Max Geißler
Ein Beitrag von Max Geißler, 19.07.2017

Kreditkartenbetrug Visa ist aufmerksam und kulant

Auf Reisen kann man was erleben: In Südamerika wurde die Kreditkarte von Geldsparen-Autor Max Geißler gehackt. Zum Glück schlug das Frühwarnsystem des Zahlungsdienstleisters an. Ein Erfahrungsbericht.
Kreditkartenbetrug Visa ist aufmerksam und kulant

Gleichgültig, ob Sie sich auf dem Weg nach Machu Picchu oder in Mannheim befinden: Vor dem Geldabheben sollten Sie Geldautomaten genau in Augenschein nehmen.

Erwartungsfroh startete ich kürzlich zu einer Reise nach Peru. Die Anden, Machu Picchu, der Titikakasee – ein langgehegter Traum sollte in Erfüllung gehen. Nach endlos langem Flug landeten wir schließlich in Lima. Bevor das Abenteuer beginnen konnte, hieß es erst mal Geld für den Urlaub besorgen. Nichts leichter als dies, dachten wir, und starteten mit Kreditkarte ausgerüstet die Automatensuche. Unser Reiseleiter zeigte uns ein Institut, das keine Gebühren fürs Bargeldziehen berechnet. Also fix die Visa-Karte in den Bankautomaten geschoben und die maximale Auszahlungssumme eingetippt. Die Ernüchterung folgte prompt: Die Bank lehnte die Visa-Karte von Comdirect ab. Einem mitreisenden Paar erging es genauso, deren Visa-Karte von der ING-Diba wurde ebenfalls nicht akzeptiert. Ein anderer Reisender hatte mehr Glück, seine ADAC-Karte funktionierte problemlos.

Also weiter zu nächsten Bank, dort hatten wir mehr Glück. Der Bankautomat akzeptierte die Kreditkarte, forderte aber für den überschaubaren Auszahlbetrag von maximal 400 Soles (117 Euro) gut fünf Euro Gebühr. Da uns die Bargeldsumme für zwei Personen ziemlich gering erschien, und die Reise tags darauf in die Wüste führte (wo sicherlich kein Geldautomat auf uns wartete), suchten wir weiter nach einem gebührenfreien Bankautomaten. Nach einigen Versuchen hatten wir Erfolg: Die Banco de la Nación (Nationalbank) gab Bargeld zum Nulltarif aus. Das nutzten wir gleich mehrfach aus und füllten unsere Reisekasse vorsorglich auf.

Minibeträge verschleiern Kreditkartenbetrug

Zunächst schien alles korrekt. Der von mir vorsorglich aktivierte SMS-Service von Comdirect informierte mich, dass die via Kreditkarte abgehobenen Soles in Euro abgebucht werden. Als jedoch ein paar Tage später eine SMS auftauchte, die die Abbuchung von einem US-Dollar ankündigte, wurde ich stutzig. Wieso ein Dollar? Ich hatte bislang nur Landeswährung abgehoben. Nach einigem hin und her kam ich zu dem Schluss, dass es sich wohl um eine Gebühr des Automatenbetreibers handeln müsse, wie ich sie schon in anderen Ländern gezahlt hatte. Da ich mehrfach Bargeld gezogen hatte, wunderte ich mich nicht, als später weitere Miniabbuchungen im Ein-Dollar-Bereich erfolgten.

Nervös wurde ich erst, als ich eines Morgens eine SMS von Comdirect auf meinem Handy fand, welche eine Zahlungsanforderung von 103 US-Dollar ankündigte. Da ich den Betrag nicht zuordnen konnte und das Geld zusätzlich zu meinen Ausgaben in Soles abgebucht werden sollte, versuchte ich Kontakt zu meiner Bank aufzunehmen. Eine Rückfrage via SMS war leider nicht möglich, die Kurzmitteilungen von Comdirect verwiesen lediglich auf eine Frankfurter Telefonnummer. Anrufe von Peru nach Deutschland sind aber sehr teuer. Aus Sicherheitsgründen wollte ich mich auch nicht in meinen Bank-Account vom Ausland aus einloggen.

Die Kreditkarte wurde gehackt

Gerade als ich über das weitere Vorgehen nachdachte, kam erneut eine SMS aus Deutschland. Diese enthielt wiederum eine Zahlungsanfrage von 102 Dollar aus den USA. Zu meiner Überraschung vermeldete die gleiche SMS aber auch, dass diese Forderung nun abgelehnt wurde. Kurz darauf das gleiche Spiel: Eine erneute Dollarforderung aus den USA wurde von Comdirect prompt zurückgewiesen.

Damit war klar: Meine Kreditkarte war gehackt worden. Die Kartendaten waren offensichtlich in die USA gelangt und wurden dort missbräuchlich verwendet. Normalerweise muss man in einem solchen Fall schnell handeln und die Kreditkarte sperren lassen. Da Visa den Kreditkartenbetrug aber bereits bemerkt hatte und alle weiteren Abbuchungsversuche konsequent blockierte, war dies nicht mehr nötig. Kurz darauf wurde die Karte komplett gesperrt. Im restlichen Urlaub kam dann die Kreditkarte meiner Frau zum Einsatz.

SMS-Service hat viele Abbuchungen nicht angezeigt

Zurück in Deutschland, staunte ich beim Durchforsten meiner Kreditkarten-Umsätze nicht schlecht: Insgesamt waren 22 unberechtigte Abbuchungen erfolgt, der Gesamtschaden summierte sich auf 325 Euro. Mit einem solchen Fehlbetrag hatte ich nicht gerechnet. Offensichtlich hat der SMS-Service von Comdirect die Visa-Umsätze nicht ansatzweise korrekt wiedergegeben. Ich rief sofort bei der Bank an, um zu erfahren, wie es mit Schadenersatzansprüchen steht. Der Gesetzgeber sieht ja bei unverschuldeten Fehlbuchungen einen Selbstbehalt von 150 Euro vor, den Rest sollte der Kreditkarten-Anbieter ersetzen.

Visa zeigt sich kulant

Der Servicemitarbeiter im Callcenter verwies mich auf ein Formular zur Visa-Umsatzreklamation, welches ich ausgefüllt zurück an Comdirect schicken sollte. Dass dies der Ausgangspunkt für die erfolgreiche Erstattung der unberechtigten Abbuchungen war, kann ich nur vermuten. Jedenfalls erhielt ich kurz darauf Post von Equens Worldline, einem Zahlungsdienstleister, der die Karteninhaber von Comdirect betreut. Nachdem ich mit dem Dienstleister alle Fehlbuchungen geklärt hatte, erhielt ich die Information, dass die unberechtigten Forderungen in den nächsten Tagen komplett erstattet werden.

Der Mitarbeiter war der Ansicht, dass ich gleich zu Beginn der Reise in Lima Opfer einer Skimming-Attacke an einem Geldautomaten geworden war. Dabei montieren Ganoven einen falschen, aber täuschend echt aussehenden Vorsatz am Bankautomaten, der Kontodaten und Geheimzahlen ausliest, um später das Kreditkartenkonto zu plündern. Derzeit kämen die Betrugsversuche häufig aus den USA, und fast immer ginge Datenklau durch Skimming im Ausland voraus, so die Information des Service-Mitarbeiters.

Fazit: Kreditkartenbetrug mit gutem Ende

Zum Glück haben die Frühwarnsysteme von Visa gut funktioniert und mich vor größerem Schaden bewahrt. Zu meiner Freude wurde das geklaute Geld tatsächlich in voller Höhe gutgeschrieben – eine lobenswerte Kulanz des Zahlungsdienstleisters. Damit ist der Schatten auf der ansonsten phantastischen Peru-Reise ausradiert. Bei der nächsten Fernreise werde ich mich beim ersten Anzeichen von Unregelmäßigkeiten sofort in mein Bankkonto einloggen und nach dem Rechten sehen. Zudem werde ich den Rat einiger Mitreisender beherzigen und eine gewisse Summe in Euro mitführen, die man bei Engpässen vor Ort in Landeswährung umtauschen kann.

Geldsparen-Tipp: Falls Sie Unregelmäßigkeiten mit Ihrer Kreditkarte bemerken: Die Zentrale Sperr-Rufnummer für fast alle Girokarten und Kreditkarten lautet: 0049 116 116.
    Karte Anbieter  
1.  
VisaCard
2.  
comdirect VISA-Karte
3.  
VISA Card
Datenstand: 15.10.2017
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
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Max Geißler mein Name ist Max Geißler. Auf geldsparen.de kümmere ich mich vor allem um die Themen Geldanlage, Altersvorsorge und Immobilien. Ich habe Politikwissenschaften studiert und bin als Journalist und Buchautor tätig.

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