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Digitale Fotografie

Wie viel Kamera darf’s denn sein?

29.11.2010
Von Sandra Petrowitz
Wer eine Digitalkamera kaufen möchte, steht vor einer unüberschaubaren Modellvielfalt und einem Durcheinander an technischen Daten. Glaubt man den Herstellern, dann ist alles, was die Kameras in sich tragen, sinnvoll – und wert, dafür Geld auszugeben. Wer weiß, was er tatsächlich braucht, ist den Werbesprüchen nicht länger ausgeliefert und entscheidet selbst, wie viel Kamera für wie viel Geld er haben möchte.
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Vorsicht! Der Megapixel-Wahn, der inzwischen 14 Millionen Pixel auf einen Winz-Sensor von der Größe eines Daumennagels presst, führt nicht automatisch zu besseren Bildern – ganz im Gegenteil. Mit der Pixelzahl steigt in aller Regel auch das Bildrauschen erheblich an. Diese hässlichen Abbildungsfehler treten vor allem bei großen Pixeldichten (viele Megapixel) und hohen Empfindlichkeiten (hohe ISO-Zahlen) auf und werden daher in den meisten Kameras auf elektronische Weise gleich wieder entfernt. Doch auch das hinterlässt sichtbare Spuren. Sieben bis acht Megapixel reichen in einer Kompaktkamera für die meisten Zwecke völlig aus.

Einige Kameraproduzenten haben die Zeichen der Zeit übrigens erkannt. Canon etwa bietet seine Top-Kompakten jetzt wieder mit weniger Megapixeln an: Hatte die PowerShot G10 noch fast 15 Megapixel, sind es bei der Nachfolgerin G11 und G12 nur noch 10 Megapixel. Und das zeigt Wirkung: Tests bescheinigen den Neuen ein deutlich besseres Rauschverhalten.
Gesichtserkennung

Schnappschüsse verbessern – das ist die Aufgabe der automatischen Gesichtserkennung, die immer mehr Kameras mitbringen. Der Apparat erkennt eines oder mehrere Gesichter im Bild und stimmt Schärfe und Belichtung automatisch darauf ab. Das funktioniert recht gut, und Schnappschuss-Fans werden sich über diese Erleichterung freuen. Mancher Hersteller treibt die Entwicklung noch weiter und lässt die Kamera entweder gar nicht auslösen, wenn der Fotografierte die Augen geschlossen hat, oder löst sie automatisch aus, wenn das Model lächelt – wer’s braucht.

Motiverkennung


Die automatische Motiverkennung geht noch einen Schritt weiter: Sie findet selbstständig heraus, welche Art von Motiv man aufnehmen will, und stellt die Kamera entsprechend ein. Im Prinzip erhält man bei den modernen Digitalkameras so etwas wie eine „intelligente Automatik“, der man viele Situationen getrost überlassen kann. Für den Anfang hilfreich, für fortgeschrittene Fotografen meist überflüssig.


Rote-Augen-Korrektur

Wenn man blitzt, bleibt es manchmal nicht aus, dass die Abgebildeten etwas von Angorakaninchen haben: die roten Augen nämlich. Wenn man das schon nicht vermeiden kann, sagten sich die Kamerahersteller, dann kann man es ja wenigstens hinterher gleich in der Kamera korrigieren. Genau das macht die Rote-Augen-Entfernung – nicht immer auf ganz perfekte Weise, aber für den Hausgebrauch ausreichend. Eine Alternative, die heutzutage viele Kameras mitbringen: der Vorblitz, der die roten Augen vermeiden soll. Er kostet allerdings etwas Zeit bei der Aufnahme und funktioniert auch nicht immer ganz überzeugend.

Bildstabilisatoren

Die Anti-Wackel-Einheiten sind ein Kapitel für sich. Die Stabilisatoren gleichen Bewegungen des Fotografen aus und vermeiden auf diese Weise verwackelte Bilder. So weit die Theorie. In der Praxis muss man unbedingt unterscheiden zwischen mechanischen Bildstabilisatoren (sie befinden sich im Objektiv oder in der Kamera) und elektronischen Bildstabilisatoren. Letztere sind eine Mogelpackung; sie stabilisieren nichts, sondern heben die Empfindlichkeit des Sensors so lange an, bis kurze Verschlusszeiten erreicht sind, die das Verwacklungsrisiko verhindern. Dies erkauft man sich aber mit deutlich schlechterer Bildqualität – weil das Bildrauschen mit der Empfindlichkeit vor allem bei Kompaktkameras schnell über erträgliche Maße hinaus ansteigt. Daher sollten Kamerakäufer explizit nach dem Typ des Bildstabilisators fragen und sich für einen mechanischen "Antiwackel" entscheiden.

Spiegelreflex ohne Spiegel?

Vor dem Hintergrund, dass mancher Kompaktkamera-Besitzer nach den ersten „Lehrjahren“ gern in eine höhere Kameraklasse aufsteigen würde, aber Gewicht und komplexe Bedienung der Spiegelreflexen (SLR) scheut, hat die Industrie jüngst etwas Neues geschaffen: Kameras, die nicht viel größer sind als eine Kompakte, aber einen deutlich größeren Sensor und Wechselobjektive haben – „eine Spiegelreflex ohne Spiegel“, wie es hieß. Die Apparate kommen konzeptuell und von der Bildqualität den Spiegelreflexen näher, ohne deren Ausmaße und Gewicht zu erreichen. Zahlreiche Automatiken erleichtern Ein- und Aufsteigern das Fotografieren. Erste Vertreterin des neuen „Micro Four Thirds“-Standards war die Panasonic Lumix G1, die inzwischen schon viele Nachfolger – und Konkurrentinnen – bekommen hat.

Das größte Problem der neuen Kameraklasse könnte allerdings der Preis sein, der deutlich über den Kosten für kompakte Kameras liegt. Dazu kommt: Die Hersteller der Spiegelreflexkameras indes stoßen inzwischen in Preissegmente vor, die bislang kompakten Digitalkameras vorbehalten waren. Eine Einsteiger-DSLR samt Objektiv gibt es schon für unter 400 Euro – da kosten viele spiegellose Systemkameras deutlich mehr.

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