Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 15.02.2017

Früher in Rente Oft übersehen: die Schwerbehindertenrente

Wer gesundheitliche Handicaps hat, kann häufig nicht bis zum regulären Rentenalter voll arbeiten. Deshalb gibt es die Schwerbehindertenrente. Wer sie wann in Anspruch nehmen kann.
Früher in Rente Oft übersehen: die Schwerbehindertenrente

Auch zahlreiche Diabetiker haben Chancen, eine Schwerbehindertenrente zu bekommen.

Anerkannte Schwerbehinderte können deutlich früher in die Altersrente gehen. Dafür ist die „Altersrente für schwerbehinderte Menschen“ – kurz: die Schwerbehindertenrente – vorgesehen. Wer beispielsweise 1953 geboren wurde, kann diese Rente bereits mit 60 Jahren und sieben Monaten erhalten – also schon 29 Monate vor der 63-Jahres-Grenze. Dann gibt’s sie allerdings mit einer Rentenkürzung um 10,8 Prozent. Mit 63 Jahren und sieben Monaten wird diese Altersrente dann ohne Abschläge gezahlt.


Schwerbehindertenrente: Ab wann kann sie bezogen werden?

Jahrgang Abschlagsfreier Bezug im Alter Bezug mit 10,8 Prozent Abschlag im Alter
von ... Jahren und ... Monaten von ... Jahren und ... Monaten
1953 63 7 60 7
1954 63 8 60 8
1955 63 9 60 9
1956 63 10 60 10
1957 63 11 60 11
1958 64 0 61 0
1959 64 2 61 2
1960 64 4 61 4
1961 64 6 61 6
1962 64 8 61 8
1963 64 10 61 10
ab 1964 65 0 62 0
Quelle: Deutsche Rentenversicherung

In den kommenden Jahren wird die Altersgrenze für die frühestmögliche Inanspruchnahme dieser Rente peu à peu nach hinten verschoben – bis auf 62 Jahre (für Jahrgänge ab 1964). Doch es bleibt auch künftig dabei, dass die Schwerbehindertenrente fünf Jahre vor der regulären Altersrente bezogen werden kann.

Niedrige Hürden bei der Schwerbehindertenrente

Die Hürden, die der Gesetzgeber vor dieser Rente aufgebaut hat, sind vergleichsweise niedrig. Schon nach 35 Versicherungsjahren wird die Schwerbehindertenrente gewährt, wobei auch Zeiten des Schulbesuchs oder der Arbeitslosigkeit mitzählen und pro Kind maximal zehn Jahre sogenannter Berücksichtigungszeit.

Antrag auf Schwerbehinderten-Anerkennung stellen

Wer gesundheitliche Einschränkungen hat, sollte – auch im Hinblick auf die Rente – beim zuständigen Versorgungsamt einen Antrag auf Schwerbehinderten-Anerkennung stellen. Bei Herzerkrankungen, orthopädischen Krankheiten oder Krebs, aber auch bei schweren Depressionen wird die Schwerbehinderung häufig anerkannt. Chancen auf Anerkennung haben aber auch Rheumakranke mit dauerhaft erheblichen Funktionseinbußen und zahlreiche Diabetiker.

Den Schwerbehindertenantrag sollte man am besten mit seinem Haus- oder dem behandelnden Facharzt ausfüllen. Wichtig dabei: Hierfür braucht der Arzt sehr konkrete und anschauliche Informationen über Gesundheitsprobleme.

Beipiel: Je nach Krankheit sollte man dem Arzt nicht nur mitteilen, dass man Schwierigkeiten beim Treppensteigen hat, sondern ganz konkret, wie viele Treppenstufen man noch steigen kann und nach wie viel Metern eine Pause eingelegt werden muss. Das sollte man dann auch für sich genau dokumentieren – etwa in einem Tagebuch.

Rentenwechsel in die Schwerbehindertenrente

Manchmal tritt die Schwerbehinderung erst während des Bezugs einer vorzeitigen Altersrente ein. In wenigen Fällen ist dann ein Wechsel in die Schwerbehindertenrente möglich. Dafür darf man allerdings zum einen noch nicht das reguläre Rentenalter erreicht haben und muss zum anderen zumindest für kurze Zeit wieder eine Beschäftigung aufnehmen, deren Lohn so hoch ist, dass die Rente zunächst einmal wegfällt. Beantragt man danach erneut Altersruhegeld, so kann man die Schwerbehindertenrente erhalten. Interessant ist dieses „Hintertürchen“ vor allem für diejenigen, die eine vorzeitige Rente für langjährig Versicherte beziehen, wenn vor Erreichen der regulären Rentenaltersgrenze eine Schwerbehinderung eintritt.
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Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist für alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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» Autoren von geldsparen.de

Leserkommentare

 

27.02.2017 09:14 Uhr
Redaktion Geldsparen.de: Grad der Behinderung
Ab einem Grad der Behinderung von 50 gilt Schwerbehinderung und ab diesem Grad kann auch die Schwerbehindertenrente beantragt werden.

26.02.2017 14:07 Uhr
Klas: Grad der Schwerbehinderung?
Mit wie viel Prozent Schwerbehinderung gelten die o. g. Regelungen? Schon ab 20 %?

25.02.2017 16:16 Uhr
M. Schuler: Zusätzliche Voraussetzung
Nach meiner Kenntnis setzt der Bezug der Schwerbehindertenrente einen GdB von mind. 50 voraus. Hat sich das geändert, denn hier ist davon nichts erwähnt.


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