Lebensmittel für Kinder sind knallig bunt, mit viel Verpackung, klein portioniert und haben einen hohen Spaßfaktor. Slogans wie "die Extraportion Milch", "mit Vitaminen und Mineralstoffen" oder Ähnliches vermitteln den Eindruck von hochwertigen und gesunden Produkten. Ernährungsexperten und Verbraucherschützern vergeht allerdings bei der angeblich so gesunden Kost der Appetit.
Die überwiegende Zahl der Kinderlebensmittel ist zu süß, zu fett und enthält jede Menge Zusatzstoffe, etwa Geschmacksverstärker und Farbstoffe, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Verbraucherzentralen reklamieren. Zudem sind sie scheinbar willkürlich mit künstlichen Vitaminen und Mineralstoffen angereichert, die nicht selten das Vielfache der empfohlenen Tagesdosis für Kinder überschreiten.
Kinderlebensmittel deutlich teurer
Dafür dürfen Mama und Papa dann auch noch besonders tief in die Tasche greifen. Denn die lustigen Spezialprodukte für die Kleinen sind in der Regel deutlich teurer als herkömmliche Produkte. 2004 bewertete Stiftung Warentest die Qualität von insgesamt 40 Kinderlebensmitteln. Fazit: Die bunten Lebensmittel für Kinder enthalten viel Zucker, Fett und Kalorien. Vitamine sind oft überdosiert. Nur fünf der 40 Produkte wurden als für Kinder geeignet eingestuft.
Ökotest kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Fast alle Produkte sind im Vergleich zu gesunden Alternativen entweder zu süß, zu fett oder beides. Einige Produkte sind unnötigerweise mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert, was sogar schaden kann. Punktabzug gab es auch für den Einsatz von Geschmacksverstärkern wie Glutamat und Aromastoffen, die das Produkt um ein Mehrfaches intensiver schmecken lassen als die vergleichbare natürliche Frucht.
Keine Vorteile gegenüber herkömmlichen Lebensmitteln
Das
Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund untersucht und bewertet seit über zehn Jahren Lebensmittel, die speziell für Kinder angeboten werden. Bilanz des Instituts: Ernährungsphysiologisch bieten die derzeitigen Kinder- und Kleinkinderlebensmittel gegenüber herkömmlichen Lebensmitteln keinerlei Vorteile. Dr. Ute Alexy, Ernährungswissenschaftlerin am FKE in Dortmund: Spezielle Lebensmittel für Kinder sind nicht nötig. Ab etwa einem Jahr können Kinder am ganz normalen Familienessen teilnehmen.
Das Institut empfiehlt für Kinder und Jugendliche die optimierte Mischkost Optimix. Ein Ernährungskonzept, das vom FKE Anfang der 1990er Jahre entwickelt und seitdem immer wieder an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kinderernährung angepasst wurde. Dabei liegt der Schwerpunkt des Speiseplans auf pflanzlichen Lebensmitteln (Gemüse, Obst und Getreideerzeugnissen) zusammen mit kalorienarmen Getränken. Tierische Lebensmittel wie Milch, Milchprodukte, Fleisch und Eier sollen dabei nur in mäßigem Umfang verzehrt werden. Fett- und zuckerreiche Produkte, wie Süßigkeiten und Knabberzeug, sind nicht verboten, sie sollten aber nur selten auf den Tisch kommen.
Ab und zu ein Produkt aus der Riege Kinderlebensmittel schadet nicht, so Alexy. Wer selber Kinder hat, weiß, dass man um die poppigen Spezialprodukte nur schwer herumkommt. Wichtig ist, dass sie nicht den Hauptbestandteil der Ernährung ausmachen.