Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 26.06.2017

Ferien Wie sich Pflege und Urlaub vereinbaren lassen

Sommer. Sonne. Ferien. Davon träumen auch viele Menschen, die Angehörige pflegen. Doch wie passen Pflege und Urlaub zusammen?
Ferien Wie sich Pflege und Urlaub vereinbaren lassen

Strand-Rollstühle haben breite Ballon-Reifen, damit sie nicht im Sand einsinken.

Die fast 1,5 Millionen Menschen, die pflegebedürftige Angehörige betreuen, haben einen Anspruch auf Pflegepausen. Die Zauberworte heißen „Kurzzeitpflege“ und „Verhinderungspflege“. Beides sind Leistungen, die die Pflegeversicherung für Menschen ab Pflegegrad 2 vorsieht. Hierfür stehen den Betroffenen jährlich Betreuungsleistungen im Wert von insgesamt maximal 3.224 Euro zu – für insgesamt bis zu 14 Wochen im Jahr.

Verhinderungspflege auch am Urlaubsort möglich

Bei der Verhinderungspflege finanziert die Pflegekasse für maximal sechs Wochen im Jahr ganz oder teilweise eine Ersatzpflegekraft. Auch ein stundenweiser Ersatz wird bezahlt. So können sich pflegende Angehörige etwa den wöchentlichen Skatabend und einen zweiwöchigen Skiurlaub sichern. Ein Anspruch auf Verhinderungspflege besteht auch im Ausland – etwa wenn ein Pflegebedürftiger von einer Ersatzpflegekraft in der Schweiz betreut wird, während die reguläre Pflegeperson dort einen Skiurlaub verbringt.

Kurzzeitpflege im Heim

Sie kann zusätzlich für maximal acht Wochen pro Jahr in Anspruch genommen werden und findet im Pflegeheim statt. Das muss nicht am Wohnort sein. Die Kurzzeitpflege kann auch am Urlaubsort des pflegenden Angehörigen „gebucht“ werden – allerdings nicht im Ausland.

Urlaub für Pflegebedürftige

Auch Pflegebedürftige selbst müssen nicht auf einen Urlaub verzichten. Unter dem Stichwort „Pflegehotel“ gibt es für sie im Internet zahlreiche Angebote. Hotels an vielen Ferienorten bieten hier eine Kombination von Urlaub und Pflege an. Je nach Bedarf werden im Hotel durch einen örtlichen Pflegedienst – ganz wie zu Hause – ambulante Pflegeleistungen erbracht.

Es gibt auch nicht kommerzielle Angebote, etwa vom Verein „Urlaub & Pflege“ aus Telgte. Der Verein will auch Pflegebedürftigen die Möglichkeit geben, selbst Urlaub zu machen. Sie können hier 14-tägige Reisen buchen. Die Pflegeversicherung bezuschusst dies als Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege. Dabei kümmert sich jeweils eine Begleitperson um einen Reisenden. Sie begleitet die Teilnehmer tagsüber bei ihren Wunschausflügen. „Das kommt für alle in Frage, die noch mehrere Stunden im Rollstuhl sitzen können“, erklärt Therese Woltemade, die seit 15 Jahren hier tätig ist. An den Reisen können auch Angehörige teilnehmen. Überwiegend fahren die Pflegebedürftigen aber allein. „Man merkt, dass der Urlaub den Menschen nochmal richtig gut tut“, so Woltemade.

Arbeitnehmer können sich von ihrer Arbeit freistellen lassen

Arbeitnehmer in Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten haben ein Recht darauf, bis zu sechs Monate lang für die Pflege von der Arbeit freigestellt zu werden. Sie können auch eine kürzere Pflegezeit nehmen – beispielsweise für zwei Monate – und diese für einen Urlaub mit dem Pflegebedürftigen nutzen. Wenn der Arbeitgeber mitspielt, ist dies auch mehrfach möglich.

Einen Anspruch auf Freistellung – von maximal drei Monaten – haben Arbeitnehmer, die sich um schwer erkrankte Angehörige kümmern, die (noch) nicht als pflegebedürftig anerkannt sind. Dies gilt nach dem Pflegezeitgesetz, wenn ein Angehöriger an einer Krankheit – etwa an Krebs – leidet, die „ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat, bei der eine Heilung ausgeschlossen und eine palliativmedizinische Behandlung notwendig ist und die lediglich eine begrenzte Lebenserwartung von Wochen oder wenigen Monaten erwarten lässt“ (Paragraf 3, Absatz 6 Pflegezeitgesetz). Einen Teil der Freistellungszeit kann man unter Umständen für einen gemeinsamen „Abschiedsurlaub“ nutzen.

Tipp: Lesen Sie hier, welche Steuervorteile und Rentenansprüche pflegenden Angehörigen zustehen.

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Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist für alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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