Die Autoversicherer drehen an den Schadenfreiheits-Klassen: Wer lange unfallfrei fährt, kann jetzt bis auf die Rabattstufe 20 Prozent herunter kommen. Aber nicht für alle wird das neue System billiger sein.
Älter werden ist nicht immer schön. Bei der Autoversicherung schon, vor allem, wenn man über viele Jahre keinen Unfallschaden bei der Versicherung regulieren ließ. Nach 25 unfallfreien Jahren und der erreichten SF-Klasse 25 wirkt sich das wunderbar auf die jährliche Versicherungsrechnung aus: Nur noch 30 Prozent der Basisprämie sind fällig.
Mit Allianz und Huk Coburg drehen jetzt zwei Platzhirsche der Branche an diesem System: So führt die Huk zum 1. Januar 2012 eine neue Rabattstaffel ein, die nicht mehr bei SF25 und 30 Prozent endet. Künftig gibt es bei der Huk in SF25 einen Prämiensatz von 24 Prozent, der schließlich bis SF35 auf 20 Prozent sinkt. Das gilt für Haftpflicht wie Vollkasko.
Änderungen im oberen SF-Klassen-Bereich
In der Malus-Klasse M der Haftpflicht, in die ein Autofahrer nach mehreren von der Versicherung regulierten Unfällen zurückgestuft wird, berechnet sich der jährlich zu zahlende Betrag künftig mit 135 Prozent der Basisprämie, nach dem alten System liegt dieser bei 245 Prozent.
Auch bei Fahranfängern, die ihr erstes eigenes Auto versichern, gibt es Änderungen: In der Klasse null rutscht der Beitragssatz von 230 auf 95 Prozent, in der Klasse ½ von 140 auf 75 Prozent. „Durch die niedrigeren Beitragssätze insbesondere für junge Fahranfänger berücksichtigt die neue Staffel, dass das höhere Unfallrisiko der Anfänger mittlerweile auch durch das Merkmal des Fahreralters erfasst wird“, heißt es dazu von der Huk.
Vergleichbare Änderungen gibt es auch in der Vollkaskoversicherung. Reichte die Spanne vom teuersten bis zum günstigsten Beitrag bisher von 160 Prozent in der Klasse M bis 30 Prozent ab SF-Klasse 22, so liegt der Beitragssatz künftig in Klasse M bei 85 Prozent und sinkt auf 20 Prozent in der SF-Klasse 35.
Fahranfänger und "alte Hasen" profitieren
Vor allem für Fahranfänger, aber auch für langjährige Autofahrer bringt das System also Vorteile. Immerhin ist nach Angaben der Versicherer bereits jeder vierte Autofahrer in der besten SF-Klasse 25 angekommen. Wer davon jetzt in SF35 eingestuft wird, darf mit einer um zehn Prozentpunkte sinkenden Beitragsrechnung und einem Drittel weniger Prämie kalkulieren.
Aber: Beim Versicherungsvergleich heißt es nun, noch genauer hinzuschauen. Denn während verschiedene Versicherer die neue Rabattstaffel einsetzen, bleiben viele erst einmal beim alten System. Und nicht in jedem Einzelfall ist es günstiger, sich einen Versicherer mit dem neuen Rabattsystem auszusuchen. So rechnet die Huk Coburg selber vor: „In der SF-Klasse 1 liegt der Beitrag in der neuen Staffel bei gleichem Beitragsniveau um rund 19 Prozent unter dem in der alten Staffel. Für Autofahrer in der SF-Klasse 10 dagegen liegt der Beitrag in der neuen Staffel um rund acht Prozent über demjenigen in der alten Staffel.“
Schon bislang zahlte man für einen teuren Tarif anderthalb mal soviel wie für einen besonders günstigen. Dies belegt der
Biallo-Versicherungsrechner. Künftig kommt durch die unterschiedlichen Rabattstaffeln eine weitere Komponente hinzu: So kann ein an und für sich teurerer Versicherer gerade für Fahranfänger in den oberen Klassen günstiger sein, weil es mehr Rabatt auf die Basisprämie gibt. Umgekehrt lohnt es sich nicht unbedingt, auf die neue Rabattklasse mit 20 Prozent zu schielen, wenn es einen günstigen Anbieter gibt, der „nur“ bis 30 Prozent geht. Kleines Rechenbeispiel: Bei einer Basisprämie von 1.400 Euro zahlt man in der neuen SF-Klasse 35 und 20 Prozent Beitragssatz immer noch 280 Euro. Bei einem günstigen Anbieter mit 800 Euro Basisprämie sind es beim alten System und 30 Prozent nur 240 Euro im Jahr.