Anja Lang
Ein Beitrag von Anja Lang, 31.03.2016

Horror-Prämie Private Krankenversicherung erhöht Beiträge

Beitragserh√∂hungen bis zu 130 Euro bei der DKV und mehr f√ľr die private Krankenversicherung ist 2016 keine Seltenheit. 5 Tipps, wie Sie jetzt Ihre Pr√§mie senken:
Beitragserhöhung, DKV, private Krankenversicherung

Bei einer Beitragserhöhung Ihrer privaten Krankenversicherung, sollten Sie tätig werden

Beitragsschock f√ľr hunderttausende privat Kranken-Vollversicherte: 2016 haben viele private Krankenversicherer ihre Beitr√§ge teils empfindlich nach oben geschraubt. So ging etwa bei der Axa Krankenversicherung, laut Branchendienstleister MAP-Report, zum Jahreswechsel der monatliche Beitrag in einigen Tarifen bis √ľber 50 Prozent nach oben. Versicherte der R+V-Krankenversicherung mussten Beitragserh√∂hungen f√ľr ihre private Krankenversicherung von bis 16,4 Prozent hinnehmen und Kunden der Halleschen Krankenversicherung zahlen jetzt bis zu 9,8 Prozent mehr.

Private Krankenversicherung: DKV erhöht bis zu 130 Euro im Monat

Auch Deutschlands zweitgr√∂√üte private Krankenversicherung DKV zieht zum 1. April die Preise kr√§ftig an. Hier sollen rund 60 Prozent von Preissteigerungen betroffen sein. Durchschnittlich erh√∂ht die Gesellschaft um 7,8 Prozent. In einzelnen Tarifen f√§llt die Beitragserh√∂hung deutlich h√∂her aus. Bis zu 29 Prozent mehr – in Euro sind das knapp 130 Euro mehr pro Monat - werden f√§llig, wenn Sie bei der DKV im Tarif BM4 versichert sind. Diese Beitragserh√∂hung f√ľr die private Krankenversicherung w√§re sogar noch h√∂her ausgefallen, wenn die DKV nicht selbst fast 500 Millionen Euro zugeschossen h√§tte.

Das System private Krankenversicherung

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung erh√∂hen private Krankenversicherer nicht kontinuierlich und in kleinen Portionen, sondern erst, wenn die urspr√ľnglich kalkulierten Kosten von einem definierten Schwellenwert abweichen. So schreibt es das Versicherungsaufsichtsgesetz vor. "Wird dieser Wert nicht erreicht, d√ľrfen Anpassungen erst vorgenommen werden, wenn der Wert in einem der folgenden Jahre √ľberschritten wird", erkl√§rt der Verband der privaten Krankenversicherung. "Dadurch kann es dazu kommen, dass ein PKV-Unternehmen die Beitr√§ge mehrere Jahre gar nicht anpassen darf, dann aber pl√∂tzlich sprunghaft anheben muss." Wie das in vielen F√§llen 2016 passiert.

Niedrigzins und Kostensteigerungen f√ľhren zu Beitragserh√∂hungen

"Ursache f√ľr die Pr√§mienerh√∂hungen sind vor allem Kostensteigerungen im Gesundheitswesen", erkl√§rt Elke Weidenbach, Volljuristin und Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Hier schlagen die modernen Methoden der High-Tech-Medizin sowie gestiegene L√∂hne und Geh√§lter zu Buche." Aber auch die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt, allgemeine Kostensteigerungen und die l√§ngere Lebenserwartung schlagen sich in teilweise massiven Beitragserh√∂hungen f√ľr die¬†private Krankenversicherung nieder.

Wonach sich Ihr Beitrag f√ľr die private Krankenversicherung richtet

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung, die sich an Ihrem Einkommen orientiert, basiert der monatliche Beitrag f√ľr die private Krankenversicherung auf einer Kosten-/Risiko-Analyse:
  • Hier spielen vor allem Ihr Eintrittsalter, Ihr Gesundheitszustand sowie die allgemeinen Kosten und die Gesundheitskosten die Berechnungsgrundlage. Ver√§ndert sich das Risiko durch steigende Gesundheitskosten, h√∂here Lebenserwartung, Ver√§nderungen am Kapitalmarkt, etc. f√ľhrt das zwangsl√§ufig zu teils empfindlich hohen Beitragsanpassungen. Damit m√ľssen Sie in der privaten Krankenversicherung grunds√§tzlich immer rechnen!

5 Tipps, wie Sie die Pr√§mie f√ľr die private Krankenversicherung dr√ľcken

1. In die gesetzliche Krankenversicherung wechseln

Wenn Sie nicht √§lter als 55 Jahre alt sind, k√∂nnen Sie versuchen wieder in der gesetzlichen Krankenkasse unterzukommen. Neben dem Alter m√ľssen Sie dazu aber noch weitere Voraussetzungen erf√ľllen, die f√ľr Sie mit sp√ľrbaren Einbu√üen verbunden sein k√∂nnen. „Sie m√ľssen beispielsweise einer versicherungspflichtigen T√§tigkeit nachgehen, bei der Sie unterhalb der aktuellen Versicherungspflichtgrenze verdienen – 2016 sind das 56.250 Euro pro Jahr bzw.4.687,50 Euro pro Monat“, erkl√§rt Weidenbach. Sie sind schon √ľber 55 Jahre? Dann ist ein Wechsel von der privaten f√ľr Sie nur noch in Ausnahmef√§llen m√∂glich, denn der Gesetzgeber hat f√ľr diesen Fall schwer √ľberwindbare H√ľrden aufgestellt. Hier lesen Sie mehr dazu, wie Sie von der Privaten zur√ľck in die Gesetzliche kommen. ¬†

2. Die private Krankenversicherung wechseln

"Diese M√∂glichkeit macht nur dann Sinn, wenn Sie erst seit kurzem privat krankenversichert und gesund sind", erkl√§rt Weidenbach. "Zwar haben Sie bei Vertr√§gen, die ab dem 01.01.2009 abgeschlossen wurden, die M√∂glichkeit die H√§lfte Ihrer Altersr√ľckstellungen im Umfang des Basistarifs zu einem anderen Versicherer mitzunehmen. Der √ľberschie√üende Betrag ist aber verloren."

Achtung: Es kann sein, dass ein anderer Versicherer besser wirtschaftet. Nur kann ein Wechsel f√ľr Sie teurer werden. Denn es wird erneut eine Gesundheitspr√ľfung f√ľr eine neue private Krankenversicherung f√§llig. Haben Sie in der Zwischenzeit gesundheitliche Probleme, kann das f√ľr Sie kostspielig sein. Zudem steigen Sie bei der neuen Gesellschaft mit einem h√∂heren Alter ein - folglich steigt Ihr Beitrag f√ľr die private Krankenversicherung. Wollen Sie dennoch Ihre private Krankenversicherung wechseln wollen, k√∂nnen¬†Sie hier die Beitr√§ge f√ľr die private Krankenversicherung berechnen und vergleichen.

3. Statt die private Krankenversicherung den Tarif wechseln

F√ľr die meisten ist es aufgrund von Punkt 2 sinnvoller, innerhalb derselben Versicherung, in einen anderen Tarif zu wechseln. "Hier sollten Sie darauf achten einen Versicherungsschutz¬† mit √§hnlicher Deckung zu w√§hlen", erkl√§rt die Volljuristin der Verbraucherzentrale NRW. "W√§hlen Sie einen Tarif mit besseren Leistungen, m√ľssen Sie n√§mlich wieder neue Gesundheitsfragen beantworten. Das kann unter Umst√§nden zum Ausschluss von Leistungen f√ľhren."

4. ¬†Ihre Selbstbeteiligung f√ľr die private Krankenversicherung erh√∂hen

Mit einer h√∂heren Selbstbeteiligung sinkt in der Regel die monatliche Belastung. „Ob Sie hier aber auch tats√§chlich g√ľnstiger fahren, k√∂nnen Sie nur ermitteln, wenn Sie die j√§hrlichen Kosten Ihres bestehenden Tarifs den neuen j√§hrlichen Kosten plus Ihrer maximalen j√§hrliche Selbstbeteiligung gegen√ľberstellen“, betont Weidenbach. „Die neue Summe sollte dann g√ľnstiger sein, als die alte.“

5. Leistungen streichen f√ľr eine billigere private Krankenversicherung

"Um den monatlichen Beitrag f√ľr die private Krankenversicherung zu dr√ľcken, haben Sie auch die M√∂glichkeit, Teilk√ľndigungen bestimmter Leistungen auszusprechen", erkl√§rt Weidenbach. Sehen Sie dazu Ihren Vertrag durch und √ľberlegen Sie, auf welche Leistungen Sie verzichten k√∂nnen. "So braucht ein Rentner zum Beispiel kein Krankengeld mehr, da die Rente auch bei Krankheit weiterbezahlt wird", betont Weidenbach. "Auch Krankenhaustagegeld lohnt sich meist nicht, da die Krankenhausaufenthalte tendenziell immer k√ľrzer werden und dieser Versicherungsschutz nicht existenziell wichtig ist."

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