Energieberatung
Den richtigen Fachmann finden
30.07.2010
Von Matthias Kutzscher
Wenn Gas- oder Ölrechnungen zu hoch erscheinen, die Fassade renoviert wird, eine neue Heizung her soll oder ungenutzte Räume im Haus ausgebaut werden, ist die Energieberatung nötig. Bauherren müssen nämlich die Energieeinsparverordnung beachten. Mit guter Planung lässt sich zudem langfristig viel Energie sparen. Doch was sollten Fachleute liefern und was kostet es?
Steht bei privat genutzten Häusern eine größere Modernisierung an, müssen die Gebäude energieeffizienter gemacht werden. Das schreibt die Energieeinsparverordnung – kurz EnEV – als Teil des deutschen Baurechts vor. So gilt seit 2009 die Regel, dass der Primärenergiebedarf deutlich verringert werden muss. Um wie viel und mit welchen Maßnahmen das möglich ist, ermitteln Energieberater.
Seit die Verordnungen über effizienten Wärmeschutz und Heiztechnik jedoch stetig verschärft und komplexer geworden sind, hat sich ein nahezu unüberschaubares Angebot entwickelt. Berater preisen in Gelben Seiten, Branchenbüchern und Internet ihre Dienste an.
Für Verbraucher stellen sich damit vier Fragen:
- Wozu ist Energieberatung gut?
- Wie finde ich den richtigen Experten?
- Was muss der leisten?
- Was kostet es?
Den energetischen Zustand prüfen
Wer umfangreicher sanieren will, muss über den Energiebedarf seines Hauses sowie energieeffiziente Maßnahmen Bescheid wissen; weil die EnEV Einsparungen verlangt, zudem optimale Dämmung sowie hochmoderne Heizungssysteme durchaus die Energiekosten halbieren können.
Unabhängigkeit der Experten beachten
Staatlich gefördert und damit in der Regel, sowohl gut als auch günstig sind die Energieberater der Verbraucherzentralen. Informiert wird telefonisch, schriftlich, online, bei den Beratungsstellen sowie vor Ort. 2009 haben die Experten der Verbraucherzentrale allein in Nordrhein-Westfalen etwa 12.000 Mal persönlich Ratschläge erteilt. Daneben bietet ein Heer an Architekten, Ingenieuren, Schornsteinfegern, Heizungs- und Fensterbauern oder auch Dachdeckern Energieberatung an.
Qualitätsausweis ist zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem der etablierten Verbände. Dazu gehören der GIH Bundesverband, das Deutsche Energieberaternetzwerk sowie der Europäische Verband der Energie- und Umweltberater (EVEU). „Auch aktuelle Referenzen müssen vorgelegt werden können“, sagt EVEU-Vorsitzender Thomas Lohr. „Bei Handwerkern sollte beachtet werden, dass sie meist mit Herstellern etwa von Fenstern oder Heizungen kooperieren“, gibt Peter Blenkers von der Verbraucherzentrale NRW zu bedenken. Auch Schornsteinfeger unterliegen bei Ratschlägen etwa zu Solarenergie oder Wärmepumpen einem Konflikt: Denn die Systeme machen Kaminkehren unnötig.
Leistungsbeschreibung einfordern
Zu Punkt drei: Hat man einen Energieberater gewählt, sollten seine Leistungen klar sein. Zum Basisangebot der Verbraucherzentralen etwa gehören die Ermittlung des Energieverbrauchs, Infos zu Dämmstärken, ungefähre Kosten bestimmter Maßnahmen, Ausführungstipps, Hinweise zu Fördermitteln sowie die Besichtigung der Heiz- und Kaminanlage. Spezielle Offerten beziehen sich auf Solarstromcheck, Feuchtediagnose und Gebäude-Energiegutachten. Ebenso wie die Verbraucherzentralen sollten freie Berater sich an der seit Oktober 2009 gültigen Richtlinie für „Vor-Ort-Beratung“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie orientieren. Demnach erfolgt die Beratung in drei Schritten – Untersuchung des Gebäudes, Beratungsbericht mit Einsparmaßnahmen, persönliches Beratungsgespräch. Die Mindestanforderungen sind im Internet unter www.bafa.de zu finden.
Beratungskosten variieren stark
Bei den Verbraucherzentralen sind die Kosten transparent. Wer sich 30 Minuten am Telefon oder in den Zentralen unterrichten lässt, muss fünf Euro zahlen. Das Basisangebot mit Hausbegehung kostet 60 Euro für 1,5 Stunden und 20 Euro für jede weitere halbe Stunde; Anfahrt und Infomaterial sind inklusive. Für ein Gebäude-Energiegutachten müssen 360 Euro (ein bis zwei Wohneinheiten) überwiesen werden. Bei freien Energieberatern hängt das Honorar davon ab, wie groß ein Gebäude ist, wie es dokumentiert ist und was erwartet wird. Eine Energiebilanz mit detaillierten Einsparszenarien wird mehr kosten als eine schnelle optische Begutachtung.
Wichtig zu wissen: Eine Beratung nach BAFA-Vorgabe für Ein- und Zweifamilienhäuser wird derzeit mit 300 Euro bezuschusst. Beantragung und Abwicklung übernimmt der Energieberater. Werden Stromspartipps gegeben, gibt es einen Bonus von 50 Euro. Allerdings kommen als Antragsteller nur bestimmte Berater infrage. Auch das sollten Verbraucher also vorab unbedingt prüfen.