Von der Pfanne in den Tank
Dieselmotoren können auch mit Pflanzenöl fahren. Pflanzenöl ist ebenfalls nahezu CO2-neutral. Das Fahrzeug muss dazu allerdings vorher technisch umgerüstet werden. Die komplette Umrüstung inklusive Einbau kostet in der Werkstatt etwa zwischen 1.500 Euro und 5.000 Euro. Bausätze zum Selbsteinbau sind im Internet aber auch schon wesentlich günstiger – etwa ab 600 Euro - zu bekommen. Eignen sich jedoch eher für Schrauber-Profis. „Problematisch ist, dass bislang kein Fahrzeughersteller eine Freigabe für den Pflanzenöl-Umbau erteilt hat“, erklärt Autoexperte Thiemel, „das kann zum Verlust von Garantie- und Kulanzansprüchen führen.“ Im Vorfeld sollte man deshalb unbedingt klären, inwieweit und in welchem Umfang eventuell die Umrüstfirma Garantieleistungen anbietet. Wer selbst einbaut, der trägt auch selbst das Risiko.
Der Preis für einen Liter Pflanzenöl liegt derzeit bei etwa 90 Cent. Der günstige Preis ergibt sich aus der Bevorzugung bei der Mineralölsteuer. Nach dem neuen Energiesteuergesetz vom 1. Januar 2008 jedoch, wird der Steuersatz auch für Pflanzenöl als Kraftstoff stufenweise nach oben angepasst. 2012 soll er dann endgültig bei 45 Cent liegen. Herkömmlicher Diesel wird derzeit mit 47 Cent besteuert. Ob sich die Kosten für einen Umbau hinsichtlich absehbar steigender Pflanzenöl-Preise lohnen, bleibt mehr als fraglich. Außerdem ist das Tankstellennetz mit bundesweit etwa 250 Stationen reichlich dünn. Informationen, wo Pflanzenöl-Tankstellen zu finden sind, gibt’s im Internet.
Alkoholiker schlucken viel!
Durch alkoholische Gärung von zucker- und stärkehaltigen Pflanzen und anschließender Destillation wird Bioethanol gewonnen. In Europa verwendet man dazu Getreide und zunehmend auch Zuckerrüben. In den USA ist es Mais, in Lateinamerika Zuckerrohr. Da aus Pflanzen gewonnen, gilt Bioethanol – je nach Herstellungsverfahren - als CO2-neutral. Grundsätzlich kann dieser Alternativ-Sprit mit einem normalen Benzin-Motor gefahren werden, unbeschadet allerdings nur bis zu einem Anteil von fünf Prozent. Dieser wird allerdings schon jetzt dem normalen Superbenzin beigemischt. Ein höherer Alkohol-Anteil im Benzin kann zu Schäden des Motors und des Kraftstoffsystems führen. Trotzdem soll bis Ende 2010 europaweit die Erhöhung des Anteils auf zehn Prozent durchgesetzt werden. Von Bioethanol-Kraftstoff spricht man bei einem Alkohol-Anteil im Benzin von 85 Prozent. Diese hochprozentige Mischung vertragen nur Fahrzeuge, deren Motor und Umfeld auf diesen Kraftstoff angepasst wurden. „Von einer Nachrüstung bestehender Fahrzeuge rät der ADAC in den meisten Fällen dringend ab, weil oft nur das Steuergerät umprogrammiert, auf einen Austausch der Teile, die keinen Bioethanol vertragen, aber verzichtet wird“, warnt Thiemel.
Neufahrzeuge, die Ethanol wirklich vertragen, bieten in Deutschland bisher nur wenige Fahrzeughersteller an. So zum Beispiel Ford, Saab, Volvo und Renault. Sie tragen meist die Bezeichnung Flexible Fuel Vehicle, kurz FFV. Der Mehrpreis gegenüber der Benzinversion beträgt je nach Hersteller und Modell zwischen 300 Euro und 1.400 Euro. Ein Liter Bioethanol kostet zurzeit etwa einen Euro. Da Ethanol aber einen um etwa 35 Prozent geringeren Energiegehalt als Benzin hat, muss man mit einem Mehrverbrauch von bis zu einem Drittel rechnen. „Rein kostentechnisch bringt Bio-Ethanol somit wenig Ersparnis,“ sagt Thiemel „hier steht mehr der Beitrag für die Umwelt im Vordergrund.“ Auch ist das Tankstellennetz noch dünn. Bundesweit wird an etwa 250 Tankstellen Bioethanol angeboten. Einen guten Überblick über Preise und Standorte findet man beim Institut der Regenerativen Energiewirtschaft (IWR).
BTL-Kraftstoffe – Sprit aus Pflanzenabfällen
Das Problem, das alle Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass durch die zunehmende Nutzung von Ackerflächen für die Kraftstoffproduktion, weniger Anbauflächen für Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Das verteuert die Preise für bestimmte Lebensmittel. So explodierten in Mexiko die Preise für Mais. Man sprach vom sogenannten Tortilla-Effekt. Aber auch hier in Deutschland warnen die Brauer vor einer Verteuerung des Bierpreises. Aufgrund von Subventionen ist es für die Bauern attraktiver, Raps statt Gerste anzubauen, was zu einer Verknappung des Getreides führt und den Preis in die Höhe treibt.
Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnten BTL-Kraftstoffe sein. BTL steht für Biomass to Liquid. Dabei wird aus Pflanzenresten wie Stroh und Holzschnitzel ein synthetischer Kraftstoff in flüssiger Form hergestellt. Dieser Kraftstoff kann genau auf die Anforderungen moderner Motorenkonzepte zugeschnitten werden. Zusätzliche Anbauflächen sind nicht nötig, da es sich um weiter verwendete Abfallprodukte handelt, die sowieso anfallen. Bislang ist das Ganze aber leider noch Zukunftsmusik. Die aktuell produzierenden Anlagen befinden sich noch im Forschungs- bzw. Pilotstadium.