Annette Jäger
Ein Beitrag von Annette Jäger, 19.01.2018

Vollmacht und Verfügung Für den Notfall vorsorgen

Mitbestimmen, auch wenn einen die geistigen Kräfte verlassen – wer das wünscht, sollte vorsorgen. In Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kann jeder seine Wünsche festhalten.
Vollmacht und Verfügung Für den Notfall vorsorgen

Wer mit einer Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht vorsorgt, erleichtert im Notfall Angehörigen Entscheidungen und man selbst behält die Regie über das eigene Leben.

Der Jahresanfang ist eine gute Gelegenheit, lange Aufgeschobenes endlich zu erledigen – etwa eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht zu verfassen. Das zahlt sich aus. Denn ein Unfall kann einen Menschen von heute auf morgen geschäftsunfähig machen. Wer im Koma liegt, kann nicht mehr für sich selbst entscheiden. Wer keine Vorsorge getroffen hat, muss akzeptieren, dass der Gesetzgeber die Regie übernimmt.

Mit einer Patientenverfügung Angehörige entlasten

Eine Patientenverfügung ermöglicht dem Patienten, bei der medizinischen Behandlung mitzubestimmen, wenn er selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Ärzte sind verpflichtet, eine Verfügung zu berücksichtigen. „Für Angehörige stellt eine Patientenverfügung eine große Entlastung dar“, sagt Herbert Grziwotz, Notar in Regen und Professor an der Universität Regensburg. So sind sie nicht gezwungen zu entscheiden, wann etwa lebens-erhaltende Maßnahmen eingestellt werden. Allerdings müssen die Wünsche sehr konkret formuliert sein. Dazu sollte sich jeder vorher umfassend beraten lassen, zum Beispiel durch den Hausarzt. Auch Organisationen wie die Deutsche Stiftung Patientenschutz klären auf.

Vorsorgevollmacht für eine enge Vertrauensperson

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Angehörige automatisch eine Entscheidungsbefugnis haben. Tatsächlich setzt das Gericht einen Betreuer ein. Das kann auch ein Fremder sein. Wer das vermeiden will, verfasst eine Vorsorgevollmacht und benennt eine Vertrauensperson zum Bevollmächtigten: Diese Person entscheidet in Gesundheitsfragen, über einen Heimaufenthalt und regelt Geldangelegenheiten. „Eine Vorsorgevollmacht ist nur ratsam, wenn es eine enge Vertrauensperson gibt“, warnt Grziwotz. Denn der Bevollmächtigte unterliegt keinerlei Kontrolle.

Betreuungsverfügung statt Vorsorgevollmacht

Fehlt eine Vertrauensperson im Umfeld, sollte der Betroffene eine Betreuungsverfügung verfassen. Darin kann er eine Person benennen, die die Betreuung übernehmen soll, etwa einen Anwalt oder einen Freund. Das Gericht bleibt Kontrollinstanz: Einmal im Jahr muss der Betreuer eine Vermögensaufstellung einreichen. Die Gerichte sind zwar angehalten, bei der Ernennung eines Betreuers familiäre Beziehungen zu berücksichtigen. „Doch leben Angehörige weit entfernt, bestimmen manche Gerichte einen Berufsbetreu-er“, sagt Grziwotz. Liegt sowohl eine Vorsorgevollmacht als auch eine Betreuungsverfügung vor, hat die Vollmacht immer Vorrang.

Sichtbar vorsorgen

Es lohnt sich, Verfügungen und Vollmachten regelmäßig auf Aktualität zu überprüfen und auch, ob die jeweils genannten Vertrauenspersonen auch noch das Vertrauen genießen. Das ist zum Beispiel für Eheleute wichtig, die sich gegenseitig als Bevollmächtigte eingesetzt haben, aber mittlerweile geschieden sind. Die Schriftstücke müssen zuverlässig aufzufinden sein. Gegen eine Gebühr kann der Verfasser sie beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren lassen. Auch die jeweils genannte Vertrauensperson sollte ein Exemplar erhalten.

Mit einer Sorgerechtsverfügung Kinder versorgt wissen

Mit einer Sorgerechtsverfügung können Eltern festlegen, auf wen das Sorgerecht für die minderjährigen Kinder übergehen soll, falls sie beide sterben. Ansonsten bestimmt das Familiengericht, wer für das Kind Sorge tragen soll. Eltern können auch Personen festlegen, die das Sorgerecht auf keinen Fall erhalten sollen. Allerdings kann nicht einfach ein getrennt lebender Elternteil ausgeschlossen werden.
Vergleich Risikolebensversicherung
Sämtliche Angaben ohne Gewähr

Testament

Ein Testament ist sinnvoll, wenn man etwas zu vererben hat oder die gesetzliche Erbfolge umgehen möchte. Ein Testament kann jeder selbst verfassen, genau wie eine Vorsorgevollmacht und eine Betreuungsverfügung. Ein Besuch beim Anwalt oder Notar ist aber sinnvoll: Ein beurkundetes Testament ersetzt einen Erbschein. Auch eine beglaubigte Vorsorgevollmacht, die über den Tod des Verfasser hinaus gilt, wird oft an Stelle eines Erbscheins anerkannt, allerdings nicht immer. Bei der Bank reicht sie aber, um Zugang zu den Konten zu erhalten. Eine separate Kontovollmacht ist dann überflüssig. Eine Patientenverfügung vom Notar beurkunden zu lassen, kostet in der Regel rund 60 Euro, bei einer Vorsorgevollmacht fallen je nach vorhandenem Vermögen ab 75 Euro aufwärts an.

Gut zu wissen: Bei der Beglaubigung stellt der Notar die Geschäftsfähigkeit des Verfassers fest und bestätigt die Richtigkeit der Unterschrift. Bei der Beurkundung geht es darüber hinaus auch um den Inhalt des Schriftstücks: Der Notar berät und entwirft auch auf Wunsch einen Text.

Tipp: Lesen Sie hier, wie die gesetzliche Erbfolge geregelt ist.
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Annette Jäger mein Name ist Annette Jäger. Ich schreibe über Gesundheit, Versicherungen und Soziales auf Ihrem Family-Portal geldsparen.de. Ich habe Neuere Geschichte studiert und bin seit 1993 als Journalistin tätig.

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