Nachhaltig einrichten
Aus Alt mach Neu
14.10.2010
Von Helga Riedel
Ob Shabby Chic oder avangardistisches Öko-Design – Möbel-Recycling entlastet nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die persönliche Umweltbilanz. Die interessantesten Trends und aktuelle Buchbeispiele zum Weiterschmökern.

Duschen in einer der ausrangierten gelben Telefonzellen, eine chromblitzende Empfangstheke, die einst die Triebwerkabdeckung einer Boeing 747 war, oder wunderschöne Vasen gefertigt aus Glaszylindern und alten Büchern – zwar werden die teils spektakulären, teils witzigen Recycling-Entwürfe junger Designer kaum in Serienproduktion gehen, aber sie sind die Trendsetter eines Bewusstseinswandels.
Die Themen Nachhaltigkeit und Ökologie sind auch in der Möbelbranche angekommen. Auf den Messen in Mailand und Köln nimmt die Zahl der Anbieter schadstofffreier Möbel stetig zu, aber auch die der Designer, die völlig neue Wege gehen.
Mit einer Aufsehen erregenden Installation präsentierte sich beispielsweise die Firma Zweitsinn auf der deutschen Einrichtungsschau. Über einem riesigen Müllcontainer schwebten da an Stahlseilen befestigte Altmöbel, während sich im Inneren das Ergebnis ihrer Metamorphose besichtigen ließ: höchst originelle Designer-Möbel bei deren Herstellung im Vergleich zu Neumöbeln innerhalb eines Jahres 32.850 Kilogramm CO2 eingespart wurden ebenso wie die Entsorgung ihres Rohstoffes.
Schadstoffgeprüfte Unikate
Allein in Deutschland wandern Jahr für Jahr sieben Millionen Tonnen Einrichtungsgegenstände vom Aktenschrank bis zum Zahnarztstuhl auf den Sperrmüll. Kaum zu glauben, dass das alles unbrauchbar sein soll. Das sagten sich auch Studenten der Uni Dortmund, die an der Entwicklung eines Gerätes zum Nachweis von Formaldehyd in Möbeln beteiligt waren, und gründeten die Firma Ecomoebel, eine Online-Plattform für den Verkauf von schadstoffgeprüften und aufgearbeiteten Gebrauchtmöbeln. Neben klassisch restaurierten Landhausmöbeln finden sich da bunte Kindermöbel und künstlerisch bemalte Schränke und Kommoden aller Stilrichtungen – jedes Stück ein Unikat.
Individualität ist denn auch ein weiterer Pluspunkt des neuen „grünen“ Einrichtungsstils. Da wird entspannt modernes Design mit Erbstücken, Perfektion mit dem Charme sichtbarer Gebrauchsspuren gemixt. Die einzige Bedingung dabei ist ein sinnvoller, nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten, das einzige Stilkriterium der eigene Geschmack.
Gerade auch wenn das Budget für die erste eigene Wohnung nicht so üppig bemessen ist, kann man sich der weltweiten Ikeaisierung widersetzen: mit Möbeln, die keine Namen haben, aber eine Geschichte seien es Fundstücke vom Dachboden, Flohmarktschnäppchen, ererbte Antiquitäten oder ersteigerte Raritäten.
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