Von Tim Stockschläger, 13.04.2018

Altersvorsorge Welche Riester-Form passt zu mir?

Banksparplan, Rentenversicherung, Fondssparplan oder Wohnriester? Wer "riestern" möchte, steht vor der Qual der Wahl. Riester-Formen im Überblick.
Altersvorsorge Welche Riester-Form passt zu mir?

Nicht jede Riester-Form ist f√ľr jeden geeignet.

Es gibt viele unterschiedliche Riester-Vertragsarten. Sie sollten den Vertrag wählen, der am besten zu Ihrer Lebensplanung passt. In jungen Jahren ist es leicht, risikoreicher zu sparen, als kurz vor dem Renteneintritt. Das ist besonders heute in Zeiten extrem niedriger Zinsen relevant. Sie planen, ein Haus zu bauen? Dann ist Wohn-Riestern vielleicht genau der richtige Vertrag. Besonders relevant sind diese vier Varianten:

Riester-Banksparplan

Der Riester-Banksparplan ist ein einfaches und sicheres Riester-Produkt. Leider ist er derzeit auch wenig ertragreich. Aufgrund der niedrigen Zinsen bieten außerdem zunehmend weniger Banken diesen Riester-Vertrag an. Der Zins ist an den Referenzzinssatz gekoppelt, der seit einiger Zeit extrem niedrig liegt.

Die meisten Anbieter verwenden entweder die "Umlaufrendite” oder den "gleitenden Referenzzins". Die Umlaufrendite reagiert dabei schneller auf sich ver√§ndernde Zinss√§tze. Das kann sich positiv oder negativ auswirken: Steigen die Zinss√§tze, profitieren Sie auch sehr schnell davon. Bei fallenden Zinsen sind Sparer wiederum im Nachteil. F√ľr risikoscheue Personen ist dies ein sicherer Vertrag, allerdings ohne das Potenzial auf eine kr√§ftige Wertsteigerung.

Daf√ľr geh√∂ren Riester-Banksparpl√§ne zu den g√ľnstigen Produkten. Es fallen in der Regel keine oder geringere Abschlusskosten an. So lohnt sich der Banksparplan auch noch wenige Jahre vor der Rente. Mit Rentenbeginn werden Banksparpl√§ne in eine Rentenversicherung umgewandelt, so dass Sie eine lebenslange Rente erhalten. F√ľr diese Versicherung fallen allerdings Kosten an.

Fondssparplan

Der Fondssparplan ist besonders f√ľr j√ľngere Leute interessant, die noch viele Jahre in den Vertrag einzahlen. Der Anbieter investiert die Einzahlungen in Aktien und Anleihen. Diese bieten deutlich h√∂here Renditechancen. Gleichzeitig ist die Rendite allerdings nicht planbar und von vornherein v√∂llig unbekannt. Das f√ľhrt zu einem deutlich h√∂heren Risiko. Im Laufe der Ansparphase bewegen sich die Kurse auf und ab. Sie bekommen √ľber all die Jahre also einen durchschnittlichen Kurs und investieren nicht nur zu einem festen Zeitpunkt.

Dieser Durchschnittskosten-Effekt ist eines der Erfolgsrezepte von Sparpl√§nen. In der Vergangenheit erzielten Wertpapiere √ľber einen langen Zeitraum meist positive Renditen. Trotzdem besteht die theoretische M√∂glichkeit einer negativen Entwicklung. Das sollte Ihnen bewusst sein. Alles verlieren k√∂nnen Sie dabei nicht. Denn mit Auszahlungsbeginn m√ľssen Anbieter s√§mtliche Einzahlungen und die staatlichen Zulagen garantieren. Im Zweifel fehlt also nur die Rendite.

Riester-Rentenversicherung

Die Riester-Rentenversicherung z√§hlt zu den klassischen Vertr√§gen. Der Versicherer √ľbernimmt die Anlage der Gelder und sichert von vornherein einen festen Zins √ľber die gesamte Laufzeit zu, den Garantiezins. Der H√∂chstsatz wird vom Staat vorgegeben und liegt seit 2017 bei nur noch 0,9 Prozent.

Die Anbieter d√ľrfen diesen Zins nach unten unterschreiten, aber keine h√∂heren Versprechungen machen. Der Staat will damit die Versicherer zur Zur√ľckhaltung dr√§ngen, damit die Gelder sicher angelegt werden. Der Garantiezins ist also eine Art Sicherheitsnetz. Die Rendite kann (zum Rentenbeginn) den Garantiezins jedoch deutlich √ľbersteigen, wenn die Anlage der Gelder sehr erfolgreich gewesen ist. Anbieter d√ľrfen aber eben maximal den Garantiezins fest zusichern.

Dabei gilt es jedoch einiges zu beachten: Der Garantiezins z√§hlt nur auf einen Teil der monatlichen Sparrate und auch die Kosten sind hier noch nicht ber√ľcksichtigt. Die tats√§chliche Rendite zum Rentenbeginn kann also theoretisch aufgrund der Kosten unter dem zugesicherten Zins liegen. Das verw√§ssert den Begriff Garantiezins etwas. In der Realit√§t ist der Garantiezins daher nur begrenzt aussagekr√§ftig. Sie sollten sich nicht nur auf diesen Wert st√ľtzen.¬†
Tipp: Riester-Rentenversicherungen gibt es auch auf Fonds-Basis. Dann gilt der Garantiezins zwar nicht, aber es gibt eine Chance auf mehr Rendite. Lesen sie hier, warum sich Riestern mit Fonds lohnen kann.

Wohn-Riester

Bei Wohn-Riester (auch Eigenheimrente genannt) haben Sie die M√∂glichkeit, die staatlichen Riester-Zulagen mit Riester-Bausparvertr√§gen und Riester-Immobiliendarlehen zu nutzen. Alternativ k√∂nnen Mittel aus bestehenden Riester-Vertr√§gen entnommen werden, wenn diese f√ľr den Erwerb eines Eigenheimes genutzt werden. Das kann dabei sowohl ein Haus aber auch eine Wohnung sein.

Im Gegensatz zu den anderen genannten Riester-Produkten erhalten Verbraucher in der Rentenzeit allerdings keine oder geringe Zahlungen, k√∂nnen daf√ľr jedoch mietfrei wohnen. Das ist der gro√üe Unterschied beim Wohn-Riester. Die √ľbrigen Vertr√§ge unterliegen zur Rentenzeit der Besteuerung. Um diesen Unterschied auszugleichen, unterliegen auch Wohn-Riestern einer nachgelagerten Besteuerung. Sie m√ľssen also die Steuern zahlen, ohne dabei ein Einkommen aus dem Riester-Vertrag zu haben.

Vorsicht: Wenn die gef√∂rderte Immobilie sp√§ter verkauft oder vermietet wird. Hier kann es zu hohen R√ľckforderungen der staatlichen Zulage kommen.
Gesamten Vergleich anzeigenBaugeld Betrag: 200.000 €, Laufzeit: 15 Jahre
  Anbieter gebundener
Sollzins
eff. Zins
 
1.
1,44%
1,45%
2.
1,47%
1,48%
3.
1,57%
1,60%
maxGesTab=
Datenstand: 21.04.2018
Sämtliche Angaben ohne Gewähr

Riestern gilt als zu teuer

Die Kosten sind der gr√∂√üte Kritikpunkt an nahezu allen Riester-Vertr√§gen. Die Verbraucherzentrale fordert sogar vom Staat ein "kosteneffizientes Basisprodukt f√ľr die Altersvorsorge.”

Der Online-Anbieter Fairr.de versucht, die L√ľcke zu f√ľllen, und verspricht g√ľnstige Riester-Vertr√§ge. Sina Szpitalny von Fairr.de erkl√§rt: [Wir verzichten] "auf jegliche Extrakosten wie Abschlussprovisionen oder Ausgabeaufschl√§ge". Nach eigenen Angaben ist Fairr.de der einzige Anbieter, "der eine private Altersvorsorge mit Fondssparpl√§nen anbietet, die in renditestarke und kosteng√ľnstige ETFs investieren".

Tipp: Lesen Sie hier, welche Vorteile ETFs bringen.

Zulagen f√ľr Riester-Sparer

Das wohl wichtigste Argument f√ľr die Riester-Vertr√§ge sind die umfangreichen Zulagen vom Staat. Der Staat unterst√ľtzt Sie finanziell beim Sparen f√ľr die Rente. Als Grundzulage erh√§lt jeder Sparer 175 Euro pro Jahr, sofern er die Mindestsparrate einzahlt.¬† F√ľr jedes Kind, das vor 2008 geboren ist, schenkt der Staat immerhin j√§hrlich 185 Euro. Die Kinderzulage betr√§gt sogar 300 Euro j√§hrlich f√ľr alle Kinder, die nach 2008 geboren sind. Die Kinderzulage erhalten Sie, solange Sie mindestens einen Monat im Jahr Kindergeld erhalten.

Um in den Genuss der F√∂rderung zu kommen, gilt es ein paar Punkte zu beachten. Die Mindestsparrate betr√§gt vier Prozent des Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr oder maximal 2.100 Euro. Angerechnet werden hierbei aber die Zulagen. Ein h√∂herer Betrag ist immer m√∂glich. Der Gesetzgeber sieht auch eine absolute Untergrenze vor, so m√ľssen mindestens 60 Euro pro Jahr eingezahlt werden. Wird die vorgesehene Mindestsparrate nicht erreicht, k√ľrzt sich auch die staatliche F√∂rderung.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat 2017 35.000 Euro verdient. In seinen Riester-Vertrag m√ľssen mindestens 1.400 Euro (vier Prozent vom Brutto) flie√üen. Er erh√§lt seine Grundzulage (175 Euro) sowie eine Kinderzulage f√ľr seine dreij√§hrige Tochter (300 Euro). Somit muss er tats√§chlich 925 Euro im Jahr in seinen Vertrag einzahlen, also rund 77 Euro¬† im Monat.

Pluspunkt Sicherheit

Riester-Vertr√§ge bieten ein hohes Ma√ü an Sicherheit. Die staatlichen Vorgaben und Regulierungen der Vertr√§ge sorgen daf√ľr, dass die Einzahlungen im Alter auch sicher auf Ihrem Konto landen. Die Vertr√§ge sind auch vor der Anrechnung auf Arbeitslosengeld II (Hartz 4) gesch√ľtzt. Ein Unterschied zu klassischen (Fond-)Sparpl√§nen etwa, die immer √∂fter als Alternative zu Riester-Produkten empfohlen werden.

Riester und Steuern

F√ľr einen Riester-Vertrag k√∂nnen Sie in der Steuererkl√§rung zus√§tzlich bis zu 2.100 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Das Finanzamt √ľberpr√ľft von sich aus, was f√ľr Sie pers√∂nlich besser ist: die Riester-Zulagen oder der Sonderausgabenabzug. Der Sonderausgabenabzug wird insbesondere bei einem h√∂heren Einkommen interessant.

Tipp: Lesen Sie hier, wie Sie verschiedene Formen privater Altersvorsorge versteuern m√ľssen.
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