Anja Lang
Ein Beitrag von Anja Lang, 04.07.2013 (Aktualisiert 22.01.2016)

Krankenkasse Knochendichtemessung häufig selbst zu zahlen

Durch die Gesetzesänderung 2013 sollten deutlich mehr Menschen eine Knochendichtemessung bezahlt bekommen Рdoch genau das Gegenteil ist der Fall.
Knochendichtemessung Kassen zahlen nun fr√ľher Familienportal Biallo.de

K√ľnftig zahlt die Kasse eine Knochendichtemessung, bevor ein Bruch entsteht

Mehr als ein Viertel aller Deutschen √ľber 50 Jahre leidet an Osteoporose. Das ist der medizinische Fachausdruck f√ľr Knochenschwund. Besonders Frauen jenseits der Menopause sind davon betroffen. Die Knochen verlieren dabei allm√§hlich ihre Festigkeit. Bereits bei allt√§glicher Belastung kann es dann zu schmerzhaften Knochenbr√ľchen, besonders an der H√ľfte und an den Wirbelk√∂rpern, kommen.

Osteoporose selbst tut nicht weh. Die Patienten merken also in der Regel nicht, dass ihre Knochen allm√§hlich "d√ľnner" werden. Oft erfahren sie erst davon, wenn es bereits zu Br√ľchen gekommen ist.

Was ist eine Knochendichtemessung?

Mit einer Knochendichtemessung kann man den Mineralsalzgehalt des Knochens bestimmen. Der Arzt kann so erkennen, wie stabil und damit bruchfest der Knochen ist und inwieweit eine Therapie auch mit speziellen Osteoporose-Medikamenten angebracht ist. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Knochendichtemessung.

Das g√§ngigste Verfahren ist die sogenannte Osteodensitometrie mittels DXA. Dabei handelt es sich um eine spezielle R√∂ntgenuntersuchung. Bis Anfang 2013 mussten Patienten dieses Diagnoseverfahren in vielen F√§llen als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) selbst bezahlen. Erst wenn aufgrund von fortgeschrittener Osteoporose bereits mindestens ein Knochen gebrochen war, √ľbernahmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten f√ľr die Messung.
Krankenkasse

In welchen Fällen zahlt die Krankenkasse?

Mit Beschluss des Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) am 21.02.2013 und anschlie√üender Ver√∂ffentlichung im Bundesanzeiger (BAZ) am 11.05.2013, trat eine neue Richtlinie zur Kosten√ľbernahme der Knochendichtemessung mittels DXA in Kraft. Die Indikationen wurden gelockert bzw. erleichtert. Ziel war es, dass deutlich mehr Menschen in den Genuss einer kostenlosen Knochendichtemessung kommen sollten: So ist die Knochendichtemessung¬† als Kassenleistung seither auch m√∂glich, wenn ein begr√ľndeter Verdacht auf Osteoporose besteht und der Patient sich noch nichts gebrochen hat.

Eine Kosten√ľbernahme ist durch die Neuregelung au√üerdem seither auch f√ľr sogenannte Risikopatienten m√∂glich - also Versicherte, die aufgrund bestimmter chronischer Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme ein erh√∂htes Osteoporose-Risiko tragen. "Das sind zum Beispiel Menschen mit chro¬≠nisch entz√ľndlichen Darm-, Leber- und Nierenerkrankungen und Patienten, die schon √ľber lange Zeit Medikamente wie Kortison oder auch Heparin einnehmen", erkl√§rt Daniela Hubloher, Medizinerin in der Patientenberatung der Verbraucherzentrale Hessen und Patientenvertreterin in der Arbeitsgruppe des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die √ľber die Knochendichtemessung beraten hat. "Dasselbe gilt f√ľr Patient(innen), die wegen rheumatischer Erkrankungen, im Rahmen einer Brustkrebs-Therapie oder auch aufgrund hormoneller St√∂rungen √ľber l√§ngere Zeit bestimmte Medikamente einnehmen mussten."
Geldsparen.de-Tipp:¬† Eine Liste mit Anhaltspunkten f√ľr die Kassen√ľbernahme liefert zum Beispiel die Leitlinie vom Dachverband der Osteologen

Hilfe und tatkr√§ftige Unterst√ľtzung durch Experten und selbst Betroffene, erhalten Sie auch beim Bundesselbsthilfeverband f√ľr Osteoporose e.V. (BfO)


Die Kehrseite der Medaille

Crux ist, dass der einheitliche Bewertungsma√üstab (EBM), das ist die Verg√ľtung, die der Arzt von der Krankenkasse f√ľr seine Leistung bekommt, von der Kassen√§rztlichen Vereinigung sehr niedrig festgelegt wurde. "Gerade mal rund 17 Euro bekommt ein Arzt aktuell von der Kasse f√ľr eine Knochendichtemessung", wei√ü Ingeborg Linde, Sprecherin der Patientenvertreter in der Arbeitsgruppe des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). "Osteologen, Radiologen und Rheumatologen beklagen sich aber, dass diese Verg√ľtung in keiner Weise kostendeckend sei." Zu einer Erh√∂hung der EBM ist die kassen√§rztliche Bundesvereinigung allerdings bislang nicht bereit. In der Folge haben viele √Ąrzte ihre Kassenzulassung f√ľr die Durchf√ľhrung einer Knochendichtemessung abgegeben. Das hei√üt der Patient kann die Knochendichtemessung bei einem Arzt, der jetzt keine Kassenzulassung mehr daf√ľr hat, auch nicht mehr auf Kassenkosten durchf√ľhren lassen. Er muss diese dann als IGel-Leistung selbst bezahlt. "Selbst Erkrankte mit Frakturen bekommen hier jetzt keine Messung auf Kassenkosten mehr", bedauert Linde. ¬†
 
 Weniger Leistung trotz erweitertem Rechtsanspruch
 
Damit hat sich die Situation f√ľr Osteoporose-Kranke seit der Neuregelung, genau ins Gegenteil verkehrt. "Zwar gibt es Anzeichen daf√ľr, dass die EBM f√ľr die Knochendichtemessung in Zukunft erh√∂ht werden soll", betont Linde. "Wann das aber konkret der Fall sein wird steht noch nicht fest." Inwieweit die m√∂gliche Erh√∂hung dann wiederum die¬† √Ąrzte motiviert, die bereits zur√ľckgegebene Kassenzulassung wieder zu neu zu beantragen, bleibt au√üerdem mehr als fraglich. "Wir bef√ľrchten, dass die Zahl der √Ąrzte mit Kassenzulassung f√ľr die Knochendichtemessung weiterhin auf einem relativ niedrigen Niveau stehen bleiben wird und viele Patienten deshalb die Untersuchung aus eigener Tasche bezahlen m√ľssen", bedauert Linde.
 
Was kann ich tun, um die Knochendichtemessung trotzdem als Kassenleistung zu bekommen?
 
Osteoporose-Patienten, die aufgrund der Erkrankung bereits einen Bruch erlitten haben, Risikopatienten mit bestimmten Vorerkrankungen sowie Patienten, bei denen eine Behandlungsabsicht besteht, haben grunds√§tzlich einen Rechtsanspruch auf die Kosten√ľbernahme einer Knochendichtemessung durch die gesetzliche Krankenkasse. "Ich rate diesen Betroffenen deshalb sich gezielt nach √Ąrzten in ihrer N√§he zu erkundigen, die noch eine entsprechende Kassenzulassung besitzen", erkl√§rt Linde. "Auskunft hierzu k√∂nnen die Kassen√§rztlichen Vereinigungen der jeweiligen Bundesl√§nder geben."
 

 


Was kann ich selbst gegen Osteoporose tun?

Bislang ist es nicht möglich Osteoporose vollständig zu heilen. Aber es gibt eine Reihe an Möglichkeiten den gestörten Knochenstoffwechsel zumindest aufzuhalten oder auch zu bremsen. Dazu können Sie selbst viel beitragen:
  • Bewegung: Wer rastet, der rostet. Bewegung erh√∂ht die Muskelkraft und f√∂rdert die Koordination. Das sch√ľtzt auch vor St√ľrzen. Gehen Sie deshalb regelm√§√üig spazieren oder auch Nordic Walking.
  • Besonderer Tipp: Besonders effektiv trainieren Osteoporose-Patienten mit einem speziellen Funktionstraining f√ľr Osteoporose. Das Funktionstraining kann vom Arzt verschrieben werden und f√§llt nicht unter die Budgetierung. Unter geschulter Anleitung erlernen Sie hier gezielte Bewegungen, die den Erhalt der Muskulatur, der Kraft und der Beweglichkeit f√∂rdern. So verbessern sich Ihre Koordination und Ihr Gleichgewichtssinn, wodurch sich auch die Gefahr eines Sturzes und damit auch das Risiko eines Bruches vermindern lassen. Kurse werden vom Dachverband der Osteoporose Selbsthilfegruppen angeboten. N√§here Informationen dazu finden Sie hier http://www.osd-ev.org/osteoporose-therapie/osteoporose-bewegung-sport/funktionstraining/index.php. Die Kosten √ľbernehmen die Krankenkassen.

  • Ern√§hrung:¬†Achten Sie auf einen gesunden und abwechslungsreichen Speiseplan mit Lebensmitteln, die besonders viel Calcium und Vitamin D enthalten. Die wichtigsten Calcium-Lieferanten sind magere Milch und Milchprodukte, wie K√§se und Quark, aber auch gr√ľnes Gem√ľse. Vitamin D unterst√ľtzt die Einlagerung von Calcium in den Knochen. Es steckt vor allem in Seefisch und Eiern. Trifft Sonnenlicht auf die Haut, kann der K√∂rper das Vitamin aber auch selbst bilden. Deshalb, gerade im Winter bei sonnigem Wetter √∂fters mal rausgehen. Zigaretten, Alkohol und Kaffee wirken sich ung√ľnstig auf den Knochenstoffwechsel aus. Rauchen und den Konsum von Kaffee und Alkohol sollten Sie deshalb m√∂glichst einschr√§nken.
  • Medikamente:¬†Inzwischen stehen auch eine Reihe an speziellen Osteoporose-Medikamenten zur Verf√ľgung, die entweder den weiteren Knochenabbau verhindern oder auch den Knochen st√§rken k√∂nnen. Diese Mittel sind aber nicht zur Vorsorge gedacht und k√∂nnen mitunter massive Nebenwirkungen haben. Hier muss eine gute Risiko-Nutzen-Abw√§gung stattfinden, inwieweit Sie als Patient tats√§chlich von dem Pr√§parat profitieren oder ob nicht andere Ma√ünahmen sinnvoller sind.
Jetzt zum Geldsparen Newsletter anmelden!

Liebe Leserinnen und Leser,

Anja Lang mein Name ist Anja Lang. Ich bin Expertin f√ľr Mobilit√§t, Gesundheit und Vorsorge auf Ihrem Family-Portal. Hier beantworte ich s√§mtliche Fragen rund um die Themen Zuzahlung, Gesundheitsvorsorge, aber auch Autokosten.

Suchen Sie ein bestimmtes Thema?

Artikel Suchen

Oder schreiben Sie mir einfach, wenn Sie eine Frage haben.

Mail

Ich freue mich auf eine Mail von Ihnen

» Autoren von geldsparen.de

Leserkommentare

 

23.11.2016 21:06 Uhr
Vera Carl: Knochendichtemessung
Schade, die Krankenkassen müssten jede Leistung der Ärzte prüfen! Die gesetzlichen Leistungen der Vorsorge-Untersuchungen sind den meisten Patienten nicht bekannt! Hierüber müssten die Krankenkassen Infos an die Patienten weitergeben! !

13.11.2016 14:10 Uhr
Simm: Wie beim "Steurn sparen"
So einfach geht das bei manchen Ärzten.Lücken um das"Gesetz"zu umgehen,suchen!Was soll,s.Den Patienten,besonders chronisch Kortisongeschädigte eben noch das 3 fache einer KK Leistung auf die Tasche zu drücken,bei selbst topverdienenden Ärzten kein Problem. Weiter so!!!

28.11.2015 08:18 Uhr
Dr. med. Dieter Veith: Stimmt fast aber doch nicht ganz
Ihr Artikel ist lobenswert im Sinne der Aufklärung. Er enthält jedoch Fehler. Dass mehr als ein Viertel aller Deutschen über 50 an Osteoporose leiden, ist sicher wesentlich zu hoch gegriffen. Dann das leidige Thema der Kostenübernahme für die DXA-Messung. Kein Arzt sollte sich zwingen lassen, diese hoch qualifizierte Leistung für ca. 16 Ä!!! Zu erbringen. Deshalb empfehlen wir unseren Mitgliedern (Berufsverband der Ärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie, Orthopädische Gesellschaft für Osteologie) diese Messung nicht als Kassenleistung zu erbringen.


Kommentar schreiben

Name*

Email*

√úberschrift*

Kommentar

Ziffernfolge
hier eingeben:
neu laden


*Pflichtfelder

 

Foto: Colourbox.de ID:3857

Der Geldsparen-Newsletter

Schon abonniert?

Unser Newsletter versorgt Sie regelmäßig mit aktuellen Themen zu:

Geld
Geld
  Gesundheit
Vorsorge
Wohnen
Wohnen
  Beruf
Beruf/Ausbildung
Internet & Telefon
Internet & Telefon
  Unterwegs
Unterwegs

Anrede

Vorname

Nachname

eMail*

Newsletter (wöchentlich)

Spartipp des Tages (täglich)

Ich erkläre mich mit der Nutzung meiner Daten
    laut Nutzungsbedingungen einverstanden.

 

*Pflichtfelder

 
Bereich: Vorsorge Pagename: knochendichtemessung(3857)