Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 27.11.2017

Altersvorsorge Betriebsrente ab 2018 attraktiver

Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge. Doch viele nutzen ihn nicht. Mehrere Gesetzesänderungen sollen das ändern und die Betriebsrente attraktiver machen.
Altersvorsorge Betriebsrente ab 2018 attraktiver

Arbeitnehmer können sich über verbesserte Bedingungen bei der Betriebsrente freuen.

Per Betriebsrente für das Alter vorszusorgen, steht jedem Arbeitnehmer offen. Wenn der Arbeitgeber keine andere Vorsorgeform anbietet, haben Arbeitnehmer Anspruch darauf, dass der Betrieb für sie Teile ihres Bruttolohns in eine sogenannte Direktversicherung einzahlt. Auf diesen Teil des Lohns fallen innerhalb bestimmter Grenzen zunächst keine Sozialversicherungsbeiträge und keine Steuern an. Davon profitiert nicht nur der Arbeitnehmer.

Auch der Arbeitgeber spart seinen Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen. Für Arbeitnehmer rechnet sich das Ganze nur, wenn der Chef zumindest das, was er einspart, als Zuschuss in die Altersvorsorge einzahlt. Das konnte er bisher tun – musste er aber nicht.

Arbeitgeber muss sich an der Betriebsrente beteiligen

Künftig ist er verpflichtet, auf die in Altersvorsorge umgewandelten Entgeltteile mindestens einen Zuschuss von 15 Prozent zu zahlen. Soweit es darüber für die jeweilige Branche zwischen Arbeitgeberverband und Gewerkschaft bereits eine Vereinbarung gibt, gilt dies bereits ab 2018, ansonsten für Neuverträge erst ab 2019 und für bereits heute bestehende Verträge sogar erst ab 2022. Ein Zuschuss des Arbeitgebers von 15 Prozent wird übrigens im Gesetz nur als Untergröße genannt. Auf Lohnbestandteile, die per Entgeltumwandlung zur Altersvorsorge werden, müsste der Arbeitgeber normalerweise rund 20 Prozent Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Gibt er nur einen Zuschuss von 15 Prozent, so investiert er also noch nicht einmal seine volle Einsparung in den Vertrag. In manchen Betrieben werden daher heute schon höhere Zulagen gewährt.

Gleichbehandlung privater und betrieblicher Riester-Renten

Die Gesetzesänderungen beenden zudem die Ungleichbehandlung privater und betrieblicher Riester-Renten. Ein Beispiel: 26,92 Euro im Monat muss Heinz Ulrich Brinkmann bis Ende 2017 monatlich von seiner Riester-Rente an seine gesetzliche Krankenkasse zahlen. Denn er bezieht die Rente VBLextra von der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder, kurz VBL. Die VBL ist – juristisch gesehen – eine Institution des Betriebsrentenrechts. Riester-Renten, die von solchen Institutionen gezahlt werden, sind deshalb bisher voll beitragspflichtig in der Kranken- und Pflegeversicherung – anders als die weiter verbreiteten privaten Riester-Renten.

Damit ist ab 2018 Schluss. Der Gesetzgeber hat die ungleiche Behandlung privater und betrieblicher Riester-Renten beendet. Das gilt für neue, aber genauso „auch für bestehende Verträge“, wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bestätigt. Die Beiträge, die Brinkmann allerdings in den letzten sechseinhalb Jahren gezahlt hat, werden ihm nicht erstattet.
Sämtliche Angaben ohne Gewähr

Mengenrabatt bei Riester-Betriebsrenten

„Eine attraktive Alternative“. So nennt der Versicherungskonzern Axa nun die betriebliche Riester-Rente. Der Grund dafür ist klar: Wenn Betriebe gleich für mehrere Mitarbeiter einen Riester-Vertrag abschließen, kann es einen Mengenrabatt geben. Übrigens: Auch wer bereits anderweitig über seinen Arbeitgeber fürs Alter vorsorgt, kann zusätzlich noch einen betrieblichen Riester-Vertrag abschließen. Bei privaten wie betrieblichen Riester-Verträgen gelten die gleichen Fördersätze, die sich ab 2018 verbessern. Die Grundzulage steigt im nächsten Jahr von 154 Euro auf 175 Euro pro Jahr. Die Zulagen für Kinder bleiben gleich: 300 Euro pro Jahr für jedes ab 2008 geborene Kind und 185 Euro für davor geborene Kinder.
Tipp: Lesen Sie hier, wie Sie die staatlichen Riester-Zulagen voll ausschöpfen.

Mehr Risiko für Arbeitnehmer

Betriebsrenten werden für Arbeitnehmer jedoch ein Stück weniger sicher. Denn Arbeitgeber müssen künftig nicht mehr einspringen, wenn eine Versorgungskasse in Schwierigkeiten gerät und die Rente kürzt. Zugleich kann das Geld der Sparer künftig auch ertragreicher (was aber auch heißt: risikoreicher) angelegt werden.

Schattenseite der Entgeltumwandlung

Auf den ersten Blick ist die Entgeltumwandlung für eine Betriebsrente verlockend. Doch man sollte auch berücksichtigen, dass die Sozialversicherungsbeiträge zum großen Teil nicht gespart sind, sondern nur aufs Alter verschoben werden. Weil die Einzahlungen für die Betriebsrente sozialversicherungsfrei sind, werden später bei der Rente die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig.

Und dann muss man noch bedenken, was man sich durch die Einsparung von Sozialversicherungsbeiträgen „einkauft“: Den Beiträgen entsprechen schließlich auch Leistungen. Das wirkt sich unter anderem beim Krankengeld, beim Arbeitslosengeld und bei der späteren Rente aus. Alle diese Leistungen fallen niedriger aus, wenn man weniger in die Sozialkassen einzahlt. Zudem gibt es weniger Elterngeld, wenn das Bruttoeinkommen vor der Geburt durch eine Entgeltumwandlung sinkt.
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Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist für alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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