zerstören und die Massentierhaltung dem ökologischen Grundgedanken widersprechen würden. Aber die finanzielle Förderung von Biogasanlagen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) lässt die Branche brummen.
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Ökogas günstiger als Grundversorgung
In Deutschland liefern bereits rund 6.000 Anlagen Energie in Form von Strom, Gas, Wärme und Treibstoff. Würde nur Strom produziert, könnten laut Fachverband Biogas bereits zehn Prozent der Haushalte bei uns komplett versorgt werden. Und die Bedeutung von Biogas als regenerativer Energieträger steigt: In Deutschland sind bis Ende 2011 weitere 800 Werke in Planung. Laut Trend Research steigt das Marktvolumen bei Ökogas von derzeit 250 Millionen auf 600 Millionen Euro bis 2015.
Für Verbraucher, die klimaschonend mit Gas heizen wollen, ist der Boom von Vorteil: Zum einen steigt das Angebot. Bundesweit gibt es momentan laut Verbraucherportal Verivox 37 Lieferanten mit 93 Ökotarifen. Zum anderen verringert sich die Preisdifferenz zu herkömmlichen Tarifen. Schon heute ist nach Angaben von Verivox das günstigste Ökogasangebot im Schnitt 273 Euro pro Jahr günstiger als der Heizgastarif des jeweiligen örtlichen Grundversorgers. Ökogas hilft also nicht nur dem Klima, sondern schont auch den Geldbeutel.
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Foto: colourbox.com ID:2815
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