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Live-Shopping

Ein Schnäppchen pro Tag

30.12.2011
Von Sandra Petrowitz
Einkaufen im Internet? Wie langweilig! Stattdessen übt man sich im Liveshopping – Online-Einkauf bei Spezialisten, die 24 Stunden lang nur einen einzigen Artikel anbieten, aber das zu einem günstigen Preis. Wer zu spät kommt, kriegt nichts mehr. Für den Nervenkitzel wacht mancher Online-Shopper auch zu Mitternacht am Rechner. Ob sich das lohnt?
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Das US-Portal woot.com ist der Vorreiter. Gegründet von einem texanischen Elektronik-Großhändler, gehört es heute zum Amazon-Konzern. „One day, one deal“ ist sein Credo – ein Schnäppchen pro Tag. Das Angebot gilt so lange, bis alle Vorräte ausverkauft sind, oder bis eine Minute vor Mitternacht. Dann ist das nächste Produkt dran. Zumeist geht es um Unterhaltungselektronik oder das, was man neudeutsch als „gadget“ bezeichnet – elektronische Kinkerlitzchen: Da gibt es Grillgabeln mit eingebautem Thermometer, einen Radiowecker mit MP3-Player-Dock oder Schlüsselanhänger in Herzchenform, in denen ein digitales Foto flimmert.
Wer meint, dass er das braucht, drückt nicht etwa einen normalen Kauf-Button, sondern den Knopf, auf dem „I want one“ steht. Neuerdings reicht ein Deal am Tag allerdings nicht mehr aus, deshalb gibt es zusätzlich dazu noch Links zu speziellen "woots" – fürs traute Heim (zum Beispiel ein Bambus-Küchenset) oder für die lieben Kleinen (3D-Puzzleset), einen "Ausverkaufs-Woot" (Umhängetasche), einen T-Shirt- und einen Wein-Woot. Ganz schön viele Angebote für ein Portal, das nur ein Schnäppchen pro Tag verspricht... Angehängt an das Einkaufsportal sind Forum und Blog – die woot-Community soll sich schließlich über das Erworbene und über alles, was sonst noch so wichtig ist, austauschen können. Das ist ein entscheidendes Merkmal der neuen Shopping-Portale: Es geht nicht mehr nur ums Produkt oder den besten Preis, sondern auch um die Gemeinschaft und darum, Gleichgesinnte zu treffen – frei nach dem Motto: Mit Freunden macht das Einkaufen noch mehr Spaß. Genau darauf setzen die neuen Portale und bieten in aller Regel zumindest eine Kommentarfunktion zu den Artikeln an. Dazu kommt ein gewisser Druck auf die Konsumenten – ganz gleich, ob per herunterzählender Uhr oder mit einer Prozentangabe, wie viel der begehrten Ware noch verfügbar ist. Inzwischen ist das Live-Shopping auch in Deutschland angekommen. Geldsparen.de hat sich einige Anbieter näher angesehen.

Guut.de

„Jetzt oder nie“ lautet die Werbung. Neuerdings gehört guut.de zu 1DayFly, dem zweitgrößten Liveshopping-Anbieter in den Beneluxländern. Täglich um 12 Uhr wird etwas Neues angeboten, das so lange erhältlich ist, wie der Vorrat reicht. Eine herunterzählende Uhr zeigt an, wie viel Zeit zum Einkauf noch verbleibt, eine Grafik dokumentiert, wie viel noch verfügbar ist. Im Angebot waren bislang Subnotebooks, Hörbuch-Pakete, Staubsauger, Beamer, Navigationsgeräte, Digitalkameras, digitale Bilderrahmen – also praktisch das gesamte Sortiment der Unterhaltungselektronik, dazu noch das eine oder andere Ausgefallene wie ein Mini-Aquarium oder Business-Hemden. Das Subnotebook One A120 gab’s für 249,99 Euro plus Versand – beim Hersteller kostete es 20 Euro mehr.
Dass es dennoch mitunter mehr ums Kommentieren als um den Kauf geht, legen die vielen Bemerkungen von Nutzern nahe. Exemplarisch sei diese zitiert: „Euer Text is so sauwitzig, da kauf ich gleich 10 Stück von dem Crap hier...“

Preisbock

Zu kaufen gibt’s vor allem Unterhaltungselektronik: MP3-Player, Fotodrucker, Kopfhörer, Festplatten, Digitalkameras, Navigationsgeräte; mitunter sind aber auch Loungeliegen, Luxus-Handtaschen oder Design-Badeenten im Angebot. Die Produkte sind maximal 24 Stunden lang verfügbar – oder so lange der Vorrat reicht. Wie viel noch da ist, zeigt der „Preisbock“ an, der über eine Wiese springt.
Wer genau das jeweils angebotene Produkt haben will, kommt tatsächlich günstig weg, auch wenn die Ersparnis manchmal nur wenige Euro beträgt. Ein Beispiel: Die Spielkonsole Nintendo DS lite (schwarz, weiß, rot oder türkis) gab es für 122,95 Euro plus 4,99 Euro Versand. Bei geizhals.at war sie zu diesem Zeitpunkt nicht unter 130 Euro plus Versand zu bekommen, bei Amazon kostete sie neu knapp 150 Euro. Aber Preisbock erliegt regelmäßig der Versuchung, die Beschränkung auf ein einziges Produkt pro Tag aufzuheben: Da gibt es mal eine Handvoll verschiedene Quietsche-Entchen, mal ein Dutzend Kosmetik-Geschenksets, mal zehn unterschiedliche Ed-Hardy-Taschen zur Auswahl – offenbar lassen sich so bessere Geschäfte machen als mit einem einzigen "Preisbock" pro Tag. Und wer gar nichts kaufen, sondern sich nur unterhalten lassen will, kann in einer Echtzeit-Liste zusehen, was Preisbock-Nutzer gerade so machen (Rezensionen verfassen, sich neu anmelden, bestimmte Produkte kaufen) – so wird die persönliche Shopping-Tour zu einem öffentlichen Ereignis...

iBood

iBood wirbt mit einem Produkt pro Tag aus den Kategorien Elektronik und Computer, Kosmetik, Sport und Lifestyle – "jeden Tag das beste Online-Angebot". So gab’s zum Beispiel Multimedia-Player, Heimkinosysteme, USB-Festplatten, Ventilatoren und Design-Abfalleimer zu kaufen, aber auch ein Anti-Falten-Pflegeset für Männer. Preisbeispiel: Der Multimedia-Player MPU 43315 von Polaroid kostete 149,95 Euro plus Versand; Preissuchmaschinen listeten ihn zu diesem Zeitpunkt bei anderen Händlern ab 209,95 Euro. Fazit: Schmalspur-Angebot im ursprünglichen Liveshopping-Stil.

Dealirio

24 Stunden lang gibt’s den „Dealirio“ – oder eben so lange, bis er ausverkauft ist. Das Angebot reicht vom Barbecue-Grill über den MP3-Player bis hin zu Thermo-Kaffeebechern, Fahrradsätteln und digitalen Bilderrahmen. Den Multimediaplayer iRiver E-100 gab’s für 99 Euro plus Versand; bei alternativen Anbietern kostete er zu diesem Zeitpunkt 10 Euro mehr.

24Limit

"Ein Produkt. Ein Preis. 24 Stunden." Knapper kann man Liveshopping kaum beschreiben. Der Schwerpunkt liegt auf Unterhaltungselektronik (und mitunter auch auf Kinkerlitzchen). Beispiel: Den TFT-Monitor Acer X 223 HQb gab's für 114,99 Euro plus 5,99 Euro Versand; Preissuchmaschinen listeten den Bildschirm zum gleichen Zeitpunkt für mindestens 129 Euro.

onedealoneday.de

Ein Tag, ein Produkt – zum Beispiel Poloshirts von Dolce & Gabbana, aber auch Artikel aus dem Bereich Unterhaltungselektronik und Computer. Recht einfach gehaltenes, ursprüngliches Liveshopping.

Grundsätzlich gilt: Vor einer Liveshopping-Tour empfiehlt sich ein Preisvergleich im Internet – womöglich gibt's das Produkt ja doch anderswo billiger. Apropos: Auch „normale“ Online-Shops sind inzwischen in das Geschäft eingestiegen. Beim Computerladen Mindfactory heißt das entsprechende Countdown-Angebot „MindStar“, beim Konkurrenten Alternate preußisch „ZackZack!“. Für passionierte Live-Shopper gibt’s übrigens auch Seiten, auf denen man sich ansehen kann, was von allen Live-Shops aktuell angeboten wird: zum Beispiel bei myliveshopping.de oder Mydealz.

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