Klimaschutz ist kompliziert. Selbst Spitzenpolitiker schaffen es kaum, sich auf verbindliche Ziele zu einigen. Und viele Tipps zum CO2-Sparen legen nahe, einfach auf jeden Komfort zu verzichten. Dabei gibt es eine Alternative: Mit CO2-Kompensation bleibt die Klimaweste sauber und Geldsparen zeigt, wie Sie mit den richtigen Anbietern sogar besonders günstig zu einem guten Gewissen kommen.
Fast elf Tonnen CO2 (Kohlendioxid) bläst der durchschnittliche Deutsche laut WWF in die Luft. Damit liegt er zwar noch deutlich hinter den Nordamerikanern, die es auf rund 20 Tonnen klimaschädigendes Gas bringen, aber auch weit über dem weltweiten Durchschnitt von gerade einmal 4,4 Tonnen.
Wer seine ganz persönliche Klimabilanz verbessern möchte, kann viel tun und einfach verzichten – zum Beispiel auf Fleisch, Tiefkühlkost, Fliegen, Autofahren, Heizen oder Waschen. Aber auch wer nicht zum Asketen geboren ist, kann für einen Ausgleich sorgen: CO2-Kompensation heißt das Zauberwort dafür.
Das Prinzip
Vorab: Natürlich ist es für das Klima am allerbesten, erst gar kein oder zumindest deutlich weniger CO2 zu produzieren. Die globale Erwärmung wird sich letzten Endes nur so stoppen lassen. Wer aber zum Beispiel aus beruflichen Gründen öfter fliegen, viel Autofahren muss oder einfach gerne Fleisch isst, kann trotzdem etwas Sinnvolles beitragen. Kompensation nennt sich das Prinzip, wenn irgendwo auf der Welt jemand anderes das CO2 einspart, dass man selbst produziert.
Viele Organisationen bieten an, gegen Geld für einen solchen Ausgleich des erzeugten Co2 zu sorgen. Zum Beispiel durch den Bau eines Windparks in Indien oder gezielte Aufforstungsmaßnahmen - ein Baum kann im Laufe seines Lebens rund eine Tonne CO2 speichern. Leider sind nicht alle angebotenen Projekte auch wirklich klimafreundlich,
wie der WWF zu Recht kritisiert und empfiehlt, auf Projekte zu setzen, die den von der Umweltschutzorganisation mitentwickelten
„Goldenen Standard“ haben. Wie viel kostet es aber, jetzt mit gutem Gewissen in ein Steak zu beißen?
Der Fußabdruck
Dazu muss man zunächst ermitteln, wie viel CO2 man mit seinem Verhalten erzeugt. Im Internet gibt es jede Menge Rechner, die einen sogenannten „Carbon-Footprint“ darstellen, wie
zum Beispiel den des Umweltbundesamtes. Dieser virtuelle Fußabdruck beschreibt die Menge CO2, die zum Beispiel durch 10.000 Kilometer Autofahren (rund 2,2 Tonnen) oder durch einen Hin- und Rückflug von München nach Hamburg entstehen (rund 0,38 Tonnen). Ein Fleischliebhaber produziert übrigens etwas über eine Tonne mehr Kohlendioxid im Jahr als ein Vegetarier. Um das zu kompensieren reichen ein paar Klicks im Internet und etwas Geld auf dem Konto. Die so erworbenen Zertifikate eignen sich auch perfekt als Lastminute-Geschenk, zum Beispiel für ökobewusste Fleischliebhaber - der „Persilschein“ für ein Jahr klimaneutralen Genusses (rund 1,1 Tonnen CO2) liegt bei etwa 25 Euro.
Die Kosten
Allerdings gibt es auch bei den Kosten Unterschiede. Zum Beispiel bei den beiden Anbietern atmosfair.de oder myclimate.org, die jeweils den „Goldenen Standard“ erfüllen. So kostet der Klimaablass bei atmosfair.de grundsätzlich 23 Euro die Tonne, beim Konkurrenten myclimate.org sogar 24 Euro. Generell lohnt es sich, einzelne Dinge auf den Seiten berechnen zu lassen und zu vergleichen. Der Hin- und Rückflug München-Hamburg kommt nämlich laut atmosfair auf neun Euro Kompensationskosten, bei myclimate sind dagegen nur acht Euro fällig. Für 10.000 Kilometer Autofahren (Mittelklassewagen, acht Liter Benzin) sind es 67 Euro bei myclimate, die entsprechende Menge CO2-Kompensation kostet bei atmosfair jedoch lediglich 64,17 Euro.
Auch wenn es um die gute Sache Klimaschutz geht, gibt es wenig Grund für eine vergleichbare Leistung mehr als nötig zu bezahlen. Der Durchschnittsdeutsche kann so zum Beispiel bei atmosfair (elf Tonnen CO2 für 253 Euro) über vier Prozent günstiger ein ganzes Jahr klimaneutral leben als bei der Konkurrenz.