Steinschlag
Scheibe tauschen oder reparieren?
25.01.2012
Von Anja Lang
Ein Steinschlag auf der Scheibe ist schnell passiert und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn die Scheibe zählt zu den tragenden Karosserieteilen des Autos. Selbst eine kleine Beschädigung kann die Festigkeit beeinträchtigen. Doch nicht immer muss gleich die komplette Scheibe gewechselt werden. Hier wann repariert werden kann, wann ein Austausch vorgenommen werden muss und welche Kosten die Versicherung übernimmt.
Sportwagen-Besitzer mit flacher Frontscheibe sind besonders häufig betroffen, aber auch die meisten anderen Autofahrer können ein Lied davon singen. Dann nämlich, wenn bei hohen Geschwindigkeiten ein vom Vordermann aufgewirbeltes Steinchen mit großer Wucht und lautem Knall auf die Scheibe trifft. Je nach Größe und Richtung des Steins entstehen dabei unterschiedliche Schäden. Lage, Größe und Ausmaß des Steinschlages entscheiden dann darüber, ob die Scheibe noch repariert werden kann oder aber komplett ausgetauscht werden muss.
Verfahren stammt aus den USA
Das Glasreparaturverfahren stammt ursprünglich aus den USA und wurde in langer Prüfung noch zu DM-Zeiten auch in Deutschland zugelassen. Inzwischen gibt es eine große Anzahl an Firmen, die eine Autoglasreparatur anbieten. Am bekanntesten ist „Carglass“, der Marktführer auf diesem Gebiet. Die Technik wurde im Lauf der Jahre immer weiter verfeinert. Grundsätzlich arbeiten alle Anbieter aber nach einem ähnlichen Prinzip: Zuerst wird die Schadstelle gereinigt und eine Art Glocke aufgesetzt. Damit wird Druck erzeugt, um Schmutz und Lufteinschlüsse zu entfernen. Anschließend wird dann ein spezielles Reparaturharz bis in die feinsten Verästelungen der Stelle transportiert. UV-Licht härtet das Harz aus und sorgt für eine endgültige Versiegelung. Die meisten Hersteller geben auf die Reparatur eine langjährige Garantie.
Reparatur in der Regel kostenlos
Wer eine Teilkasko besitzt, ist fein raus, denn in den meisten Fällen übernehmen die Versicherungen die Kosten für die Reparatur komplett. Die Selbstbeteiligung entfällt und auch eine Hochstufung muss man nicht befürchten. Viele Anbieter kümmern sich sogar selbst um die Kostenabwicklung und rechnen direkt mit den Versicherungen ab. Trotzdem sollte man immer nachfragen, ob die Kostenübernahme auch für die eigene Versicherung gilt. Das gilt vor allem auch für Fahrer, die einen Vertrag mit Werkstattbindung besitzen. Hier darf nicht überall repariert werden. Im Ernstfall bleibt man sonst auf rund 100 Euro sitzen. Soviel kostet nämlich die Reparatur, wenn man keine Teilkasko besitzt oder die Versicherung aus anderen Gründen nicht zahlt.
Im Fahrersichtfeld keine Reparatur möglich
Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Steinschläge lassen sich flicken. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen eine Reparatur nicht möglich ist oder sogar vom Gesetzgeber verboten wird. So darf zum Beispiel, nicht repariert werden, wenn sich der Schaden in im direkten Sichtfeld des Fahrers befindet. Gemeint ist dabei ein Radius von etwa 30 Zentimetern um die Mitte des Lenkrades herum, was in etwa der Fläche eines DIN A4-Blattes entspricht. Repariert werden kann auch nicht, wenn das Loch zu nah am Glasrand ist. Es muss mindestens zehn Zentimeter Abstand zu allen Seitenkanten haben. Auch darf der Schaden nicht größer als ein Zwei-Euro-Stück sein. Geht vom Steinschlag aus bereits ein Riss durch die Scheibe, ist eine Reparatur aus Sicherheitsgründen ebenfalls nicht mehr möglich. In all diesen Fällen muss die Scheibe ersetzt werden. Das gilt übrigens auch für Schäden an der Heck- oder Seitenscheiben. Diese können gar nicht repariert werden.
Was kostet ein Scheibentausch?
Muss eine neue Scheibe eingesetzt werden wird’s teuer. Je nach Modell, Größe und Ausfertigung kommen gleich mehrere hundert Euro zusammen. Allerdings greift auch hier in der Regel die Teilkasko, wenn Glasschäden abgedeckt sind. Die Kosten werden dann von der jeweiligen Gesellschaft übernommen und man bleibt „nur“ noch auf der gewählten Selbstbeteiligung „sitzen“. Meist sind das 150 Euro.
Schnell handeln und Kosten sparen
Hat man einen Steinschlag entdeckt, sollte man also möglichst schnell handeln. Zum einen kann Schmutz in das Loch eindringen und eine Reparatur erschweren. Zum anderen kann sich ein Riss bilden und die „kostenlose“ Reparatur nicht mehr möglich sein. Aber schlimmer noch, bei einem Unfall kann die beschädigte Scheibe reißen, was fatale Folgen haben kann. Denn die Scheibe trägt rund 30 Prozent der Karosserie.