Von Michael Schreiber, 17.05.2018

Steuererklärung 2017 Schritt für Schritt Steuern sparen

Knapp 1.000 Euro erhalten Verbraucher durchschnittlich als Steuerrückzahlung. Wir führen Sie Schritt für Schritt durch die Formulare.
Steuererklärung 2017 Schritt für Schritt Steuern sparen

Pendler dürfen 30 Cent je Entfernungskilometer in ihrer Steuererklärung ansetzen.

935 Euro Steuerrückzahlung kassiert Otto Normalbürger im Schnitt, so die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Das macht bei einem angenommenen Zeitaufwand von vier Stunden einen Stundenlohn von 234 Euro. Und für viele Steuerzahler ist sogar noch mehr drin – auch wegen neuer steuerzahlerfreundlicher Urteile der Finanzgerichte.

1. Der Mantelbogen: Steuern sparen mit Sonderausgaben & Co.

Der Mantelbogen zählt zum Pflichtprogramm. Mit Sonderausgaben & Co. lässt sich einiges beim Fiskus herausholen. Ganz vorne erfragt der Fiskus die Angaben zur Person. Daneben sind im Mantelbogen vor allem besonders die Abschnitte „Sonderausgaben“ (ab Zeile 36), aber auch „Außergewöhnliche Belastungen“ (Seite 3/ab Zeile 61) von großer Wichtigkeit.

Sonderausgaben

Wer bei den Sonderausgaben in Zeilen 36 bis 56 des vierseitigen Mantelbogens nichts angibt, bekommt automatisch nur einen Pauschbetrag von 36 bzw. 72 Euro (ledige/ verheiratete Steuerzahler) angerechnet.

Scheidung: Haben Steuerzahler sich scheiden lassen oder lebt ihr Ehepartner getrennt, so beteiligt sich das Finanzamt an den Unterhaltszahlungen. Bis zu 13.805 Euro sind als Sonderausgaben absetzbar (Zeilen 40/41). Wer für den oder die Ex Beiträge zu einer Basiskranken- oder Pflegepflichtversicherung zahlt, darf das Geld ebenfalls geltend machen. Voraussetzung ist, dass der Empfänger in Deutschland lebt und über die Anlage U zur Steuererklärung seine Zustimmung gibt, denn er wiederum muss den Unterhalt versteuern (über die Anlage SO zur Steuererklärung).

Tipp:
Lässt der Ex statt eines Versorgungsausgleichs eine Abfindung springen, ist die Zahlung seit 2015 absetzbar (Zeile 39).

Auch gezahlte Kirchensteuern sind Sonderausgaben – und gehören in Zeile 42 des Mantelbogens deklariert. Das lohnt sich besonders für Arbeitnehmer. Den Betrag übernehmen Sie einfach aus der Jahreslohnbescheinigung Ihres Arbeitgebers. Auch Kirchgeld, das einige Landeskirchen bei glaubensverschiedenen Ehepartner erheben, ist abzugsfähig.

Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung oder ein Erststudium darf man bis zu einer Summe von 6.000 Euro als Sonderausgaben absetzen (Zeilen 43/44). Dazu gehört auch die Weiterbildung in einem erlernten, aber nicht ausgeübten Beruf.

Nachträglich Bildungskosten geltend machen

Wer vor noch nicht allzu langer Zeit studiert oder eine Berufsausbildung absolviert hat, für den kommt eventuell eine nachträgliche Verlustfeststellung für Bildungskosten in Frage. Der Bundesfinanzhof hat jüngst geurteilt, dass die Verjährungsfrist erst nach sieben Jahren abläuft und nicht schon nach vier (Az. IX R 22/14). Davon profitieren alle Studenten und Auszubildende, die in der Vergangenheit keine freiwillige Steuererklärung abgegeben haben, weil sie ja keine eigenen Einkünfte hatten.

Und so geht es:
Sie können die versäumte Abrechnung für Jahre ab 2011 jetzt noch bis zum 31. Dezember 2018 nachholen und Studiengebühren, Kosten für Fachliteratur und andere Bildungskosten beim Finanzamt als Werbungskosten auf der Anlage N geltend machen. Im Mantelbogen beantragen sie eine Verlustfeststellung. So bringen die früheren Studienkosten später einen Steuervorteil, wenn man das erste Geld verdient.

Zum Hintergrund: Das Bundesverfassungsgericht hat das letzte Wort in der Frage, ob Kosten für Erststudium und Ausbildung als Werbungskosten absetzbar sind (Az. 2 BvL 22, 23 und 27/14). Das Finanzamt will diese Kosten bisher nur als Sonderausgaben anerkennen – in Jahren ohne eigenes Einkommen gäbe es dann keinen Steuervorteil. Der BFH muss in einem anhängigen Musterprozess außerdem in Kürze darüber entscheiden, ob ein Stipendium den Werbungskostenabzug schmälert oder nicht (Az. VI R 29/16).

Mit Spenden Steuern sparen

Geldspenden an mildtätige, kirchliche, religiöse oder gemeinnützige Organisationen sind ebenfalls als Sonderausgaben absetzbar (Zeilen 45/46).

Tipp: Bei Spenden von mehr als 200 Euro erwartet der Fiskus meist eine Spendenbescheinigung der jeweiligen Organisation – bei geringeren Beträgen reicht auch der Kontoauszug als Nachweis. Der vereinfachte Spendennachweis gilt übrigens bei Spenden im Rahmen der Flüchtlingshilfe auch bei höheren Beträgen. Das hat das Bundesfinanzministerium per Erlass vom 22. September 2015 (Az. IV C 4 – S 2223/07/0015:015) geregelt. Bei Mitgliedsbeiträgen und Spenden an politische Parteien und Wählervereinigungen (Zeile 50/51) beteiligte sich der Fiskus mit 50 Prozent der Ausgaben, höchstens aber mit 825 Euro (Ehegatten 1.650 Euro).

Außergewöhnliche Belastungen

Wie es der Name schon sagt – außergewöhnliche Belastungen haben Steuerzahler zumeist nicht jedes Jahr zu tragen. Auf Seite 3 des Mantelbogens ab Zeile 61 lassen sie sich im Detail eintragen. Diese außergewöhnlichen Belastungen können unterschiedlichster Art sein:

Krankheits- und Kurkosten
gehören in die Zeile 67. Das lohnt sich aber nur dann, wenn die Kosten hoch genug ausfielen und nicht von anderer Stelle ersetzt wurden. Denn je nach Einkommen und Familienstand sieht der Fiskus einen Eigenanteil (siehe Tabelle unten) vor, den Steuerzahler tragen müssen, bevor sich die Kosten steuermindernd auswirken. Diese Praxis hat der Bundesfinanzhof zwar jüngst akzeptiert (Az. VI R 32 und 33/13).

In einem Urteil vom 19.1.2017 (Az. VI R 75/14) hat der BFH allerdings gegen den Fiskus entschieden, dass die bisherige Berechnung der zumutbaren Eigenbelastung durch die Finanzbehörden fehlerhaft und damit für viele Steuerzahler zu hoch ist. Das Finanzamt setzt den jeweils höheren Prozentsatz an, sobald das eigene Einkommen den in der Tabelle genannten Grenzwert überschreitet. Dagegen hat der BFH entschieden, dass die zumutbare Eigenbelastung gestaffelt nach den in der Tabelle aufgeführten Einkommensstufen erfolgen muss. Davon profitieren alle Steuerzahler mit höherem Einkommen.

Wichtig: Haben Sie Rückerstattungen zum Beispiel von Ihrer Krankenkasse bekommen, müssen Sie diese in Zeile 67 angeben. Zuzahlungen für ärztlich verordnete Medikamente, Zahnspangen und Zahnersatz sowie Hilfsmittel wie Brillen und Einlagen sind hier ebenfalls steuerlich absetzbar.

Steuererleichterungen gibt es auch für Opfer und Helfer von Unwetterkatastrophen. Das Bundesfinanzministerium hat die Finanzämter angewiesen, die Ausgaben Geschädigter für die Reparaturen am Haus, und die Ersatzbeschaffung von Kleidung und Hausrat unbürokratisch als außergewöhnliche Belastungen anzuerkennen, auch wenn die Flutopfer keine Versicherung für Hochwasserschäden hatten. Normalerweise verlangt das Finanzamt eine Versicherung und nur Restkosten zählen dann bei der Steuer.

Seit 2013 will der Gesetzgeber den Steuerabzug für zivile Prozesskosten als außergewöhnliche Belastungen nicht mehr akzeptieren. Dies gilt nach aktueller Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes leider auch für die unumgänglichen Gerichts- und Anwaltskosten bei einer Scheidung (Urteile vom 18.5.2017, Az. VI R 66/14, 81/14 und 19/15).

Steuerzahler, die aus gesundheitlichen Gründen in einem Pflegeheim untergebracht sind, können diese Kosten als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Das Finanzamt kürzt die absetzbaren Beträge aber um eine „Haushaltsersparnis“, weil der Pflegebedürftige durch die Heimunterbringung ja auch private Kosten einspart. Sind Ehepartner gemeinsam in einem Pflegeheim untergebracht, berechnen die Finanzämter die Haushaltsersparnis doppelt. Der Bundesfinanzhof hat diese Praxis der Finanzämter in einem aktuellen Urteil vom 4.10.2017 (Az. VI R 22/16) gerade bestätigt.
    Eigenanteil bei außergewöhnlichen Belastungen
 Gesamtbetrag der Einkünfte  Bis 15.340 Euro  Bis 51.130 Euro  Über 51.130 Euro
 Ledige ohne Kinder  5 %  6 %  7 %
 Verheiratete ohne Kinder  4 %  5 %  6 %
 Mit 1 oder 2 Kindern  2 %  3 %  4 %
 Mit 3 oder mehr Kindern  1 %  1 %  2 %
    Quelle: Einkommensteuergesetz, Stand: Mai 2018
Bei Pflege und Behinderung gewährt das Finanzamt gewisse Pauschbeträge. So gibt es für behinderte Menschen ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 25 Prozent den Behindertenpauschbetrag (Zeilen 61-64). Die Höhe reicht von 310 Euro (bis zu 30 Prozent GdB) bis hin zu 1.420 Euro bei einem GdB von 100 Prozent. Dauerhaft hilflose Menschen oder Blinde bekommen sogar einen Freibetrag von 3.700 Euro eingeräumt. Als Nachweis verlangen die Prüfer vom Amt bei einem GdB von mindestens 50 Prozent eine Ablichtung des Schwerbehindertenausweises vom Versorgungsamt. Wer einen Angehörigen bei sich oder in dessen Wohnung pflegt, erhält einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro (Zeile 65/66). Voraussetzung: Der Gepflegte hat die Pflegestufe III oder ein „H“ im Schwerbehindertenausweis und die Pflege erfolgt kostenlos – er darf nicht sein Pflegegeld weiterreichen, sonst wird der Pflegepauschbetrag gestrichen.

Hilfe für Flüchtlinge: Steuerzahler, die aus eigener Tasche für den Lebensunterhalt eines Flüchtlings aufkommen, erhalten bei der Steuerabrechnung einen Unterhaltsfreibetrag von bis zu 8.820 Euro. Der Wert erhöht sich um die übernommenen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für die unterstützte Person. Das gilt selbst dann, wenn die unterstützte Person nicht im Haushalt des Helfers lebt. Den Freibetrag erhalten auch Steuerzahler, die bedürftige nahe Angehörige finanziell unterstützen. Bedingung ist aber, dass sie kein Kindergeld für die unterstützte Person erhalten.

Vergütungen für die nebenamtliche Tätigkeit als Betreuer, Ausbilder oder Erzieher von Flüchtlingen bleiben in Höhe des Übungsleiterfreibetrages von 2.400 Euro steuerfrei (BMF-Schreiben Az. IV C 4 – S 2121/0-09).

Auch haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen sowie Handwerkerleistungen dürfen Steuerzahler zur Steuerminderung einsetzen. Details regelt ein Erlass des Bundesfinanzministeriums vom 9.11.2016 (Az. IV C 8 – S 2296-b/07/10003:008). Die Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen, zum Beispiel für die Putzfrau, die Pflegerin oder den Gärtner geben Steuerzahler in den Zeilen 71 – 73 des Mantelbogens der Steuererklärung an. Aufgepasst bei Handwerkerrechnungen (Zeile 73): Hier dürfen die reinen Arbeitskosten, aber auch Maschinen- und Fahrtkosten sowie die Umsatzsteuer geltend gemacht werden. Materialkosten gehen dagegen nicht durch.
Das Finanzamt beteiligt sich auch an den Reparaturkosten von Haushaltsgeräten wie Waschmaschine & Co. mit 20 Prozent der Rechnungssumme, aber nur bis zur Grenze von 1.200 Euro. Wichtig: Die Rechnung darf nicht bar bezahlt werden.

Tipp: Selbst als Mieter dürfen Sie Teile Ihrer Nebenkostenabrechnung absetzen – nämlich die Kosten, die auf Hausmeister, Treppenhausreinigung, Schneeräumdienst, Gartenpflege oder Schornsteinfeger entfallen.

Auch für private Umzugskosten gibt es einen Steuerbonus. Nach dem neuen Erlass können jetzt beispielsweise auch Lohnkosten für den Winterdienst auf öffentlichen Gehwegen vor dem eigenen Grundstück steuerlich geltend gemacht werden. Auch Hausanschlusskosten an öffentliche Ver- und Entsorgungsnetze will das Finanzministerium jetzt steuerlich fördern, nicht jedoch Gebühren und Beiträge von Zweckverbänden. Das steht im Widerspruch zu einem Urteil des Bundesfinanzhofes vom 20.03.2014 (Az.VI R 56/12). Die BFH-Richter hatten in dem Urteil außerdem eine Ermittlung der Arbeitsleistung im Schätzungswege anerkannt, was von der Finanzverwaltung weiter abgelehnt wird.

Tipp: Für die Sanierung von Straßen und Bürgersteigen verlangen Kommunen von den betroffenen Anwohnern oft mehrere tausend Euro Eigenanteil. Der Bundesfinanzhof muss in zwei Revisionsverfahren klären, ob es dafür eine Steuerermäßigung gibt (VI R 18/16 und 50/17). Betroffene wehren sich per Einspruch gegen ihren Steuerbescheid und verweisen auf das Musterverfahren.

Für neu errichtete Eigenheime und Wohnungen gibt es die Steuerermäßigung eigentlich nicht. Bauherren, die ihr neues Domizil bereits bezogen haben, und in den Folgemonaten noch Baumaßnahmen am Haus durchführen lassen, profitieren aber möglicherweise dennoch von einem anhängigen Musterprozess beim BFH (Az. VI R 53/17). Die Richter müssen klären, ob die nach Einzug angefallenen Kosten für das Verputzen der Fassade als Handwerkerleistungen steuerbegünstigt sind. Betroffene Bauherren machen ihre Kosten in Zeile 73 geltend. Lehnt das Finanzamt ab, legen Sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein.

2. Die Anlage N: Arbeitnehmer sparen Steuern mit Werbungskosten

Arbeitnehmer können sich Werbungskosten vom Fiskus zurückholen. Doch bevor sie richtig loslegen, sollten sie kurz innehalten: Bringen Sie Werbungskosten von mehr als 1.000 Euro zusammen? Denn nur dann lohnt sich der Aufwand. Schließlich bekommt jeder aktive Arbeitnehmer automatisch einen Pauschbetrag in dieser Höhe ohne weiteren Nachweis. Für Pensionäre oder Betriebsrentner gibt es den abgespeckten Pauschbetrag von 102 Euro, wenn sie keine höheren Kosten nachweisen.

Mit der Pendlerpauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer (Zeilen 31-39) schaffen Arbeitnehmer bereits bei 220 Arbeitstagen und einem Arbeitsweg von 16 Kilometern leicht den Sprung über den Pauschbetrag. Übrigens dürfen sie sogar als Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft in Ihrer Steuererklärung die Pendlerpauschale ansetzen. Alle Mitfahrer haben diese Möglichkeit.

Tipp: Leiharbeiter dürfen nach einem Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen vom 30.11.2016 (Az. 9 K 130/16) jeden gefahrenen Kilometer in ihren jeweiligen Betrieb von der Steuer absetzen und nicht nur die Entfernungspauschale mit der einfachen Wegstrecke. Da die befristete Tätigkeit steuertechnisch als „Dienstreise“ gewertet wird, bekommt der Arbeitnehmer für die ersten drei Monate sogar noch Verpflegungspauschalen. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht – der Fiskus hat beim BFH Revision gegen das Urteil aus Hannover eingelegt (Az.VI R 6/17).

Spendiert der Arbeitgeber einen Firmenwagen, den der Arbeitnehmer auch für private Zwecke nutzen darf, und versteuert er ihn nach der Ein-Prozent-Regel, lassen sich nach zwei Urteilen des BFH vom 30.11.2016 (Az. VI R 2/15 und VI R 49/14) sämtliche selbst getragene Benzinkosten in voller Höhe als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Wer keine Tankquittungen aufbewahrt hat, darf die Benzinkosten sogar schätzen. Auch andere Zuzahlungen zu den Fahrzeugkosten mindern den steuerpflichtigen Vorteil des Arbeitnehmers.

Mitgliedsbeiträge für Gewerkschaften und Berufsverbände dürfen Arbeitnehmer in voller Höhe gegen Nachweis geltend machen (Zeile 40).

Ausgaben für Arbeitsmittel (Werkzeuge, Computer, Büromaterial, Fachbücher, Büromöbel, Berufskleidung) sind bis zu Anschaffungskosten von 410 Euro netto sofort absetzbar. Waren sie teurer, müssen Steuerzahler die Kosten über die Nutzungsdauer abschreiben – bei Laptops sieht der Fiskus drei Jahre vor.

Tipp:
Für Arbeitsmittel gibt es eine interne „Nichtbeanstandungsgrenze“ von 110 Euro. Bei Kosten bis zu dieser Höhe (Zeilen 41/42) kontrolliert kein Finanzbeamter im Detail.

Sind Sie aus beruflichen Gründen umgezogen und hat sich dadurch der tägliche Arbeitsweg um mehr als eine Stunde verkürzt? Dann können sie als Lediger eine Umzugskostenpauschale von 764 Euro abrechnen, Verheiratete tragen den doppelten Betrag ein (Zeilen 45-48). Für Kinder oder andere Familienangehörige gibt es zusätzlich 337 Euro.

Tipp: Private Umzugskosten gehören als haushaltsnahe Dienstleistung in Zeile 72 des Mantelbogens.

Arbeitszimmer:
Miet- und Ausstattungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer sind in der Steuererklärung 2017 bis zu 1.250 Euro anteilig absetzbar, wenn es Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ist oder der Arbeitgeber keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt. Der BFH hat mit zwei Urteilen vom 15.12.2016 (Az. VI R 86/13 und 53/12) entschieden, dass jedem Ehepartner bei einem gemeinsam genutzten Arbeitszimmer jeweils der volle Abzugsbetrag zusteht (Zeile 43). Auch ein Projektleiter, der am Wochenende erreichbar sein muss und deshalb nicht in der Firma arbeitet, kann ein Arbeitszimmer absetzen (rechtskräftiges Urteil des FG München vom 27.8.2016 – 15 K 439/15).

Tipp: Ob Sie ihr Heimbüro steuerlich geltend machen können, ergibt sich aus einem aktuellen Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 6. Oktober 2017 (Az. Gz. IV C 6 – S-2145/07/10002:019 – abrufbar unter www.bundesfinanzministerium.de)

Doppelter Haushalt: Wer am Arbeitsort auch eine Bleibe hat, darf Mietaufwendungen bis maximal 1.000 Euro monatlich, Verpflegungspauschalen in den ersten drei Monaten sowie 0,30 Euro je Entfernungskilometer für Familienheimfahrten am Wochenende geltend machen (Zeilen 61 – 87). Die Kosten für eine Zweitwohnung können Sie nach einem aktuellen Urteil des Finanzgerichtes Berlin-Brandenburg vom 1. Juni 2017 (Az. 3 K 3278/14) auch während der Elternzeit geltend machen, wenn Sie nach der Babypause wieder in den Beruf einsteigen wollen, am Beschäftigungsort starker Wohnungsmangel herrscht und sie deshalb die günstige Bleibe nicht aufgegeben haben. Das letzte Wort hat der Bundesfinanzhof (Revision unter VI R 1/18).

Selbst die Abschiedsfeier bei einem Arbeitgeberwechsel dürfen Steuerzahler in voller Höhe als Werbungskosten absetzen (Urteil des Finanzgerichts Münster vom 29.5.2015, Az. 4 K 3236/12 E).

Wichtig: Der Gästekreis bestand aus Kollegen und Geschäftspartnern. Hatte man nur einige Kollegen im Gästekreis, dürfen sie anteilige Werbungskosten geltend machen (Urteil des BFH vom 8. Juli 2015, Az. VI R 46/14). Nach den gleichen Spielregeln können Beamte und Angestellte die Kosten für ein betriebsinternes Dienstjubiläum steuerlich absetzen (BFH – Urteil vom 27.7.2016, Az. VI R 24/15).

3. Die Anlage K: Mit Kindern Steuern sparen

Monatlich bekommen Eltern üblicherweise Kindergeld ausgezahlt. Für das erste und zweite Kind waren es 2017 je 192 Euro, für das dritte 198 Euro und ab dem vierten Kind 223 Euro. Über die Steuererklärung prüft das Finanzamt, ob der Abzug des steuerlichen Kinderfreibetrages in Höhe von 2.358/4.716 Euro (Ledige/Verheiratete) plus des Freibetrages für den Erziehungs- und Betreuungsaufwand von 1.320/2.640 Euro womöglich zu einem günstigeren Ergebnis führt. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe lohnt sich das – das gezahlte Kindergeld wird dann mit den Steuerfreibeträgen verrechnet und der Mehrbetrag über den Steuerbescheid ausbezahlt.

Wichtig: Zum 1. Januar 2018 sind die Antragsfristen für rückwirkende Kindergeldanträge deutlich verkürzt worden. Eltern erhalten Kindergeld statt für vier Jahre nur noch für sechs Monate rückwirkend zum Antragszeitpunkt. Prüfen Sie, ob Sie für Ihren Nachwuchs das staatliche Kindergeld vollständig erhalten haben und reichen sie fehlende Anträge zügig ein.

Tipp: Die Steuerfreibeträge für Kinder zählen in jedem Fall bei der Berechnung von Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer mit. Steuerzahler sollten deshalb für jedes Kind eine Anlage K ausfüllen. Leben die Eltern getrennt oder sind sie nicht verheiratet, dürfen in den Steuererklärungen der beiden Elternteile jeweils nur die hälftigen Kindergeldansprüche eingetragen werden.

Tipp: Der Bundesfinanzhof hat bereits 2016 entschieden, dass Eltern auch während eines Masterstudiums ihres Nachwuchses Kindergeld erhalten können. Die Familienkasse hatte die Zahlung zunächst abgelehnt, weil sie der Meinung war, die Erstausbildung des Kindes ende mit dem Bachelorstudium. Die BFH-Richter entschieden jedoch, dass das Aufbaustudium noch zur Erstausbildung gehört (Az. VI R 9/15).

Zahlen Steuerzahler für ihren studierenden Nachwuchs die Beiträge zu einer Kranken- und Pflegeversicherung, erhalten sie über eine Eintragung in den Zeilen 31-37 einen Steuerrabatt. Die Beiträge sind in voller Höhe als Sonderausgaben absetzbar.

Singles mit Kind erhalten einen Entlastungsbetrag von 1.908 Euro jährlich (Zeilen 44-49). Dazu muss das Kind im Haushalt des Alleinerziehenden gemeldet sein und es darf keine weitere erwachsene Person in dem Haushalt leben. Für jedes weitere Kind erhöht sich der Freibetrag um 240 Euro. In einem aktuellen Urteil (Az. III R 9/13) stellte der Bundesfinanzhof klar, dass ein alleinerziehender Vater den Freibetrag für seine bei ihm gemeldete Tochter auch dann erhält, wenn diese tatsächlich bereits in ihrer eigenen Wohnung lebt. Mit dem Urteil im Rücken eröffnen sich getrennt lebendenden oder geschiedenen Eltern neue Gestaltungsspielräume.

Tipp: Leben die Kinder nach der Trennung bei der Mutter, können beide Elternteile den Entlastungsbetrag kassieren, indem ein Kind beim Vater und eines bei der Mutter angemeldet wird.

Für die auswärtige Ausbildung volljähriger Kinder sind bis zu 924 Euro zusätzlicher Freibetrag drin (Zeile 50-53). Befindet sich das Kind nach dem 25. Geburtstag noch in Ausbildung oder Studium, zahlt die Familienkasse kein Kindergeld mehr. In diesem Fall können Unterstützungsleistungen an das Kind bis zu einem Höchstbetrag von 8.820 Euro jährlich als außergewöhnliche Belastung abgezogen werden. Dieser Abzug mindert sich um eigene Einkünfte des Kindes von mehr als 624 Euro im Jahr.

Besucht ein Kind eine Privatschule, dürfen die Eltern 30 Prozent der jährlich anfallenden Kosten, höchstens 5.000 Euro, als Sonderausgaben absetzen (Zeilen 61-63). Die Kosten für Verpflegung, Betreuung und Unterbringung werden allerdings nicht bezuschusst. Den Status der Schule als anerkannte Bildungseinrichtung und die Höhe der abzugsfähigen Ausgaben lassen sich über eine Schulbescheinigung nachweisen.

Eltern können für Kinder bis zum 14. Lebensjahr Kinderbetreuungskosten bis zu 4.000 Euro pro Jahr ebenfalls als Sonderausgaben geltend machen (Zeilen 67-73). Das Finanzamt akzeptiert aber nur zwei Drittel der mit Rechnungen und Überweisungsträgern nachgewiesenen Kosten, Barzahlung gilt nicht (BFH-Urteil vom 8.12.2014 Az. III R 63/13). Daher müssen Eltern schon mindestens 6.000 Euro ausgeben, um den Höchstbetrag von 4.000 Euro ausschöpfen zu können.

Tipp: Abziehbar sind Kosten für Kindergarten, Krippe, offene Ganztagsschule oder Tagesmutter, nicht jedoch Kosten für Nachhilfeunterricht oder Beiträge für Sportverein und Musikschule.

4. Die Anlage Vorsorgeaufwand

Die Aufwendungen für eine medizinische Grundsicherung sind in voller Höhe absetzbar – davon profitieren alle Steuerzahler, wenn sie die Anlage Vorsorgeaufwand ausfüllen. Ehegatten füllen ein gemeinsames Formular aus. Auf dem Formular werden drei Kategorien von Versicherungsbeiträgen unterschieden:

Beiträge für eine Basisversorgung im Alter

Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung (Zeilen 4-10) können Arbeitnehmer aus der Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers einfach übernehmen (Nr. 23 a/b und 22 a/b). Beiträge zu einer Rürup-Rente gehören in die Zeile 8.

Tipp: Das Finanzamt berücksichtigt maximal Beiträge von 23.362 Euro für Ledige und 46.724 Euro für Verheiratete Vorsorgesparer. Davon werden für 2017 maximal 84 Prozent steuerwirksam – das macht 19.624 Euro Steuerabzug für ledige Steuerzahler. Für Ehepaare gibt es 39.248 Euro. Der absetzbare Teil der geleisteten Beiträge steigt bis 2025 jedes Jahr um weitere zwei Prozentpunkte.

Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung

Beiträge zur Basisabsicherung für den Krankheits- und Pflegefall sind in voller Höhe abzugsfähig – deshalb sollte jeder Steuerzahler diese Rubrik sorgfältig ausfüllen. Pflichtversicherte Arbeitnehmer übertragen ihre Krankenkassenbeiträge aus Nummer 25 der Lohnsteuerbescheinigung in Zeile 12. Rentner und freiwillig gesetzlich versicherte Selbstzahler tragen ihre Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung in die Zeilen 17 und 19 ein. Ruheständler entnehmen die Beiträge aus der Bescheinigung des Rentenversicherungsträgers. Privat versicherte Selbstständige und Beamte tragen ihre Beiträge zu einer Basis-Kranken- und Pflegepolice in die Zeilen 24 und 25 ein.

Beiträge für Wahl- und Zusatztarife gehören in die Zeilen 28 und 29. Haben Steuerzahler im vergangenen Jahr für ihre studierenden Kinder Krankenversicherungsbeiträge gezahlt und erhalten sie kein Kindergeld mehr, füllen sie die Zeilen 40-45 aus. Die gezahlten Versicherungsbeiträge bescheren ihnen dann wenigstens eine Steuererstattung.

Tipp: Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 14.9.2016 (Az. X R 17/15) entschieden, dass die Finanzämter die steuerlich abzugsfähigen Krankenkassenbeiträge nicht um einen Bonus kürzen dürfen, den gesundheitsbewusste Steuerzahler von ihrer Krankenkasse als Zuschuss für selbst bezahlte Gesundheitsmaßnahmen erhalten.

Weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen

Die in dieser Rubrik aufgeführten Versicherungsbeiträge bringen oft keinen Steuervorteil mehr, weil die gesetzlichen Höchstbeträge von 1.900/2.800 Euro bereits durch die Basiskranken- und Pflegepolicen ausgeschöpft werden. Arbeitnehmerbeiträge zur Arbeitslosenversicherung gehören in die Zeile 46 – der Eintragungswert steht in Nummer 27 der Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers.

Deckt eine Unfall- oder Haftpflichtpolice ausschließlich private Risiken ab, gehören die Beiträge in die Zeile 50. Mitgerechnet werden Beiträge zu einer Kfz-Unfall-, Reiseunfall-, Privat-, Kfz-, Gebäude-, Öltank-, Hundehalter- und Pferdehaftpflichtpolicen

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Tipp: Beiträge zur einer Berufshaftpflicht- und Verkehrsrechtschutzpolice sind bei vielen Arbeitnehmern als Werbungskosten absetzbar (Anlage N – Zeilen 46-48). Beiträge zu Lebens- und Rentenversicherungen gehören in die Zeilen 51/52.

5. Anlage AV: Steuervorteil für Riester-Sparer

Riester-Sparer sollten die Anlage AV ausfüllen, um einen zusätzlichen Steuervorteil auf ihre Beiträge zu erhalten. Über den Steuerbescheid prüft das Finanzamt, ob anstelle der gewährten Riester-Zulagen ein Sonderausgabenabzug günstiger für den Riester-Sparer ist. Für 2017 akzeptiert der Fiskus die Beiträge für einen Riestervertrag bis zu 2.100 Euro als Sonderausgaben – der Zulagenanspruch wird dabei mitgezählt, nicht aber die aufs angesparte Guthaben gezahlten Zinsen. Stellt sich bei der Vergleichsberechnung heraus, dass der Steuervorteil aus dem Sonderausgabenabzug größer ist als die Zulage, wird der Differenzbetrag über den Steuerbescheid gutgeschrieben.

Tipp: Lesen Sie hier, wie Sie die Riester-Kinderzulagen richtig nutzen.
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