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K wie "Kindle" und "Kundenbindung"

Große Unterschiede gibt es hingegen bei den Dateiformaten. Grundsätzlich stellt sich für jeden Buchhändler, der einen E-Reader anbietet, die Frage: Zwinge ich den Kunden, ausschließlich meine elektronischen Bücher zu kaufen und zu lesen, oder lasse sich sie auch woanders einkaufen und erlaube die Nutzung verschiedener Dateiformate auf dem Gerät? Amazon hat sich für Kundenbindung entschieden: Der "Kindle" ist in erster Linie auf Amazons eigenes eBook-Format ausgelegt, wenngleich er sechs weitere Dateiformate beherrscht, darunter .txt, .html, das E-Buch-Format .mobi und .pdf.

Amazon versucht dennoch, dem "Kindle" einen ähnlichen Kultstatus zu verschaffen, wie es Apple mit dem iPod gelungen ist. Die Vermarktungsstrategie kommt einem jedenfalls bekannt vor: Wer den „Kindle“ hat, ist faktisch an Amazon gebunden. Um das Gerät mit elektronischen Büchern aus den virtuellen Amazon-Regalen zu versorgen, muss man seinen „Kindle“ registrieren. Nur registrierte Kunden können Amazons elektronische Bücher, Zeitschriften und Zeitungen per drahtloser Internetverbindung direkt aufs Lesegerät laden. Die gekauften Bücher sind mit „Digital Rights Management“ vor der Weiterverbreitung geschützt und können nur auf dem eigenen „Kindle“ gelesen werden. Die mehr als eine Million kostenlosen E-Buch-Titel, mit denen Amazon wirbt, stehen auf öffentlich zugänglichen Internetseiten und sind in der überwiegenden Mehrzahl Klassiker bzw. vor 1923 entstandene Literatur, bei denen das Copyright ausgelaufen ist.

Der Gegenspieler: ein Gerät, viele Formate

Die Alternative heißt "offenes Gerät" – ein E-Reader, der mit möglichst vielen E-Buch-Dateiformaten (wie ePUB und MOBI) klarkommt und auf dem der Leser daher elektronische Bücher verschiedener Anbieter nutzen kann. Das bedeutet nicht, dass die Anbieter elektronischer Literatur auf einen Kopierschutz verzichten; allerdings ist das letzte Wort auf dem deutschen Markt hier noch nicht gesprochen. Offene Geräte sind zum Beispiel der "OYO" oder auch der "LumiRead" – aber natürlich zielen die Verkäufer auch hier darauf, die Leser in ihre eigenen E-Book-Shops zu locken. Bei Libri gibt es aktuell 380.000 E-Books, bei Thalia stehen mehrere hunderttausend Bücher bereit – das ist schon eine ernstzunehmende Konkurrenz für Amazon, das für den "Kindle" derzeit 800.000 Titel anbietet.

Von amerikanischen Bücherpreisen können die deutschen Leser allerdings vorerst nur träumen: In den USA kosten die eBooks häufig weniger als zehn US-Dollar. Hierzulande sind die elektronischen Bücher zumeist nur etwa ein bis vier Euro günstiger als die gedruckten Ausgaben. So kostet das eBook von Juliane Koepckes "Als ich vom Himmel fiel" den vom Verlag festgesetzten Preis von 15,99 Euro, die gebundene Ausgabe 19,95 Euro. Kleiner Trost: Immerhin kann sich der "Kindle"-Nutzer jede Menge günstiger englischer Bücher auf sein Gerät laden – für diese gilt keine Buchpreisbindung.

Der nächste mächtige Konkurrent ist schon da?

Es gibt aber auch Stimmen, die den E-Readern gar keine so großen Chancen einräumen wie der deutsche Buchhandel, der in den nächsten Jahren einen Marktanteil von bis zu 15 Prozent für die E-Books erwartet. Das liegt vor allem daran, dass der potenzielle Nachfolger der E-Reader schon in den Startblöcken sitzt: Tablets wie das iPad dürften den reinen Lesegeräten auf lange Sicht die Position streitig machen – denn sie können viel mehr als nur Bücher anzeigen: Mit ihnen kann man Musik hören, im Internet surfen, E-Mails lesen und Filme anschauen... Noch sind sie ihrerseits am Beginn der Entwicklung, E-Reader-Fans geißeln sie unter anderem als zu schwer und die Displays als nicht schmöker-tauglich. Und noch sind sie auch zu teuer – das iPad etwa bekommt man ab 500 Euro, einen "gut" getesteten E-Reader bereits für weniger als 200 Euro. Doch es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann die Alleskönner zu echten Konkurrenten der E-Reader werden – wer dann bei den Nutzern die Nase vorn hat, wird sich zeigen.

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