In den rund 20 Millionen Privatgärten Deutschlands wird nun wieder gesät, gepflanzt, der Rasen vertikutiert und Unkraut gezupft - und das offenbar mit zunehmender Leidenschaft. Denn der Markt rund ums Thema Garten boomt von der explosionsartig steigenden Zahl an Gartenmessen und -festivals bis zum Interesse an immer ausgefalleneren Pflanzen.
Ein noch beredteres Zeugnis für den Trend liefert die Gartenszene, die sich weniger sichtbar, doch genauso schnell im Windschatten des kommerziellen Erfolges entwickelt hat: ein grünes Netzwerk, das den Erfahrungsschatz jahrzehntelangen Gärtnerns, Fachwissen, Ideen und Anregungen in Hülle und Fülle jedem zugänglich macht.
Internetforen und Weblogs
Wie wichtig der Erfahrungsaustausch für Hobbygärtner ist, lässt sich an der Vielzahl der Internetforen und Weblogs zum Thema und ihrem regen Besuch ablesen. Im Forum der Zeitschrift
Mein schöner Garten beispielsweise sind mittlerweile fast 1.766.000 Beiträge (Stand April 2008) archiviert. Die übersichtliche Einteilung in elf Rubriken mit jeweils weiter differenzierten Sachgebieten erleichtert das Schmökern und auch die Suche nach den richtigen Gesprächspartnern zum Fachsimpeln. Weitere große Foren bieten etwa die Redaktionen von
Flora und
Kraut & Rüben, das Informationsportal
Hausgarten.net oder die private Website
Green-24.de.
Wer darüber hinaus den Rat ausgewiesener Fachleute sucht, wird auf den Marktplätzen der Meinungen ebenfalls fündig. Im Garten-Forum der Zeitschrift
Das Haus zum Beispiel verrät TV-Gärtner John Langley seine Tipps und Tricks, der
Experten-Blog von Mein schöner Garten wartet gleich mit fünf Ansprechpartnern auf.
Fundiertes Fachwissen findet man aber auch in den kleineren, auf ein Thema spezialisierten Foren von
Agapanthus bis
Wassergarten. Die meisten von ihnen werden von privaten Liebhabern und Sammlern betrieben, andere von Vereinen wie der
Deutschen Kameliengesellschaft, der
Europäischen Bambusgesellschaft oder der
Gesellschaft der Staudenfreunde e.V..
Pflanzenbörsen
Hobbygärtner geben jedoch nicht nur Wissen und Erfahrung weiter, sondern über sogenannte Pflanzen(tausch)börsen auch so manchen Schatz aus ihren Gärten. Angeboten werden die Pflanzen und Samen zum einen per - oft kostenloser - Kleinanzeige in Gartenzeitschriften und auf deren Websites, zum anderen auf Pflanzentauschmärkten. Da bei vielen Arten in einer Packung viel zu viele Samen für einen normalen Privatgarten sind, Stauden von Zeit zu Zeit geteilt werden müssen, Zwiebeln sich vermehren, fallen immer überzählige Pflanzen an. Statt sie auf den Kompost zu werfen, kann man sie so als Gärtner-Währung verwenden.
Tausche Tomate gegen Paprika, Funkie gegen Storchschnabel ist ein System, das sich offenbar bestens bewährt., denn die Zahl der Pflanzentauschbörsen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Veranstaltet werden sie von Kleingartenvereinen, Botanischen Gärten, Gartenbaugesellschaften, aber auch Stadtverwaltungen und Kirchengemeinden oder im Rahmen von Festen und Flohmärkten. Die Termine dafür findet man in der Lokalpresse und im Internet.
Offene Gartenpforte
Schon seit Jahrzehnten pilgern Gartenenthusiasten nach England, denn dort wurde in den 20er Jahren eine geniale Idee geboren. Um den sozialen Pflegedienst Queen’s Nursing Institute zu unterstützen, sollten Besitzer besonders schöner Gärten für a shilling a head Besuchern ihre Pforten öffnen. Mehr als 600 Hobbygärtner folgten dem Aufruf und sammelten damit die damals ungeheure Summe von 8.000 Pfund.
Inzwischen kann man auf der britischen Insel rund 4.000 Privatgärten besuchen und mit manchem Besitzer bei einer Tasse Tee über Pflanzenkombinationen, Rosenschnitt oder die Vorzüge von Pferdeäpfeln als Dünger fachsimpeln. Rund 12 Millionen Besucher lassen sich Jahr für Jahr diese Chance nicht entgehen.
In Deutschland dagegen musste man sich lange Zeit mit dem heimlichen Blick über Gartenzäune begnügen. Erst 1990 startete die Stadt Hannover die Aktion Offene Gartenpforte. Etwas zeitverzögert, aber dann umso zahlreicher folgten andere Städte, Gemeinden und Regionen dem Vorbild. Ob Quer durch die Beete, Über die Mauer geschaut oder In Nachbars Garten - Ziel all dieser Initiativen ist es, schöne Privatgärten als Inspirationsquelle und Raum für Begegnung und Austausch allen Interessierten zugänglich zu machen.
Dies entspricht offenbar einem tiefen Bedürfnis der Gartenliebhaber, denn die Zahl der Aktionen, der Teilnehmer und der Besucher wächst rasant. Die Gartenzeitschrift Flora und der Eugen Ulmer Verlag haben es sich inzwischen zur Aufgabe gemacht, unter dem Begriff Offene Pforte all diese Einzelinitiativen zu bündeln und die Adressen in einer zentralen Datenbank (
www.ulmer.de) zu sammeln. Hier kann man seinen eigenen Garten eintragen und so Besuchern öffnen oder unter mittlerweile ca. 1.500 privaten und öffentlichen Gärten nach Adressen entlang der nächsten Reiseroute suchen.