Die Anbieter von Krankenzusatzversicherungen haben Hochkonjunktur. Vielen gesetzlich Versicherten reicht der Basisschutz der Kassen nicht mehr: Sie wollen ihren Gesundheitsschutz mit Zusatzpolicen optimieren. Aber: Welche Versicherungen sind empfehlenswert? Wir haben den unabhängigen Versicherungsberater Jörg Deppner aus Hilpoltstein (kanzlei-deppner.de) um eine Einschätzung gebeten.
Zusatzversicherung Krankenhaus
Zahnzusatzversicherung

Zahnzusatzversicherungen sollen die Last der hohen Zuzahlungen für hochwertigen Zahnersatz mindern, denn die Kassen tragen nur die Kosten für die einfachsten Lösungen. Bei teuren Ersatzmaßnahmen wie Implantaten müssen deshalb schnell einige 1.000 Euro selbst getragen werden. Wer aufwändigen Zahnersatz wünscht, kann eine Zahnzusatzversicherung wählen, die von den Gesamtkosten einen fixen Betrag zwischen 80 Prozent und 100 Prozent abdecken − unter Anrechnung der Kassenleistung. Zusätzlich bieten viele Zahnzusatzversicherungen weitere Leistungen und übernehmen z. B. die Kosten für Wurzelbehandlungen, professionelle Zahnpflege oder Knirschschienen.
  • Expertenurteil: Eher überflüssig
    „Für die meisten dürfte die Police eher überflüssig sein“, sagt Jörg Deppner. „Der Abschluss von Zahn-Zusatzversicherungen entspricht der Deutschen „Vollkasko“-Mentalität. Tarife mit tatsächlich wirkungsvollem Versicherungs-Umfang kosten für Erwachsene zwischen bis zu 50 Euro im Monat. Somit summieren sich die Kosten über die Jahre hinweg zu einem ansehnlichen Betrag, mit welchem alternativ auch die Kosten finanziert werden können. Die wenigsten Menschen benötigen jährlich Zahnersatz – und diejenigen die tatsächlich „schlechte“ Zähne haben, erhalten auf Grund der Risikoprüfungen keinen - guten – Versicherungsschutz.“
Krankenhauszusatzversicherungen

Diese Policen ermöglichen bei Krankenhausaufenthalten eine Behandlung und Unterbringung wie ein Privatpatient. Das heißt: Sie können den behandelnden Arzt und das Krankenhaus frei wählen und werden außerdem im Ein- oder Zweitbettzimmer untergebracht.
  • Expertenurteil: Sinnvoll
    „Leider gibt es im Krankenhaus tatsächlich Leistungsunterschiede zwischen Kassen- und Privatpatienten“, sagt Experte Deppner. „Da zum einen Krankenhausbehandlungen wesentlich teurer als Zahnersatz sind (und bei den Meisten wohl nicht aus privaten Vermögen finanziert werden können) und zum anderen das abgesicherte Risiko (schwere Krankheit) wichtiger ist, ist der Abschluss einer stationären Zusatzversicherung sinnvoll.“
Auslandskrankenversicherung

Auslandskrankenversicherungen decken bei Unfällen und unerwarteten Erkrankungen im Ausland vor allem die Kosten für ambulante ärztliche Behandlungen, Röntgendiagnostik und Operationen, für ärztlich verordnete Arznei-, Verband- und Heilmittel ab und sorgen dafür, dass Zahnbehandlungen, Aufenthalte und Behandlungen im Krankenhaus sowie der Rücktransport bei schwerer Krankheit nicht aus eigener Tasche bezahlt werden müssen.
  • Expertenurteil: Wichtiger Schutz:
    „Wer ins Ausland reist, sollte sich diesen Versicherungsschutz leisten“, rät Jörg Deppner.
Krankentagegeld

Wer länger als 42 Tage krank ist, kommt dann nicht mehr in den Genuss der Lohnfortzahlung, sondern bekommt nur noch Krankengeld, das auch bei Besserverdienern nie mehr als knapp 90 Euro pro Tag beträgt. Selbstständige kommen naturgemäß gar nicht in den Genuss einer Lohnfortzahlung und müssen vom ersten Tag an für den Einkommensersatz sorgen. Die Krankentagegeldversicherung zahlt im Krankheitsfall eine Summe X – Obergrenze ist zusammen mit dem Krankengeld der Kasse das aktuelle Nettoeinkommen. Sollte man sie abschließen?
  • Expertenurteil: Einkommen absichern
    „Bei Selbstständigen muss das Krankentagegeld immer entsprechend dem Einkommen abgesichert werden“, sagt Versicherungsberater Deppner. „Vor allem bei privat und freiwillig gesetzlich Versicherten besteht Handlungsbedarf. Bei freiwillig gesetzlich Versicherten im Angestelltenverhältnis gilt: Auf Grund des Verdienstes über der Beitragsbemessungsgrenze kann die Differenz zwischen Nettogehalt und Leistung der Kasse weit auseinander liegen. Je nach Höhe der monatlichen Fixkosten sollte über einen Abschluss nachgedacht werden.“
 

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