Zwei Drittel aller Häuser in Deutschland sind vor 1978 errichtet - in Zeiten, als es noch keine Wärmeschutzverordnung am Bau gab und Energie billig war. Viele der Gebäude sind heute sanierungsbedürftig, eine neue Heizung muss her, durch Fenster und Mauern pfeift der Wind, übers Dach geht Wärme verloren.
Wer eine ältere Immobilie grundlegend modernisieren muss, sollte sich vorher Rat vom Fachmann holen. Sind nicht alle Sanierungsschritte aufeinander abgestimmt, holt sich der Besitzer statt der Einsparung womöglich noch Feuchteschäden und Schimmel ins Haus. Die Investition von mehreren hundert Euro in einen versierten Energieberater zahle sich bei Großaufträgen immer aus, empfiehlt der Verband privater Bauherren (VpB). Bei kleineren Sanierungen reicht dagegen häufig schon das abgespeckte Beratungsangebot der Verbraucherzentralen aus. Der Staat schießt unter bestimmten Voraussetzungen Geld dazu.
Wer darf beraten?
Der Beruf des Energieberaters ist nicht gesetzlich geschützt, Schulung und Eignung fallen sehr unterschiedlich aus. Energieberater haben keine eigene Ausbildung oder ein spezielles Studium, sondern eine Zusatzqualifikation. Vor allem Architekten, Bauingenieure, Elektrotechniker und Maschinenbauer werden an Hochschulen, Akademien und von ihren Kammern weitergebildet. Auch Handwerksmeister können sich fortbilden lassen und bieten zunehmend ihre Dienste an.
Was ist bei der Auswahl wichtig?
Seriöse Sachverständige sind unabhängig, erhalten keine Verkaufsprovisionen und beraten firmen- und anbieterneutral. Wer einen Berater aus dem Handwerk beauftragt, sollte wissen, dass dieser von seiner Ausbildung her keine umfassene Analyse des gesamten Gebäudes liefern kann, betont Hans Weinreuter, Bauexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Meist seien diese Fachleute nur auf Teile des Gewerks spezialisiert, Ingenieure dagegen in der Regel breiter aufgestellt.
Was ist eine Vor-Ort-Beratung?
Bei der Vor-Ort-Beratung kommt ein unabhängiger, staatlich anerkannter Fachmann ins Haus, begutachtet das Gemäuer samt Schwachstellen, berechnet den Energieverbrauch und macht dann Vorschläge, was wie saniert werden muss und wie hoch die Kosten dafür ausfallen dürften. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zahlt für Ein- und Zweifamilienhäuser einen Zuschuss von 300 Euro. Ab drei Wohneinheiten gibt es eine Finanzspritze von 360 Euro dazu. Voraussetzung jeweils: Der Bauantrag wurde vor 1994 erteilt.
Eine Liste zugelassener Berater für jedes Postleitzahlengebiet gibt es unter anderem beim
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder beim
Deutschen Energieberaternetzwerk. Die Experten stellen auch den Antrag auf Förderung durchs Bafa, der zwingend vor dem Beratungstermin eingereicht werden muss. Achtung: Die Fördermittel sind begrenzt. Ist der Topf in einem Jahr erschöpft, kann man es im nächsten erneut versuchen. Wer sich auf eigene Faust einen Energieberater sucht, bekommt nichts vom Staat dazu.
Was ist kostengünstiger?
Wer keine umfassende Berechnung der Energiebilanz seines Hauses braucht, sondern eher praktische Unterstützung, Einspartipps oder bauphysikalischen Rat vom Experten will, ist bei den Verbraucherzentralen gut aufgehoben. Dort kann man auch konkrete Umbauangebote prüfen lassen. Bundesweit sind dafür 250 Architekten, Ingenieure und Physiker im Einsatz. Ein Termin bei den Energieberatern der Verbraucherschützer kostet nur fünf Euro (in Rheinland-Pfalz: kostenfrei), der Rest wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie finanziert. Ähnliches gilt für eine Vor-Ort-Besichtigung des Objektes, um konkrete Fragen zu klären. Diese kostet 45 Euro, die übrigen Kosten werden ebenfalls vom Staat bezuschusst.
Adressen:
Bundesweite Adressen anerkannter Berater gibt es bei der
Verbraucherzentrale Energieberatung. Telefonische Auskünfte gibt es unter der Servicenummer: 09001 / 36 37 443 (14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz, abweichende Preise für Mobilfunkteilnehmer).