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Fahrgemeinschaften

Gemeinsam fahren, getrennt sparen

30.04.2008
Von Klaus Justen
Fahrgemeinschaften kommen wieder in Mode - wie einst in den siebziger Jahren während der ersten Ölkrise. Bis zu mehrere tausend Euro lassen sich, je nach Zahl der Mitfahrer und Entfernung zum Arbeitsplatz, pro Jahr sparen. Das Internet hilft bei der Suche. Der Autohersteller Ford hat ein eigenes Portal ins Web gestellt. Auch steuerlich sind Fahrgemeinschaften kein großes Problem - wenn man einen groben Fehler nicht macht.
Fahrgemeinschaften Gemeinsam fahren, getrennt sparen

Alle Welt redet von Klimaschutz und vom CO2-Sparen. Millionen Pendlern treiben die Benzin-Preise jedoch den Schweiß auf die Stirn, denn sie belasten das Konto Monat für Monat mehr. Von den steigenden Benzinpreisen sind gut vier Millionen Arbeitnehmer besonders betroffen: Sie fahren jeden Tag mindestens 25 Kilometer, um an ihren Arbeitsplatz zu kommen - und abends wieder zurück. Für jeden dritten von ihnen summiert sich die Pendelei täglich auf mehr als 100 Kilometer. Meist sind sie dabei auf das Auto angewiesen, und das ist eine erhebliche Belastung für das Konto. Die Kürzung der Pendlerpauschale, die zusätzlich das Budget der Pendler belastet hatte, wurde zwar glücklicherweise wieder rückgängig gemacht. Trotzdem: Fahrgemeinschaften liegen wieder im Trend - vor allem für Arbeitnehmer mit festen Anfangs- und Feierabendzeiten.

Mitfahrer zu finden ist durch das Internet einfacher geworden. So betreibt der Autohersteller Ford das Portal Pendolaris, über das Interessenten Mitfahrgelegenheiten anbieten und suchen können. Das System sucht Mitfahrer innerhalb eines wählbaren maximalen Umkreises und zeigt Wohn- und Arbeitsort der Mitfahrer auf einer Landkarte an. Aber auch über bereits bestehende Angebote findet zusammen, was zusammengehört, um gemeinsam Fahrtkosten zu sparen.

Denn durch eine Fahrgemeinschaft kann man viel Geld sparen - je nach Entfernung bleibt jedem Mitglied am Monatsende schnell ein Hunderter oder mehr im Portemonnaie. Nicht zu vergessen die Umwelt, die weniger mit Abgasen belastet wird. Dieter Hinkelmann, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Ford-Werke: Die Bildung einer Fahrgemeinschaft verringert die CO2-Emissionen - je nach Anzahl der Mitfahrer - um mehr als 50 Prozent. Einen einfacheren und preiswerteren Beitrag zum Umweltschutz kann der Einzelne kaum leisten. Fahrgemeinschaften sind daher clever und zeitgemäß.

Was bei der Steuererklärung zu beachten ist

Steuerlich ist eine Fahrgemeinschaft kein großes Problem: Jedes Mitglied einer Fahrgemeinschaft kann die Kilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz als Werbungskosten absetzen, auch wenn er nur Beifahrer war. Pro einfachen Kilometer sind dies 0,30 Euro, die werden multipliziert mit der Zahl der Arbeitstage (220 bis 225).

"Am besten wechseln sich die Mitglieder ab, etwa wochenweise", rät der Steuerberater Martin Steffen aus Flensburg. Das hat mehrere Vorteile: Fährt immer der gleiche Autobesitzer und kassiert von den Mitfahrern Spritgeld, muss er das Geld im ungünstigsten Fall ab 256 Euro im Jahr als Nebeneinkommen versteuern. Zweiter Vorteil, der bei großen Distanzen von fast 100 Kilometern zum Tragen kommt: Wer nur Beifahrer ist, kann die Entfernungspauschale bis maximal 4.500 Euro im Jahr in Anspruch nehmen. Wer glaubhaft macht, das er tatsächlich selber gefahren ist, darf mehr von der Steuer absetzen.

Umwege, um Mitfahrer einzusammeln, zählen nicht bei der Pauschale, es gilt nur die direkte Verbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Steffen: "Nur wenn der Umweg die Fahrzeit deutlich verkürzt, erkennt das Finanzamt Mehr-Kilometer an."

Was ist bei einem Unfall?

Bei Fahrgemeinschaften sind alle über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Das gilt auch, wenn der Fahrer nicht den direkten Weg zur Firma zurücklegt, sondern auf Umwegen seine Mitfahrer einsammelt. Wer nach einem solchen Wegeunfall arbeitsunfähig wird, hat Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung.

Verschuldet der Fahrer den Unfall, tritt die Autohaftpflicht ein. Gibt es keinen Schuldigen, weil der Unfall durch ein unabwendbares Ereignis wie einen Reifenplatzer ausgelöst wurde oder der Verursacher flüchtete, steht niemand im Regen: Nach der Reform des Straßenverkehrsgesetzes 2002 muss auch dann die Autohaftpflicht zahlen. Eine Insassenunfallversicherung ist also völlig überflüssig.

Um Streitereien aus dem Weg zu gehen, rät der ADAC, dass sich alle Teilnehmer gegenseitig eine Haftungsverzichterklärung unterschreiben. Darin wird geregelt, dass niemand den Fahrer nach einem Unfall persönlich zur Kasse bittet - sondern nur soweit, wie dessen Versicherung eintritt.

So viel können Sie sparen - zwei Rechenbeispiele:

1. Gemeinsamer Startort, gemeinsames Ziel
Drei Kollegen, die im selben Ort wohnen, fahren abwechselnd zum Arbeitsplatz, der 40 Kilometer entfernt liegt. Bei 220 Arbeitstagen im Jahr und 9 Litern Verbrauch würde jeder für sich rund 2.200 Euro nur für Benzin ausgeben - der Betrag sinkt durch die Fahrgemeinschaft auf rund 800 Euro. Setzt man nicht nur das Benzingeld, sondern die gesamten Autokosten von 35 Cent pro Kilometer an, liegt die Ersparnis gar bei 4.200 Euro.

2. Vom Sammelpunkt zum gemeinsamen Ziel
Drei Kollegen, die an unterschiedlichen Orten wohnen, treffen sich an einem Parkplatz ungefähr in der Mitte - 15 Kilometer fährt jeder allein, 25 Kilometer ist man gemeinsam unterwegs. Die jährliche Tankrechnung halbiert sich nahezu auf 1.290 Euro; setzt man Kilometerkosten von 35 Cent an, bringen die ersparten 7.300 Kilometer rund 2.500 Euro weniger an jährlichen Ausgaben fürs Auto.

Kein Mitfahrer im Betrieb oder in der Nachbarschaft? Das Internet hilft bei der Suche:

  • Clever pendeln: Portal rund um Fahrgemeinschaften, Car-Sharing und Pendeln
  • Freerun: Börse für Pendler und Wochenendheimfahrer
  • Pendolaris: Portal von Ford, unter anderem mit Suchfunktion, aber auch Tools für die Berechnung der Kilometerpauschale
  • Pendlernetz: Bundesweite Suchdatenbank
  • Pendlerportal: Portal mit Suchdatenbanken für Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
 
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